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Bamberg
Verkehr

Bamberger und ihr Gefühl für die (Park)Zeit

Wenn mit Parkscheibe oder -zettel geparkt werden muss, haben Jutta Träger und ihre Kollegen vom Parküberwachungsdienst nicht nur die Uhr und die Straßenverkehrsordnung im Blick, sondern auch mal den Stress der Autofahrer.
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Auf dieser Sperrfläche am ZOB in Bamberg hat kein Auto zu stehen. Der Fahrer hatte aber gerade noch einmal Glück: Er kommt nach wenigen Minuten mit Brötchen-Tüten aus der Bäckerei und entschuldigt sich. Jutta Träger verwarnt ihn mündlich.  Fotos: Sarah Dann
Auf dieser Sperrfläche am ZOB in Bamberg hat kein Auto zu stehen. Der Fahrer hatte aber gerade noch einmal Glück: Er kommt nach wenigen Minuten mit Brötchen-Tüten aus der Bäckerei und entschuldigt sich. Jutta Träger verwarnt ihn mündlich. Fotos: Sarah Dann
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Eine Stunde später, das Auto steht immer noch auf dem Parkplatz. "Tatort Promenadestraße", so steht es wörtlich auf dem zusammengerollten Aufkleber neben dem Überweisungs-Vordruck. "Hasch mer jetzt wohl scho' was hingehängt?", fragt der heraneilende Mann mittleren Alters mit Blick auf die Frontscheibe seines Wagens.
Schon ist gut.

Eine Minute später und Jutta Träger hätte die zweite Verwarnung hinter seinen Scheibenwischer geklemmt. Aber so ist die Frau mit dem Blick für die Parker im Bezirk Nummer sechs heute - und auch sonst - nicht. Seit 1988 schaut sie sich nicht nur die abgelaufenen Parkuhren an, sondern auch die Parksünder selbst. Wobei: "Ich sage nicht Parksünder. Das ist keine Sünde, das ist eine kleine Ordnungswidrigkeit", sagt Jutta Träger. Auf jeden Fall sind Falschparker eine Spezies für sich.

In Raten Strafzettel zahlen

Da gibt es Mütter, die mit drei Kindern im Auto zum fünften Mal im Kreis fahren um einen Parkplatz zu finden. Erschöpft und in Eile gibt es für sie nur noch einen Ausweg: Falschparken. Ein "jetzt schreibt die blöde Kuh mich auch noch auf" nimmt sich Träger (mittlerweile) nicht mehr zu Herzen. Vielleicht auch deshalb, weil die Beleidigungen weniger und das Image der "Politessen" besser geworden ist.

Und dann gibt es auch noch die Ratenzahler, die teilweise sogar bis zu tausend Euro beim Parküberwachungsdienst in Teilzahlungen abstottern. Seine "Pappenheimer", die sich morgens bei Arbeitsbeginn auf einen beschränkten Parkplatz stellen, mittags mit den ersten Strafzetteln wegfahren und sich bis zum Feierabend wieder an Ort und Stelle hinstellen, kennen Träger und ihre Kollegen. "50 Euro kalkulieren da manche am Tag schon mal ein, um direkt in der Innenstadt zu parken", sagt Träger.

Nach ein paar Minuten wird es teuer

Dreist-Parker, die sich zum Beispiel vor ihren Augen genau in die Mitte von zwei normal großen Parklücken stellen, kann sie ermahnen - nicht nur mündlich. "Viele Leute befassen sich richtig mit der Straßenverkehrsordnung, kennen sich aus und wissen was sie dürfen oder auch nicht", sagt Träger.

Wer nur mal eben kurz in die Apotheke muss, der kann sich für drei Minuten schon auch mal am Straßenrand hinstellen. Nur nicht länger als ein paar Minuten. Sonst wird es teuer.
Sobald Träger in der Promenadestraße ankommt, fliegen ihr besorgte Kommentare zu: "Ich komm gleich", "Ich muss eben nur noch schnell in die Apotheke", "Ich hab fei noch drei Minuten", "Gleich, gleich"... Es dauert keine fünf Minuten bis Träger in ihrer dunkelblauen Hose und dunkelblauen Winterjacke - mit dem roten "Stadt-Bamberg"-Wappen auf dem Oberarm und ihren lackierten Fingernägeln Ton in Ton - von den Passanten entlarvt wird. "Viele haben einfach gar kein Gefühl für ihre Parkzeit, wie lange sie für etwas brauchen", sagt Träger auf die Rechtfertigungsversuche und Ausreden, die ihr immer und immer wieder zu Ohren kommen. Könnte sie ein bisschen Zeit - oder zumindest das Gespür dafür - an ihre Mitmenschen verteilen, würde sie das tun. Ihre Aufgabe als Parküberwacherin ist es aber, den Verkehr flüssig zu halten.

Der Trick, schon von weitem auf den Autoschlüssel zu drücken wenn man zu spät ist, damit das Licht blinkt, ist nur eines der beliebten Ablenkungsmanöver.

Für Kurzzeitparker schätzt Träger die Parksituation in der Innenstadt gut ein. "Ich wollte nur nicht in der Innenstadt Anwohner sein", sagt sie. Gerade in der Nähe von Sand-, oder Austraße nehmen aus ihrer Erfahrung immer wieder Autofahrer einen Strafzettel in Kauf. "Teilweise trauen sich die Frauen nicht, ins Parkhaus zu fahren, oder ihnen ist der Weg zu weit", sagt Träger. Ihr Weg nach Runde zwei im Bezirk Nummer sechs führt sie erstmal wieder in die Hornthalstraße. Mittagspause, aufwärmen. Mal sehen, wie viele Kennzeichen sie am Nachmittag noch in ihr Smartphone eingeben muss.

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