Bamberg
Gericht

Bamberger Tankstellenräuber bleibt in der Psychiatrie

Ein 21-Jähriger hat im Oktober eine Tankstelle im Stadtgebiet überfallen. Weil er unter einer paranoiden Schizophrenie leidet, gilt er als schuldunfähig.
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Mit dieser Soft-Air-Waffe überfiel der 21-Jährige die Tankstelle im Bamberger Berggebiet. Foto: Stefan Fößel
Mit dieser Soft-Air-Waffe überfiel der 21-Jährige die Tankstelle im Bamberger Berggebiet. Foto: Stefan Fößel
Dass Thomas K. (Name geändert) am 20. Oktober 2017 eine Tankstelle im Berggebiet überfallen hat, stand von Anfang an außer Zweifel. Schon kurz nach der Tat war der 21-Jährige gefasst worden und hatte gestanden. Doch weil er den Raub unter dem Einfluss einer schweren psychischen Erkrankung verübte, wurde er von der Jugendkammer des Landgerichts Bamberg unter Vorsitz von Markus Reznik freigesprochen. Zugleich wurde angeordnet, dass K. weiterhin im Bezirkskrankenhaus Werneck unterzubringen ist, wo er schon seit einigen Monaten behandelt wird.
An jenem Oktobertag hatte K. die Wohnung seiner Schwester in Ebern, wo er seit einigen Monaten lebte, schon mit dem Gedanken Richtung Bamberg verlassen, möglicherweise eine Tankstelle zu überfallen. Er irrte ziellos durch die Stadt und unterhielt sich laut Sachverständigem Hans-Peter Volz mit den Stimmen, die ihm durch den Kopf schwirrten. Am Abend wurden die Pläne plötzlich konkret. K. betrat vermummt und mit vorgehaltener Waffe, die sich im Nachhinein als ungeladene Soft-Air-Pistole entpuppte, eine Tankstelle. Neben dem Kassenbestand von 675 Euro fordere er drei Packungen Zigaretten und nahm noch ein Feuerzeug mit. Dass es sich hier nicht um den typischen Tankstellenüberfall handelte, zeigte sich schon in Sprüchen des Angeklagten wie "Aber keinen Scheiß Drehtabak" oder K.s Hinweis, dass er keinen Ausweis vorzeigen werde.


Nach 20 Minuten gefasst

Dem Tankstellen-Mitarbeiter erschien das Ganze von Anfang an seltsam, er fragte den Räuber sogar noch: "Ist das ein Witz?" Die Erlebnisse dieser Nacht hätten keinen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen. Auch die Polizisten beschreiben vor Gericht K.s eigentümliches Verhalten bei der Verhaftung und in der anschließenden Vernehmung.
Im Überwachungsvideo der Tankstelle, das auch im Gerichtssaal gezeigt wird, geht alles sehr schnell. Nach nicht mal einer Minute ist der Räuber wieder draußen, ruft der Angestellte die Polizei. Sofort läuft die Fahndung an und nach 20 Minuten wird der Täter, der sich noch in einer Seitenstraße umgezogen hat, gestellt. Zunächst räumt der alles ein und lässt sich Handschellen anlegen.
Doch auch in dieser Situation scheint er den Ernst der Lage nicht zu erkennen, lässt sich nicht durchsuchen und wehrt sich plötzlich heftig. Ein Polizist erleidet so eine Fraktur am Fußzeh, ein anderer hat blutende Kratzer an der Hand. "Er fühlte sich zu Unrecht hart angegangen, nachdem er schon alles zugegeben hatte, und möchte sich dafür entschuldigen", erklärte Verteidiger Andreas Dräger für seinen Mandanten. Der überspielt auch im Gerichtssaal mit einigen lockeren Sprüchen seine Unsicherheit. "Das mache ich das nächste Mal anders", antwortet er etwa auf die Frage, weshalb er sich erst fesseln ließ und dann erst Widerstand leistete. Am Tag vor der Tat habe er einen Joint geraucht und Kokain geschnupft.
Die Tankstelle habe der gelernte Bankkaufmann, der nach der Lehre nicht übernommen wurde, aus Geldnot überfallen. Er wollte seiner Schwester nicht schon wieder auf der Tasche liegen. "Ich wusste, dass das klappt", sagt er vor Gericht.
"Der Angeklagte kann zu einem guten Stück sagen, er hat Glück im Unglück gehabt", stellt Vorsitzender Richter Markus Reznik in der Urteilsbegründung fest. Wenn sich ein vermeintlich bewaffneter Räuber derart widersetze, hätte es unter Umständen auch zu einem Schusswaffengebrauch durch die Beamten kommen können. Allerdings habe die zügige Festnahme nun auch die Behandlung ermöglicht.


Weitere Straftaten drohten

Professor Hans-Peter Volz konstatierte dem Angeklagten eine paranoide Schizophrenie und die damit verbundene Schuldunfähigkeit. "Es spricht viel dafür, dass unbehandelt weitere Straftaten erfolgen", erklärte Volz und sprach sich für die weitere Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik aus. Dem schlossen sich in ihren Plädoyers Verteidiger Andreas Dräger und Kerstin Harpf als Vertreterin der Staatsanwaltschaft an, die zudem jeweils Freispruch forderten.
Entsprechend entschied auch die Kammer, der Angeklagte wurde freigesprochen und bleibt in Werneck untergebracht. "Letztendlich liegt es an Ihnen, im Rahmen der Therapie entsprechend mitzuwirken", gab Reznik dem Angeklagten mit. Wenn das gelinge, sei auch Schritt für Schritt wieder über eine Entlassung in die Freiheit nachzudenken.
Nachdem alle Beteiligten auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.


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