Bamberg

Bambergs Gartenschau wird deutlich billiger

Besuchermassen und die Gastronomieerlöse bei der Landesgartenschau senken das Defizit möglicherweise um fünf Millionen und füllen die Kassen der Stadt. Doch ausgerechnet im Bamberger Rathaus will man von dem Erfolg wenig wissen.
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An das Spektakel, das über eine Million Menschen auf die Erba-Insel zog, erinnert heute nur noch wenig. Nun könnten Einspareffekte die Stadt zum zweiten Mal zum Blühen bringen.
An das Spektakel, das über eine Million Menschen auf die Erba-Insel zog, erinnert heute nur noch wenig. Nun könnten Einspareffekte die Stadt zum zweiten Mal zum Blühen bringen.
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Kaum eine Menschenseele. Keine Tulpen oder Stiefmütterchen mehr. Wo noch vor einem halben Jahr Besuchermassen Richtung Hauptbühne pilgerten, hört man heute nur den Fischpass murmeln. Bauzäune und Sicherheitsdienst: Das ehemalige Landesgartenschaugelände wird bewacht, als ob ein geheimer Schatz dort verborgen läge. In gewisser Weise stimmt das auch. Die Großveranstaltung in Bamberg, die noch vor einem Jahr als die teuerste Gartenschau aller Zeiten galt, hat Rekordeinnahmen zu verbuchen. Sie könnten die Kosten der Schau für die Stadt von 18,3 auf 13 Millionen Euro verringern , was einem warmen Geldregen gleich käme.

Doch nicht jeder will das so genau wissen in der Stadtverwaltung. Harald Lang hat keinen Grund, den Erfolg klein zu reden: 5,1 Millionen Euro ist die Zahl, die uns der Geschäftsführer der Gartenschau-GmbH nennt. Nicht nur hinter vorgehaltener Hand.
Ein Wirtschaftsprüfer habe die Schlussrechnung des Jahres 2012 kurz vor der geplanten Liquidation der Gesellschaft bestätigt.

5,1 Millionen Euro? Das wäre eine Sensation! Noch im November war ein Raunen durch die Stadt gegangen, als sich verbreitete, dass die Gartenschau drei Millionen Euro mehr eingenommen hatte als geplant.

2,8 Millionen durch Mehrverkäufe
Was der Geschäftsführer sagt, klingt nachvollziehbar. 2,8 Millionen Euro wurden allein durch die Mehrverkäufe bei den Tickets erzielt. Statt 800.000 Menschen, wie ursprünglich kalkuliert, waren deutlich über eine Million zahlender Gäste gekommen. Das Besucherplus hat auch dazu geführt, dass in den Kassen der Gastronomie die Euro klingelten. Mit 1,3 Millionen Euro beziffert Lang die Mehreinnahmen von Pacht und Sponsoring.



Doch das ist noch nicht alles. Ausgerechnet in Bamberg, das immer noch unter dem Trauma von Ketten- und Löwenbrücke leidet, schaffte es die Gartenschau, die Investitionen auf der Erba, darunter etliche Brückenbauwerke, mit einer Einsparung von einer Million Euro abzuwickeln. "Wir haben davon profitiert, dass wir die Aufträge nach der Bankenkrise in einer wirtschaftlichen Talsohle vergeben konnten", erklärt der Geschäftsführer. Selbst der zusätzlich in den Leistungplan der Gartenschau aufgenommene Fischpass am Hollergraben konnte das siebenstellige Plus nicht mehr beeinträchtigen.

Harald Langs Offenheit wird nicht von allen Stellen der Verwaltung geteilt. Bertram Felix, seines Zeichens Finanzreferent, will die vermeintlichen oder auch echten Segnungen der Landesgartenschau nicht kommentieren: "Die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen und es ist deshalb nicht der Zeitpunkt um konkrete Zahlen zu nennen", sagt der Kämmerer. Das Vorpreschen seines Kollegen nennt er "verantwortungslos". Doch auch Felix bestätigt, dass die solche Minderausgaben ein Segen für die Stadt wären. Denn die Gewerbesteuereinnahmen zeigen anders als in vielen anderen Städten in Bamberg nach unten. Derzeit liegt die Stadt bei ihrer wichtigsten Einnahmequelle, der Gewerbesteuer, vier Millionen Euro unter Plan.

OB warnt vor vorschnellen Schlüssen
Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) spricht von einer "wunderbaren Nachricht" und gratuliert der Geschäftsführung und dem Finanzreferat zu ihrer Arbeit. Doch trotz "zweifelloser Überschüsse" mag er keine Summe bestätigen und das Fell des Bären nicht verteilen: "Ich warne vor vorschnellen Schlussfolgerungen", sagt das Stadtoberhaupt mit Blick auf die Betriebsprüfung durch das Finanzamt. Sie beginnt im April und könnte die Stadt durchaus in Millionenhöhe belasten.

Doch hört man Harald Lang, gehen die Risiken, dass die Zahlen sich noch einmal wesentlich ändern, gegen null: Die Restarbeiten seien zu unbedeutend, um das Ergebnis noch zu beeinflussen. Und für potenzielle Rückzahlung ans Finanzamt habe die GmbH aus den Erfahrungen anderer Städte lernend einen Puffer angelegt."Ich glaube, wir können uns auch dank der guten Zusammenarbeit mit den Aufsichtsräten auf satte Mindereinnahmen freuen. Das nützt der Stadt bei all ihren großen Aufgaben in der Zukunft, zum Beispiel für die Brose-Ansiedlung", sagt Lang."

Eine Erfolgsgeschichte, über die OB und Finanzreferent am liebsten den Mantel des Schweigens breiten würden? "Dieses außerplanmäßige Geld weckt natürlich Begehrlichkeiten", erklärt sich Peter Gack von den Bamberger Grünen den Widerspruch. Eine nachvollziebare Begründung: Geld, von dem niemand weiß, dass man es hat, muss auch nicht veteilt werden.

Vieles geriet ins Wanken
Und es gibt eine Menge Projekte, die wegen der angespannten Finanzlage der Stadt ins Wackeln geraten sind. Zum Beispiel die Sanierung der Jugendherberge Wolfsschlucht oder der Bau eines Omnibusbahnhofs am Bahnhof. Beides wären Gacks Favoriten für eine zweckgebundene Rücklage, sollten die Gartenschau tatsächlich fünf Millionen Euro auf das Stadtkonto spülen. Zumindest für die Wolfsschlucht zeichnet sich in einem solchen Fall sogar eine Mehrheit ab. Auch CSU und SPD möchten in die Sanierung des Gästehauses Geld lenken.

Und wem hat die Stadt den Erfolg der Gartenschau verdanken? Zumindest da sind sich alle einig: "Die 70.000 Bamberger, die die Großveranstaltung auf der Erba zu ihrer eigenen gemacht haben", sagt Lang. Ihre Begeisterung und Unterstützung haben dazu beigetragen, dass nicht nur 677.000 Tageskarten verkauft wurden. Auch 16.700 Dauerkarten gingen über den Tresen - eine stolze Zahl.
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