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Bamberg
Interview

Bambergs Bürgermeister will auf seine Gegner zugehen

Mit einer hauchdünnen Mehrheit kam er ins Amt. Doch jetzt richtet Christian Lange den Blick nach vorne. Welche Ziele verfolgt der zweite Mann an der Spitze der Stadt Bamberg? Kann er dazu beitragen, dass die Gräben der letzten Wochen zugeschüttet werden?
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Nach dem Streit um seine Kandidatur kommen von Christian Lange versöhnliche Signale. Foto: Ronald Rinklef
Nach dem Streit um seine Kandidatur kommen von Christian Lange versöhnliche Signale. Foto: Ronald Rinklef
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Herr Lange, Stadtrat Hans-Jürgen Eichfelder hat diese Woche gesagt, er hätte sich lieber den kleinen Finger abgehackt als bei der Bürgermeisterwahl für Sie zu stimmen. Was haben Sie falsch gemacht, dass Ihre Kandidatur derart polarisierte?

Lange: Mein Grundsatz ist es, nach vorne zu schauen. Es war eine geheime Wahl. Jetzt bin ich gewählt, und ich reiche jedem Mitglied des Bamberger Stadtrats die Hand zur gemeinsamen Arbeit für unsere Stadt in den nächsten sechs Jahren.

Ein bisschen Vergangenheitsbewältigung sei uns noch gestattet. In den letzten Tagen war mehrfach vom "System Lange" die Rede. Das klingt nach Mauschelei und Hinterzimmerpolitik. Trifft Sie das?

Das trifft mich,weil gerade ich derjenige bin, der die CSU zur Mitmachpartei gemacht hat. Ich habe durchgesetzt, dass die CSU jetzt nicht mehr durch Delegierte ihre Auswahlgremien zusammensetzt, sondern durch die Mitgliederversammlung. Jedes Mitglied der CSU hat den Kreisvorstand gewählt, die Stadtratsliste. Deshalb kann ich diesen Vorwurf nicht nachvollziehen, weil ich derjenige bin, der Transparenz herbeigeführt hat.

Offenbar wird das nicht von allen so wahrgenommen.

Die CSU-Fraktion hat mich mit großer Mehrheit gewählt. Ich gehe davon aus, dass ich alle zwölf Stimmen erhalten habe.

Meine Erkenntnisse sind andere, nämlich die, dass Sie es geschafft haben, selbst Ihre schärfste Gegnerin zu überzeugen, um es mal positiv zu formulieren.

Es nützt nichts über die Vergangenheit zu reden. Lassen Sie uns in die Zukunft blicken und über Ziele reden.

Beginnen wir vielleicht damit. Leider ist die Politik in Bamberg derzeit durch die Konfrontation zweier etwa gleich großer Blöcke geprägt. Wie können sie dazu beitragen, diesem Gegeneinander, das die Stadt zu lähmen droht, die Schärfe zu nehmen?

Auch ich bedauere, dass es nicht gelungen ist, mit den Grünen zu einer solchen Konstellation zu kommen. Was tun? Ich biete allen Fraktionen das Gespräch an, um über gemeinsame Inhalte zum Wohl der Stadt zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen. Ich habe das Gefühl, dass hier Aufgeschlossenheit herrscht und ich werde versuchen über die Inhalte zu einem Miteinander zu kommen.

Wie ernst muss man die Zusammenarbeit von CSU und SPD nehmen? Ich erinnere mich in der Vergangenheit an viele Konfliktstoffe, nehmen wir die Parkplatzfrage, nehmen wir die Sonntagsöffnung, die Funktion von Stadtmarketing oder die Frage der Innenstadtevents. Was hat die CSU dem starken wirtschaftspolitischen Flügel unter Klaus Stieringer (SPD) entgegenzusetzen?

Die CSU versteht sich als die Wirtschaftspartei Bambergs und das will die CSU auch bleiben. Die Fraktionsführungen von CSU und SPD haben gemeinsame Ziele vereinbart. Diese Ziele werden Schritt für Schritt in die politische Arbeit im Stadtrat eingebracht. Ich verstehe mich als Bürgermeister für alle Fraktionen und arbeite mit Klaus Stieringer vertrauensvoll zusammen.

Die letzten Jahre waren auch von einem Schulterschluss zwischen OB und Bürgermeister, Andreas Starke (SPD) und Werner Hipelius (CSU) geprägt. Wie sehen Sie Ihre Rolle?

OB Starke und ich haben ein gemeinsames Ziel: Die Weiterentwicklung der Stadt zum Wohl der Menschen. Dafür arbeiten wir gemeinsam. Wir haben ein ehrliches Vertrauensverhältnis. Das ist das Wichtigste, dass hier an der Stadtspitze an einem Strang gezogen wird.

Viele Menschen machen sich Sorgen über die explodierenden Personalkosten bei der Stadt, die bei fast 70 Millionen Euro angekommen sind. Eben erst haben CSU und SPD im Schulterschluss vier Amtsleitern den goldenen Handschlag gegeben und nun soll an der Spitze des Sozialreferats eingespart werden. Wie passt das zusammen?

