Bamberg
Interview

Bambergs Heimatpflegerin ist Villa Schröppel "zu schön" geworden

Bei der anhaltenden Diskussion um die Frage, ob die Sanierung des Bamberger Einzeldenkmals Villa Schröppel gelungen ist oder nicht, spielen offenbar unterschiedliche Auffassungen von Denkmalpflege eine Rolle. Darum geht es auch im Interview mit der Bamberger Stadtheimatpflegerin Stephanie Eißing.
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Schick aber nicht denkmalgerecht? Das neu eingerichtete Bad in der Villa Schröppel. Foto: Matthias Hoch
Schick aber nicht denkmalgerecht? Das neu eingerichtete Bad in der Villa Schröppel. Foto: Matthias Hoch
Stadtheimatpflegerin Stephanie Eißing verfolgt die Debatte um die Sanierung der Villa Schröppel am Michelsberg mit viel Interesse. Wie die Stadträte auch kennt sie das Einzeldenkmal, das der von der Stadt Bamberg verwalteten Bürgerspitalstiftung gehört, bisher nur von den Fotos, die jüngst im Bau- und Werksenat gezeigt wurden. Eißings erster Eindruck ist, dass vieles "zu schön" geworden ist.

Sie sind mit dem Ergebnis der Sanierung, soweit Sie es kennen, nicht ganz glücklich. Warum nicht?
Stephanie Eißing: Ein saniertes Denkmal ist immer etwas, was die Heimatpflege begrüßt, vor allem wenn der Bauherr sichtlich um Substanz erhaltende Behandlung bemüht war. Das ist hier durchaus der Fall. Ich bin aber der Meinung, ein saniertes Denkmal muss, ja sollte nicht wie neu aussehen. Und wenn es das tut, möchte ich wissen, warum es wie neu aussieht, was tatsächlich neu ist und warum. Diese Informationen waren am Mittwoch nicht vorgesehen und nicht möglich.

Die Debatte um die Villa Schröppel erweckt den Eindruck, dass es unterschiedliche Auffassungen von Denkmalpflege gibt. Ist dem so?
Die Ausrichtung von denkmalpflegerischen Maßnahmen und die Grundlinien haben sich offensichtlich in Zeiten von Vollrekonstruktionen wie dem Berliner Schloss geändert.

Die Fachbehörden und Denkmalwissenschaftler rücken Ästhetik und historisches Aussehen offenbar mehr in den Vordergrund als früher und sind bereit, dafür mal mehr oder weniger Originalsubstanz zu opfern - sprich Altes zu ersetzen.

Das ist legitim, wenn es von der Öffentlichkeit und der Politik mitgetragen wird, was wohl der Fall ist. Man muss dann aber diese Entscheidungen und Maßnahmen als "neu" entsprechend auch darstellen.

Ich habe da eine etwas "altmodischere" Meinung. Für mich steht immer die originale Substanz, das Gebäude als historisches Zeugnis mit seinen Gebrauchsspuren und seiner "Patina" im Mittelpunkt des Interesses.

Das heißt aber nicht, dass der Bewohner eines Denkmals mit einem Plumpsklo zurecht kommen muss, um es mal so plastisch auszudrücken.

Aber das schicke Bad und die rekonstruierten Böden sowie die Lampen in der Schröppel-Villa sind keine denkmalpflegerischen Maßnahmen. Das ist reine Privatsache des Bauherrn (auch kostenmäßig), sofern sie Substanz schonend eingebracht werden.

Die Bürgerspitalstiftung als Bauherrin versichert, jeder Schritt, jeder Eingriff sei mit der zuständigen Referentin vom Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt gewesen. Was noch hätte sie Ihrer Meinung nach tun müssen?
Die Abstimmung zwischen Bürgerspitalstiftung und Fachbehörde hat stattgefunden. Die Fachbehörde, also das Landesamt für Denkmalpflege ist die beratende Behörde und hat ihren Auftrag erfüllt.

Aber die genehmigende Behörde ist - soweit ich weiß - die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt. Und da hat es aus meiner Sicht durchaus Kommunikationslücken oder -probleme zwischen den Beteiligten gegeben.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Ein besseres Zusammenspiel hätte vielleicht dazu geführt, dass das Ergebnis mehr historische Altersspuren aufweisen würde.

Der Stadtrat will nach dem Ortstermin in der Villa Schröppel im April den generellen Umgang der Stadt mit ihren Denkmälern diskutieren. Was sagen Sie dazu?
Die grundsätzliche Diskussion, wie die Stadt mit ihren Denkmälern zukünftig umgeht, halte ich für eine ausgesprochen wichtige Sache, um eine Standortbestimmung und Leitvorstellungen für künftige Sanierungen zu bekommen. Dies allerdings völlig unabhängig von der aktuellen Problematik um die Villa Schröppel.

Letztere zeigt nur, wie wichtig so eine Diskussion im Voraus ist.

Die Fragen stellte J. Behr-Groh













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