Burgebrach
Versorgung

Bamberger Tafel: ein trauriger Jubiläumsanlass

Seit fünf Jahren gibt es in Burgebrach eine Ausgabestelle der Bamberger Tafel. Leiterin Debrah Neser sieht den Bedarf bestätigt durch die gestiegene Zahl der Nutzer.
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Debrah Neser   steuert den Warenfluss beim Abholen. Foto: Michael Gründel
Debrah Neser steuert den Warenfluss beim Abholen. Foto: Michael Gründel
Fünf Jahre gibt es nun die Ausgabestelle der Bambeger Tafel in der Grasmannsdorfer Straße in Burgebrach. Debrah Neser ist von Anfang an dabei und wurde schnell die Leiterin. Den Grund dafür, dass die Ausgabestelle nun ein kleines Jubiläum, also das fünfjährige Bestehen "feiert", nennt sie einen traurigen: Steigende Zahlen von Menschen, die ohne die Tafel in Sachen Lebensmittel wohl kaum zurecht kommen würden.

Die 46-Jährige stellt im gleichen Atemzug fest, "es ist gut, dass es uns gibt", und dass der Burgebracher Hans Neser vor über fünf Jahren die Idee hatte, Bürgermeister und Bürger dafür begeisterte.


Gleich als Freiwillige gemeldet


Debrah Neser las den Aufruf seinerzeit im gemeindlichen Mitteilungsblatt und meldete sich als Freiwillige. Hans Neser, mit Debrah nicht verwandt, hatte wichtige Vorarbeit beim Bürgermeister geleistet und mit ihm auch die Raumfrage diskutiert.

Im ehemaligen Trafohäuschen wurde man fündig, die Marktgemeinde gab den Umbau in Auftrag (und übernahm dafür auch die Kosten). Regelmäßig kommt Bürgermeister Georg Bogensperger (CSU) vorbei und sieht sich um, "zeigt seine Wertschätzung für uns".

Zusammen mit weiteren acht Freiwilligen hauchte Debrah Neser der Ausgabestelle Leben ein. Rechtlich untersteht man der Bamberger Tafel, die vom Vinzenverein getragen wird. Die Burgebracher verwalten sich selbst.


Anfangs kein Fahrzeug


Zu Beginn gab es kein verfügbares Fahrzeug, so dass zwei Ehrenamtliche die Lebensmittel mit ihren Privatautos von den Märkten und Bäckern holten. Bedauerlicherweise sind die beiden Herren in der Zwischenzeit verstorben.

Bei den Ehrenamtlichen gab es den einen oder anderen Wechsel, aus der alten Mannschaft sind noch vier dabei. In der Zwischenzeit verfügt Debrah Neser über einen Helferstab von 19 Ehrenamtlichen. Dazu gesellen sich zwei "Ein-Eurofünfzig-Jobber".

"Bei der ersten Ausgabe kamen gerade mal drei Kunden", erinnert sich die 46-Jährige. Dabei war es von Anfang an geplant, dass von hier aus der westliche Landkreis versorgt werden soll. Mittlerweile gehören knapp 50 Familien zur regelmäßigen Kundschaft. So viel wie noch nie. Tendenz steigend. Allein im vergangenen Monat wurden 588 Taschen mit Lebensmitteln gefüllt.

"Immer mehr Menschen trauen sich, die Tafel zu nutzen", freut sich Debrah Neser. Nicht zuletzt wegen der vielen Medienberichte verlieren die Menschen die Scheu und überwinden ihre Scham.


20 Familien pro Ausgabe


Wohl auch, weil sie sich bei der Leiterin und ihren Mitarbeitern gut angenommen fühlen. "Bei uns geht es recht familiär zu." 20 Familien pro Ausgabe, also mittwochs und samstags. In Bamberg sind es pro Ausgabetag 150 Leute, nennt sie die Vergleichszahl.

Begeistert ist die Leiterin, die ihren lukrativeren 400-Euro-Job als Friseurin für den zeitlich weitaus aufwändigeren Tafel-Job an den Nagel gehängt hat von der Kooperation mit der Mittelschule Burgebrach.

Hier gehört die Tafel zum Lehrplan der 6. Klasse. So werden Jugendliche für die Problematik sensibilisiert. Zu der Lerneinheit gehört auch, dass man vor einen Markt geht und Kunden um ein "Extra-Pfund", eine Spende für die Tafel bittet. Lebensmittel mit langem Haltbarkeitsdatum bekommt die Tafel nämlich kaum, also keine Nudeln, Reis, Zucker, Ketchup und dergleichen und ist auch deswegen froh über die Zuarbeit der Schüler.


Ablaufende und abgelaufene Lebensmittel


Zum Thema Haltbarkeit: Die Tafel erhält abgelaufene oder ablaufende Lebensmittel und kann sie so gut an ihre Kunden weitergeben. "die sind einwandfrei."

Die mit ablaufendem Verbrauchsdatum gehen nur an die eigenen Mitarbeiter, denn auch darunter sind HartzIV-Empfänger. "Die Lebensmittel sind in Ordnung." Freilich bekommt die Tafel diese nicht in der Form, in der sie abgeben werden: Schön und sauber präsentiert. Beim Abholen ist oft einiges durcheinander. Ein Großteil der Zeit entfällt aufs Aussortieren.


Der "Kangoo" steuert viele Märkte an


Zu Beginn bezog man die Waren vom örtlichen Lidl- und dem Netto-Markt. Nun steuert der aus Spenden von Geschäfts- und Privatleuten finanzierte Burgebracher Kangoo nicht nur die genannten Märkte an, sondern auch Rewe-Zentrale und -Markt in Buttenheim, den Nahkauf in Trabelsdorf und vier verschiedene Bäckereien an. Zwischenzeitlich haben auch die Hobbygärtner die Tafel als eine sinnvolle Adresse für überschüssige Produkte entdeckt. Das alles macht die Dimensionen deutlich, die in der Tafel bewältigt werden müssen.

Debrah Neser hat in ihren fünf Tafel-Jahren auch viel über die gesellschaftliche Entwicklung mitbekommen und weiß: Es kann jedem passieren, auf Lebensmittel der Tafel angewiesen zu sein: Eine lange Krankheit, das kann alle Schichten und Altersgruppen treffen.


Entwicklungen bei Leiharbeit


Als besonders schlimm erscheint ihr die Entwicklung bei der Leiharbeit. Das kann Birgit Kraus auf der Basis dessen, was die Kunden hier schildern, nur bestätigen. Kraus kam kurz nach der Leiterin zur Tafel und ist seit zwei Jahren deren Stellvertreterin. Und seitdem engagiert sie sich in etlichen weiteren Vereinen. "Weil Helfen Spaß macht." Debrah Neser nickt heftig und erklärt lächelnd, dass sie schon einmal als Burgebracher Sozialmutti bezeichnet wurde und erwähnt mit Stolz die vielen positiven Kommentare ihrer Kunden, die als Dank auch schon mal einen Kuchen vorbeibringen.

Was wünscht sie sich? Spenden, denn nach fünf Jahren geben die Gefriertruhen langsam ihren Geist auf. Wer helfen möchte: Raiffeisenbank B-S, BLZ 770 620 14, Kontonummer 72 087. Weitere Infos unter Tel. 09546/8166.
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