Ich denke, man muss hier unterscheiden. Es gibt einmal die Brutto- und die Nettopersonalkosten. Und wenn wir die Nettopersonalkosten der Stadt Bamberg anschauen, dann sind die vergleichsweise moderat angestiegen. Man muss sehen: Wir haben die Anzahl der Amtsleiter von 42 auf 28 reduziert. Das heißt, das war schon einmal ein gewaltiges Einsparpotenzial. Wenn aber jetzt einzelne Amtsleiter mit größeren Aufgaben betreut werden, dann ist es legitim, ihnen eine angemessene Besoldung zu gewähren. Denn unterm Strich haben wir ja durch die Reduktion der Gesamtzahl eine Einsparung erzielt. Unser Ansatz ist, mit allen Fraktionen Wege zu entwickeln, wie wir die Personalkosten der Stadt dämpfen können. Unser Weg ist keine Rasenmähermethode, sondern aufgabenorientiert.

Anderes Thema: Der Wohnraummangel. Gerade Familien leiden in Bamberg unter stark steigenden Mieten und einer extremen Knappheit an bezahlbaren Wohnungen. Wundert es Sie, dass die Aussicht auf einen Abbruch von hunderten intakten Wohnungen auf US-Gelände viele empört?

Es ist das gemeinsame Ziel im Stadtrat, dass es in Bamberg ausreichenden Wohnraum gibt. Aber man muss bedenken, dass das Gelände nicht der Stadt gehört. Wir können über diese Wohnungen nicht frei verfügen, wie wir das wollen. Jetzt freue ich mich, dass es gelungen ist, die ersten 100 Wohneinheiten zu erschließen. Für mich ist das ein Testfall, ob die Nachfrage wirklich so groß ist, wie man denkt. Auf der anderen Seite wollen wir natürlich auch das Glaskontorgelände weiter entwickeln, wir sind am 60er Gelände dran und es gibt das Schaeffler-Projekt. Wir werden auch in der Stadtbau darüber reden müssen, dass sie sich wieder verstärkt im sozialen Wohnungsbau engagiert.

Das ist ein gutes Stichwort. Man darf sich fragen, warum die Stadtbau, warum die CSU nicht längst mehr getan haben. Und es gibt Stimmen aus der Immobilienbranche, die sagen, dass auch 100 neue Wohnungen in Bamberg nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind.

Es ist so, dass die CSU sehr wohl Akzente gesetzt hat. Wir waren beteiligt, dass das mit Schaeffler gelungen ist. Die CSU steht auch voll und ganz hinter dem Glaskontor.

Aber reicht es, beim Wohnungsbau alleine auf den Markt zu setzen? Oder geht es nicht vor allem um den politischen Willen, etwas für die Bevölkerung zu tun?

Es ist beides nötig. Es braucht den politischen Willen, den gibt es im Stadtrat. Aber es ist auch eine Frage des Marktes. Wenn die Nachfrage doppelt so groß ist wie das Angebot, wissen wir, dass wir nachsteuern müssen.

Sie möchten wie Ihr Vorgänger Werner Hipelius Schul- und Kulturreferent werden. Was qualifiziert Sie dafür?

Ich habe zehn Jahre an den Unis Erlangen und Bamberg Lehrer und Lehrerinnen ausgebildet. Ich kenne den Schulbetrieb daher sehr gut. In meiner universitären Tätigkeit unterrichte ich auch das Fach Kunstgeschichte und Ärchäologie. Das Kulturreferat ist für mich also ein Beruf mit Traumzuschnitt.

Bleiben wir bei der Kulturpolitik. Auch dort war zuletzt eine Konfrontation zwischen der Stadtspitze und den Akteuren zu spüren, die sich mehr Verständnis, aber auch mehr Geld wünschten. Ihr Rezept?

Den Kulturschaffenden vermitteln, dass sie wichtig sind. Auf sie zugehen, ihnen die Hand reichen.

Was heißt das konkret?

Ich werde eine Kultursprechstunde einrichten. Ich werde im Juli dem Stadtrat den Vorschlag unterbreiten, gemeinsam einen Kulturentwicklungsplan zu generieren. Da geht es um das Flaggschiff, die Symphoniker, das Theater, aber auch um die lebendige junge Kulturszene, die sich daneben entwickelt hat. Wie können wir sie best möglich unterstützen? Aus diesem Kulturentwicklungsplan soll auch ein Kulturbeirat entstehen, der den Bürgermeister auf dem kurzen Dienstweg berät. Außerdem wollen wir ein neues Kulturarbeitsstipendium einführen, das die bestehenden Kulturförder-preise ergänzt.

Bitte ergänzen Sie folgende Stichworte um einen Satz.

Bamberg -Tourismus...
Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, eine große Chance, aber Tourismus muss bürgerfreundlich gestaltet werden.

Jugendherberge...
... Wir haben uns verabredet, diese Einrichtung für die Jugend zu erhalten. Das Ziel verfolgen wir weiter.

Verkehr ...
... Eine Welterbestadt wie Bamberg können wir nur erhalten, wenn wir den öffentlichen Personennahverkehr ausbauen.

Bambados ...
... Ist für den Schulsport, ist für Vereinssport eine wichtige Einrichtung.

Gas- und Wasserpreise...
...Sollten möglichst bürgerfreundlich gestaltet werden.

Schulen...
...Mein Kernthema in den nächsten Jahren.

Letzte Frage: Warum haben Sie sich eigentlich den Bart abgenommen? Der hat Ihnen gestanden!
Es gab unterschiedliche Meinungen, ob er mir steht oder nicht. Da hab ich gesagt, ich mach' es wie im Sport, wenn man vor einer wichtigen Entscheidung steht. Dann lässt man ihn stehen. Und wenn man das Ziel erreicht hat, dann rasiert man ihn ab. Das heißt aber nicht, dass es so bleibt.