Bamberg

Bamberger Studentenleben: auf den Hund gekommen

Die Semesterferien bieten Studenten viel Zeit, um alles Mögliche zu tun. Diese Zeit sinnvoll zu nutzen, ist allerdings eine Herausforderung für sich. Ein Haustier wäre dazu eine Hilfe, findet Autor Tarek J. Schakib-Ekbatan.
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Dieser fleißige Hund mit Aktenordner lief dem Fotografen auf dem Campus der Erba-Insel vor die Linse. Foto: TJSE
Dieser fleißige Hund mit Aktenordner lief dem Fotografen auf dem Campus der Erba-Insel vor die Linse. Foto: TJSE
Während ich morgens, um 6 Uhr, durch die Memmelsdorfer Straße lief, spielte ich mit dem Gedanken, mir einen Hund anzuschaffen. Wie es dazu kam, erzähle ich später.

Erst etwas anderes: Zu Semesterbeginn ist die Frage, die man sich an der Universität am häufigsten stellt: "Wie waren Deine Semesterferien?" Meistens sagt man dann: "Ganz gut, aber ich habe nicht so viel erledigen können, wie ich wollte."

Als ich einen Freund genau mit diesem Satz antworten hörte, zitierte ich spontan einen Spruch von Mark Twain: "Die Semesterferien sind die Zeit, in der man keine Lust hat, um das zu tun, wozu man während des Semesters keine Zeit hatte."

Mark Twain oder doch nicht?

Unglücklicherweise war meine Freundin Zamira dabei, die mir sofort über den Mund fuhr, mit der Bemerkung, ich würde das falsch zitieren.
Samuel Langhorne Clemens (so Twains bürgerlicher Name) hätte zwar etwas Ähnliches geschrieben, sich dabei aber auf die Jahreszeiten und nicht auf Semester bezogen. Er selbst hätte, ihrer Aussage nach, nie studiert, höchstens in seinem Buch "Bummel durch Europa" über Studenten geschrieben . . .

Trotzdem: Das Zitat bildet Wirklichkeit ab; sei es nun von Twain oder von Tarek.

Ungesunder Tagesrhythmus

Ein großes Problem für mich ist in den Semesterferien immer, dass sich während der Prüfungen am Semesterende mein Schlaf-Rhythmus so sehr verschiebt, dass ich weniger Tageslicht zu Augen bekomme als ein Stollenarbeiter. Ich nehme mir zwar immer vor, rechtzeitig mit dem Lernen anzufangen, habe dann aber keine Lust und mache den ganzen Tag irgendwelchen Unsinn, bis ich gegen 21 Uhr ein schlechtes Gewissen bekomme, das mich dazu treibt, gegen 24 Uhr tatsächlich mit dem Lernen anzufangen. Innerhalb kürzester Zeit wird so aus einem gesunden jungen Menschen eine Art Fledermausmann, der sich schlafen legt, wenn die Sonne aufgeht und der aufsteht, sobald es dämmert.

Recht bald wurde dieser Lebensstil auch in diesem Jahr untragbar. Allein deshalb, weil ich die kompletten Ladenöffnungszeiten verschlief und meine Freunde feiern gingen, als ich frühstückte. Also: "‚Was tun?‘ spricht Zeus" (Dies ist nun wirklich ein echtes Zitat von Schiller, aus seinem Gedicht "Die Teilung der Erde").

Schlaf lässt sich nicht erzwingen

Ich überlegte mir einen Plan. Direkt nach dem Aufstehen (also abends) ging ich joggen, aß, zu Hause angekommen, ein Brötchen und legte mich wieder ins Bett und zwang mich, einzuschlafen. Wer das mal versucht hat, weiß, dass es sehr schwierig ist, sich zum Einschlafen zu zwingen.

Denn ähnlich wie die Liebe lässt sich auch Schlaf nicht erzwingen. Nach ein paar Stunden schlummerte ich schließlich doch ein, vor lauter Langeweile. Allerdings war ich am nächsten Tag bereits um halb 6 wach.
Ich ging also durch die Memmelsdorfer Straße, über die Löwenbrücke, dann links am Rhein-Main-Donau-Kanal vorbei und durch die Kleberstraße, um beim Bäcker zu frühstücken. Auf dem Weg dorthin sah ich ausschließlich Menschen mit Hunden. Ich dachte mir, dass man von so einem Hund wohl automatisch zu Tüchtigkeit und Regelmäßigkeit verpflichtet wird. Ist nicht vielleicht sogar der Hund die letzte Konstante in einer Zeit, die dem hektischen Wandel unterworfen ist? Frei nach Loriots "Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos?"

Fleißiger Vierbeiner

Neulich sah ich an der Universität sogar einen Hund mit einem Ordner im Maul so schnell über den Campus laufen, dass ich ihn nur noch unscharf fotografieren konnte.

Nachdem ich schließlich in der Bäckerei Platz genommen hatte, holte ich meine Digitalkamera hervor, betrachtete das Bild und dachte mir, dass Tiere wohl doch die besseren Menschen - und wahrscheinlich auch die besseren Studenten sind. Ich saß nun vor meinem Kaffee, wie einst Mark Twain im späten 19. Jahrhundert in meiner Geburtsstadt Heidelberg, blickte auf die Straße und studierte nicht wie er die Studenten, sondern Menschen mit Hunden. Am Abend dieses Tages ging ich um viertel nach acht schlafen.
Einen schönen Tag (und gesunden Schlaf) wünscht Ihnen Ihr Tarek J. Schakib-Ekbatan

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