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Bamberg
Corona-Krise

Bambergerinnen zeigen Solidarität an den Nähmaschinen

Mundschutz ist in aller Munde - die klassische OP-Maske wird zum gesundheitssichernden Alltagsaccessoire. Den steigenden Bedarf stillen ehrenamtliche Näherinnen, Initiativen und auch Firmen.
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Eva-Maria Günthner (links) übergibt eine erste Lieferung Masken an Sandra Gröger (Bildmitte) von der Kranen-Apotheke. Foto: privat
Eva-Maria Günthner (links) übergibt eine erste Lieferung Masken an Sandra Gröger (Bildmitte) von der Kranen-Apotheke. Foto: privat
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In Zeiten der Krise sind auch Nähkenntnisse gefragter denn je. In Stadt und Landkreis Bamberg werden an heimischen Nähmaschinen und in Firmen Schutzmasken im Akkord produziert. Es geht dabei vor allem um sogenannte Mund-Nasen-Schutz-Masken, die mehr dem Fremd- als dem Eigenschutz dienen. Aber wie es ein Leser unserer Zeitung kürzlich formuliert hat: "Wenn wir alle solche Masken aufhätten, wären wir Corona vielleicht schneller wieder los."

Zehn junge Frauen, die sonst auf 450-Euro-Basis im Nähzentrum Bamberg Stoffe, Nähmaschinen und -utensilien verkaufen, nähen in diesen Tagen ehrenamtlich 500 Atemschutzmasken für die Apotheke am Kranen. Dort werden diese auf Spendenbasis an Kunden verteilt. Alexander Holzschuh, der Inhaber des Nähzentrums in der Brennerstraße, hat den Näherinnen die Stoffe kostenlos zur Verfügung gestellt, die Masken fertigen diese dann zuhause. "Wir haben gute Stoffe aus Deutschland verwendet, die beim Waschen nicht eingehen und auch ihre Farbe nicht so schnell verlieren", sagt Eva-Maria Günthner, die zu den Initiatorinnen der "Wir nähen für Bamberg"-Aktion gehört. Aufgrund der Materialqualität und einer Arbeitszeit von zehn bis 20 Minuten pro Maske, sollten nach Möglichkeit "schon mindestens fünf Euro" gespendet werden. Vom eingenommenen Geld könnten dann neue Stoffe für weitere Masken gekauft werden.

"Das ist eine tolle Möglichkeit, den Menschen zu helfen - die Initiative ging von den Mädels aus", sagt Chef Holzschuh. Sein Unternehmen könne er aber nicht auf Maskenproduktion umstellen: "Wir haben leider keine Näherei, sondern sind ein Handelsbetrieb." Und der steckt wie viele andere derzeit in einer schwierigen Situation.

Auch an den Bamberger Berufsfachschulen Mariahilf entwickelten Lehrkräfte ein eigenes Schutzmasken-Modell. Dieses habe den Vorteil, "dass man in die innere Tasche eine Einlage geben kann, um einen zusätzlichen Schutz zu schaffen". In kurzer Zeit wurden dort 30 Masken genäht. Diese werden nun in der Strullendorfer Arztpraxis verkauft, der Reinerlös komme einer sozialen Einrichtung zu Gute. Und bei Facebook haben sich ganze Gruppen ("Behelfsmundbedeckung für Bamberg") gegründet, in denen vor allem Frauen anbieten, entsprechende Masken zu nähen, teils zum Unkostenpreis, teils gegen Spenden für einen guten Zweck. Viele fragen dort an, wo sie Mund-Nasen-Schutz für Praxen oder privaten Bedarf bekommen können.

Mittlerweile gibt es auch schon Unternehmen, die ihre komplette Produktion umgestellt haben. In der Not erfinderisch wurde zum Beispiel Matthias Ficker, dessen Unternehmen "Kaulberg" eigentlich für hochwertige Unterwäsche und Bademoden steht. Doch gerade als die neue Kollektion ausgeliefert war, mussten auch die zehn Kaulberg-Läden schließen. "Uns war klar, dass sich hier die nächsten Wochen und Monate nichts tut."

"Um die Firma zu retten"

Damit zumindest die in Seigendorf ansässige Näherei wieder ihre Arbeit aufnehmen konnte, prüften Matthias Ficker und sein in der Firma mitarbeitender Sohn Amadeus Wozniak die Möglichkeit einer Produktionsumstellung auf Mundschutzmasken. "Ich musste so entscheiden, um die Firma zu retten." Durch eine langjährige Geschäftsverbindung konnte ein großer Posten Spezialstoff aus dem Krankenhaussektor gesichert werden, das hochresistente Material könne bei 95 Grad und mehr gewaschen werden. "Wir produzieren nun seit Donnerstag", sagt Ficker. Online verkauft Kaulberg zehn Stück für 89 Euro. "Es haben schon viele Praxen und auch Kliniken bei uns angefragt. Was diese Woche fertig wird, ist schon alles verkauft." Derzeit überlegt Ficker, eine weitere Produktionslinie in Nachtschicht einzuführen.

