Bamberg
Gaucho-Dance

Bamberger sollte Facebook-Post gegen "Taz"-Abo löschen

Michael Ehlers aus Bamberg hat auf seiner Facebookseite den Aufschrei einiger Medien gegen den "Gaucho-Dance" der deutschen Fußballer kritisiert - unter anderem den der "Taz". Daraufhin meldete sich per Telefon ein angeblicher Mitarbeiter der Zeitung. Doch den gibt es dort gar nicht, wie ein Sprecher der "Taz" sagt.
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Roman Weidenfeller, Shkodran Mustafi, André Schürrle, Miroslav Klose, Mario Götze und Toni Kroos machen den "Gaucho-Dance". An der kleinen Vorführung scheiden sich die Geister. Foto: Alex Grimm/dpa
Roman Weidenfeller, Shkodran Mustafi, André Schürrle, Miroslav Klose, Mario Götze und Toni Kroos machen den "Gaucho-Dance". An der kleinen Vorführung scheiden sich die Geister. Foto: Alex Grimm/dpa
Rund 46 000 "Gefällt mir"-Angaben, gute 2000 Mal geteilt (Stand Donnerstag): Der Beitrag (="Post") des Bambergers Michael Ehlers auf Facebook verbreitet sich. Ehlers möchte sagen: "Es kann doch nicht sein, dass wir uns die Freude über den Weltmeistertitel verbieten lassen!"

Doch genau daran scheiden sich die Geister: Ist der Tanz, den die deutsche Fußballnationalmannschaft beim Fanfest in Berlin aufgeführt hat, ein Ausdruck von Freude über den Sieg? Oder Zeichen von Überheblichkeit und Nationalismus? Beim "Gaucho-Dance" liefen einige deutsche Spieler zunächst gebückt in einer Reihe und sangen "So geh'n die Gauchos, die Gauchos, die geh'n so." Dann sprangen sie auf und riefen hüpfend "so geh'n die Deutschen, die Deutschen, die geh'n so!"

Dieser Auftritt sorgt für eine Debatte - in der Bevölkerung wie in den Medien. Über einen Artikel hat sich Michael Ehlers besonders geärgert: den Text "Respektlos im Siegesrausch" des politisch linksorientierten Blattes "Taz" ("Die Tageszeitung"). "Als ich den Artikel gelesen habe, habe ich spontan einen Post auf Facebook abgesetzt", sagt Ehlers. Darin kritisierte er unter anderem: "In einer Welt voller Selbstgerechtigkeit kann man selbst wohl keine Erfolge feiern und sucht verzweifelt nach Kritikpunkten bei den Erfolgreichen."

Bereits am Abend des 15. Juli - der Tag des Posts - sei rege unter dem Beitrag kommentiert worden. Am nächsten Tag sei Ehlers ob der Menge der Posts "erschrocken." Rund 5000 Kommentare gibt es mittlerweile, positive wie negative. Alle lesen konnte Ehlers nicht. Bereits am ersten Abend hat er allerdings 40 gelöscht, in denen die Autorin des "Taz"-Artikels beleidigt worden war. "Das wollte ich nicht auf meiner Seite haben", sagt Ehlers.
Zudem sei er selbst, auch in persönlichen Nachrichten, angegangen worden. Offenbar sei nicht jedem klar gewesen, dass der verlinkte Artikel nicht von ihm, sondern "Taz"-Autorin Riecke Havertz stamme.

Am nächsten Tag sei dann ein Anruf gekommen. "Am Telefon war ein Herr Renninger, angeblich ein Mitarbeiter der ,Taz'. Der offenbar junge Mann wirkte unsicher und hat sich für den Artikel von Frau Havertz entschuldigt. Die ,Taz' werde den Artikel von ihrer Internetseite nehmen", wie Ehlers sagt. Am Ende sei dann noch ein Angebot gekommen: Wenn Ehlers den Facebook-Post auf seiner Seite lösche, bekäme er ein Jahresabo der ,Taz' gratis.
"Ich habe mich schon gefragt, ob ich da einem Telefonstreich zum Opfer gefallen bin", sagt Ehlers. "Absolut!", heißt es bei der "Taz". Kaspar Zucker verwaltet als Sprecher des sogenannten Community-Management digitale Leserzuschriften bei der "Taz". Er sagt auf Anfrage: "Erstens gibt es bei uns keinen Herrn Renninger. Und zweitens gehen wir nicht auf Facebookprofile und bitten Leute darum, ihr Profil in unserem Sinne zu gestalten."

Die "Taz" wiegelt ab

Zucker findet "die ganze Sache fast schon lustig." Auf keinen Fall biete die "Taz" ein Jahresabo gegen das Löschen eines Facebook-Beitrags an. Und dann will er etwas belustigt wissen: "Hat Ihr Leser das Angebot denn angenommen und wollte das Abo?

Hat er nicht. Michael Ehlers findet, "Die Tageszeitung" müsse den Ansturm im Netz aushalten. Tut sie auch, sagt die "Taz" selbst. "Das sind wir gewohnt. Gerade bei einem Thema wie diesem war das zu erwarten", sagt Kaspar Zucker. Bleibt die Frage nach dem Anrufer, der Michael Ehlers zum Löschen seines Facebook-Postings bewegen wollte. Der Anruf sei definitiv aus Berlin gekommen, wo auch "Die Tageszeitung" ihren Sitz hat. Das sei an der Telefonvorwahl erkennbar gewesen. "Aber vielleicht war das auch nur ein persönlicher Bekannter der Autorin, der sich für sie einsetzen wollte", sagt Ehlers. Der Anrufer habe die Situation als schlimm für die Verfasserin des Artikels dargestellt.

"Mittlerweile ist sie in der Bildzeitung zu Wort gekommen. Ich habe eher den Eindruck, dass es ihr sogar Spaß macht, ihre Meinung so deutlich zu vertreten", sagt Ehlers.

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