Bamberg
Weltreise

Bambergerin reist mit dem Rollstuhl um die Welt

Sabine Wagner wurde ohne Hüfte geboren. Von klein an ist die Bambergerin deshalb auf Hilfsmittel angewiesen. Sie sitzt im Rollstuhl. Doch der hindert sie nicht daran, sich auf Weltreise zu begeben. Denn genau damit will sie auch andere motivieren.
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Sabine Wagner sitzt neben ihrem Rollstuhl, der weitestgehend ihr einziger Begleiter sein wird.  Foto: privat
Sabine Wagner sitzt neben ihrem Rollstuhl, der weitestgehend ihr einziger Begleiter sein wird. Foto: privat
Eine Reise um die Welt. Wer träumt nicht davon? Für Sabine Wagner (30) aus Bamberg ist das nicht nur ein Wunsch zum Jahreswechsel: Ihr Traum wird bald in Erfüllung gehen. Am 15. Januar geht es von Frankfurt aus in Richtung Thailand. Von da aus bereist sie hauptsächlich Südostasien aber auch Australien, Hawaii und die USA, bis sie nach acht Monaten ihre Tournee beenden wird. So weit, so normal. Wäre da nicht eine Kleinigkeit, die diese Reise etwas ungewöhnlich macht: Sabine sitzt nämlich im Rollstuhl.

Ein normales Leben dank Mama
Sie wurde ohne Hüfte geboren und ist daher schon ihr ganzes Leben auf Hilfsmittel angewiesen. Allerdings kann sie sich zum Teil auch mit ihren Händen fortbewegen und kann in schwierigeren Situationen auf ihren Rollstuhl verzichten. Ihre Eltern wurden davon bei der Geburt völlig überrascht, denn vorher konnte man die Behinderung damals noch nicht erkennen.

Dennoch ließ man Sabine nicht fallen: "Meine Mama hat sich immer sehr für mich eingesetzt und mir ein normales Leben ermöglicht", sagt sie voller Dankbarkeit.

Der Entschluss zur Weltreise kam der vorher schon viel Gereisten Anfang letzten Jahres nach einem Aufenthalt in Thailand. Dort war sie fasziniert von den Menschen: "Sie sind hilfsbereiter, warmherziger und menschlicher als in Deutschland und sind mir eher mit Neugier begegnet." Danach gab es für die studierte Sozialpädagogin keine Zweifel mehr, zumal ihr befristeter Vertrag bei der Agentur für Arbeit Ende 2014 auslief und nicht verlängert wurde. Also begann sie mit den Vorbereitungen, die sich jedoch schnell als recht komplex erweisen können, vor allem wenn man wie sie ganz alleine unterwegs ist. Schon die Planung der Reiseroute und die Buchung des Tickets erstreckten sich über mehrere Wochen und auch ihre Wohnung musste sie auflösen, da sich kein Zwischenmieter für die Zeit ihrer Abwesenheit fand. Somit steht Sabine Wagner vor einem kompletten Neuanfang, wenn sie wieder zurückkommt.

Die Reisekosten hat sie sich in den vergangenen Monaten selbst zusammengespart. Das zeigt, dass man "nicht unbedingt Mut oder einen dicken Geldbeutel braucht, um so eine Reise zu machen", erklärt sie.
Ein paar Dinge, die sie sehen und erleben will, hat sie sich vorher schon herausgesucht, doch der Großteil der Tour ist noch völlig offen. Hauptsächlich wird sie wohl mit ihrem Rucksack von Hostel zu Hostel ziehen und auf diese Weise so viel wie möglich im Land erleben.

Arbeit leisten
Allerdings will sie die Reise nicht nur für ihr eigenes Vergnügen nutzen: Sie will an einigen Stationen auch Freiwilligenarbeit leisten, zum Beispiel Englischunterricht für thailändische Kinder geben, um "den Menschen dort etwas zurückzugeben". Ein weitaus größeres Projekt wartet aber erst nach der Heimkehr auf sie, denn sie möchte ein Buch schreiben. Darin möchte sie ihre Reiseerlebnisse schildern und den Lesern einen Einblick in ihr Leben geben. Die Idee dazu war gar nicht Teil ihrer ursprünglichen Reisepläne, sondern entstand erst im Laufe der Zeit.

Dennoch sieht sie dadurch die Möglichkeit, andere Menschen, die ein ähnliches Schicksal haben, zu "motivieren und inspirieren". Vor allem möchte sie aber ihre Erfahrungen der Akzeptanz mit Menschen mit Behinderung in anderen Ländern teilen und den Leuten in Deutschland "die Augen öffnen". Denn woanders ginge man besser mit Behinderten um. "In Amerika fühle ich mich nicht behindert, sondern einfach normal", erklärt sie.

Etliches ist untersagt
Hier in Deutschland könne sie hingegen nur bedingt an der Gesellschaft teilnehmen, denn viele Dinge seien gar nicht möglich, manche würden ihr sogar einfach untersagt. Sätze wie: "Das trauen wir Ihnen nicht zu", kriege sie oft zu hören, obwohl diejenigen sie noch gar nicht wirklich kennen gelernt hätten.

Auf Grund vieler solcher Erlebnisse ist sie der Meinung: "Ich bin nicht behindert, sondern die Gesellschaft macht mich behindert." Sie wünscht sich, dass die Menschen offener mit ihr und anderen Behinderten umgehen und dass man jedem eine Chance gibt, auch wenn er etwas anders ist. Dinge wie Inklusion am Arbeitsmarkt oder die Zugänglichkeit von öffentlichen Einrichtungen müssten hierzulande noch vorangebracht werden. "Den Worten müssen endlich Taten folgen", zeigt sie sich kämpferisch in Bezug auf die aus ihrer Sicht noch mangelhafte Umsetzung von politischen Entscheidungen bezüglich der Eingliederung von Behinderten in das tägliche Leben, die auch in Bamberg noch zu wünschen übrig ließe.

Ähnlich sieht das auch Sabine Saam (CSU), stellvertretende Vertrauensfrau für schwerbehinderte Menschen in der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg: "Die Inklusion ist in Deutschland noch in den Kinderschuhen", aber gerade deshalb findet sie Sabine Wagners Vorhaben lobenswert: "Sie ist ein Stück weit Vorbild und macht Mut." Trotz dieser oftmals widrigen Umstände verspürt Sabine Wagner keinesfalls Wut. Nur zwei Situationen bringen sie aus der Fassung, gesteht sie lachend: starker Regen und Schnee. Derartiges Unwetter wird Sabine Wagner auf ihrer Reise hoffentlich erspart bleiben. Doch auch das könnte sie wohl kaum dauerhaft erschüttern. Schließlich ist es ihr gelungen, Frieden mit ihrer lebenslänglichen Behinderung zu finden: "Dass ich im Rollstuhl sitze, möchte ich nicht mehr ändern", betont sie. "Er ist zu einem Teil von mir geworden."


Live mitreisen:
Verfolgen kann man die Reise von Sabine Wagner online: auf ihrer Homepage und auf infran ken.de wird sie über ihre Erfahrungen bloggen.

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