Auch Ele Langlouis wird ihre Produktion verdoppeln. Nachdem sie in der ersten Woche 200 Mund-Nasen-Schutzmasken genäht hatte, kam nun der Auftrag einer Gesundheitseinrichtung über 400 Stück herein. "Das läuft alles über Mundpropaganda", sagt Langlouis, die sonst auf Kunsthandwerkermärkten selbstgenähte Kinderkleidung anbietet. Aber ein Markt nach dem anderen wird derzeit abgesagt. "Von meinem Bruder, der Arzt ist, wusste ich, dass überall händeringend nach solchen Mundschutzen gesucht wird." Seitdem näht sie jeden Tag 50 Masken, an Abnehmern herrscht kein Mangel.

Vor allem Schutz für andere

Wenn im Zusammenhang mit Corona von Schutzmasken die Rede ist, geht es zum einen meist um den Mund-Nasen-Schutz (MNS), die klassische OP-Maske, zum anderen um partikelfiltrierende Halbmasken (je nach Rückhaltevermögen des Filters in den Geräteklassen FFP1, FFP2 und FFP3). Beide Varianten sind derzeit stark nachgefragt.

Wer braucht nun welche Maske? Laut Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit müsse "grundsätzlich unterschieden werden, welches Schutzziel verfolgt wird". Für den Patientenschutz, zum Beispiel im OP, sei der übliche Mund-Nasen-Schutz ausreichend. Soll der Beschäftigte aber vor einer luftgetragenen Infektion geschützt werden, müssten partikelfiltrierende Halbmasken getragen werden.

Dass der Mund-Nasen-Schutz, wie ihn die selbst genähten Masken darstellen, vor allem andere schützt, bestätigt auch Susanne Paulmann vom Bamberger Gesundheitsamt. "Ich schütze mein Umfeld und verhindere aber zugleich, dass ich mir selbst an Mund oder Nase fasse." Für Dr. Georg Knoblach vom Ärztlichen Kreisverband sind OP-Masken "auf jeden Fall besser als nichts". Aber selbst wenn fast jeder MNS tragen würde, müssten trotzdem noch die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden.

"FFP-2-Masken sollte tragen, wer mit Infizierten oder begründeten Corona-Verdachtsfällen zu tun hat", sagt Paulmann. Solche Masken flächendeckend in Praxen oder in der Pflege einzusetzen, halte sie für "sehr schwierig, weil wir einfach zu wenige davon haben".

"Ich hätte 8580 FFP-Masken auf Lager"

Schutzmasken gelten derzeit als Mangelware. Sowohl einfacher Mund-Nasen-Schutz als auch die vor allem von medizinischem Personal benötigten FFP-Schutzmasken. Hört man jedoch den Frensdorfer Rainer Kalb, dessen Unternehmen Medizintechnik und Praxisbedarf anbietet, ist sein Schutzmaskenangebot bislang vor allem außerhalb Frankens gefragt.

Wie viele FFP-Schutzmasken könnten Sie aktuell anbieten?

Rainer Kalb: Im Moment sind es noch 8580 FFP-2-Masken.

Die müsste man Ihnen ja eigentlich aus den Händen reißen.

Eigentlich schon. Wir verkaufen viel nach Nordrhein-Westfalen oder Süddeutschland. Aber regional ist die Nachfrage sehr gering, wir haben allen Krankenhäusern und vielen Arztpraxen davon angeboten, aber (abgesehen von unseren Stammkunden) kaum Antworten bekommen.

Wie erklären Sie sich das?

Vielen ist es wohl noch zu teuer. Aber diese Masken kosten nun einmal Geld, schon Anfang des Jahres haben zertifizierte FFP-Masken im Einkauf 14,90 Euro gekostet. Manche Ärzte sagen auch, dass sie nicht viel Geld in Schutzausrüstung investieren, wenn es die doch von der Kassenärztlichen Vereinigung kostenlos geben soll.

Das Gesundheitsamt sagt, dass es 1,50 Euro bis 5 Euro für eine Maske zahlt, der Ärztliche Kreisverband nennt einen Preis von 2,50 Euro "in normalen Zeiten". Bei Ihnen kostet eine FFP-2-Maske aber laut Homepage 17,95 Euro - ohne Steuer. Sind Sie nicht doch viel zu teuer?

2,50 Euro wären nun wirklich ein Schnäppchen. In China kann ich vielleicht auch Masken zu dem Preis bekommen, die sind dann aber nicht geprüft und zertifiziert. Die guten Masken haben ihren Preis, auch für uns. Die Stadt München hat bei uns 18 000 Masken bestellt und die Stadt Dortmund 10 000 - und dort hieß es, wir wären im Preis noch moderat.

Sie haben also keine Angst, auf Ihren Beständen sitzen zu bleiben?

Nein, davon ist wirklich nicht auszugehen.

Die Fragen stellte Stefan Fößel.