In Bamberg waren laut DAK-Gesundheitsreport im vergangenen Jahr weniger Erwerbstätige krankgeschrieben als 2015. Das Minus von 0,3 Prozent fällt allerdings überschaubar aus. Der Krankenstand von 3,7 Prozent liegt immer noch über dem bayernweiten Durchschnitt, an jedem Tag des Jahres waren von 1000 Arbeitnehmern 37 krank. Die Verbreitung von Insomnien (Schlafstörungen) hat seit 2010 deutlich zugenommen (plus 15 Prozent), die Fehltage aufgrund von Schlafstörungen haben sich mehr als verdoppelt.

Für Gesundheitsministerin Melanie Huml ist die sinkende Zahl an Fehltagen erfreulich. "Für Unternehmen sind gesunde und motivierte Mitarbeiter der Schlüssel zum Erfolg, deshalb werbe ich bereits seit längerer Zeit für ein betriebliches Gesundheitsmanagement und für gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen", erklärte die Ministerin. Auch in Bamberg gebe es etwa bei Bosch oder Brose Vorträge und weiterführende Angebote, stellt Dr. Rumo Leistner, Chefarzt Innere Medizin am Klinikum Bamberg, fest.

Immerhin sind die Fehltage bei den häufigsten Erkrankungen (Muskeln/Skelett, Psyche, Atmungssystem) zum Teil recht deutlich zurückgegangen. Dennoch verursachen Rücken- und Bandscheibenbeschwerden erneut fast jeden fünften Ausfalltag.

"Es macht sich aber auch bemerkbar, dass die Grippewelle nicht so stark ausgefallen ist wie noch im Jahr zuvor", sagt Leistner. Zugenommen hat hingegen die Zahl der sogenannten Neubildungen, damit sind Tumorerkrankungen gemeint, was allerdings auch der verbesserten Diagnostik geschuldet ist. Bei Frauen geht es hier vor allem um Brustkrebs, bei Männern um Prostata- oder Darmkrebs.
Gerade Langzeiterkrankungen fallen besonders ins Gewicht. "4,1 Prozent der Erkrankungsfälle in Bamberg sind für 45,8 Prozent der Fehltage verantwortlich", stellte Matthias Gabeli von der DAK bei der Präsentation des Reports fest.

Im aktuellen Gesundheitsreport mit dem Schwerpunktthema "Schlafstörungen" wird auch untersucht, wie es um die nächtliche Erholung der Arbeitnehmer steht. Die Kasse wirft dabei einen Blick auf Ursachen und Risikofaktoren. Im Oktober wurden 1001 Erwerbstätige im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt, fast jeder Dritte leidet dreimal pro Woche oder häufiger unter Einschlaf-/Durchschlafstörungen, 22 Prozent klagen zusätzlich über eine schlechte Schlafqualität und sieben Prozent fühlen dazu noch tagsüber müde und erschöpft. Sie erfühlen damit die drei Kriterien, bei deren Erfüllung Ärzte von einer Insomnie sprechen. "In den letzten 20 Jahren ist Schlafmedizin zu einer festen Größe geworden", sagt Chefarzt Dr. Leistner. "Musste man früher noch ein Jahr auf einem Termin im Schlaflabor warten, sind es heute noch zwei bis drei Wochen." Aber vor einem Laborbesuch gibt es Screening-Untersuchungen oder ambulante Rekorder, mit denen sich das konkrete Problem schon erkennen und bekämpfen lässt.





Die Arbeitsbedingungen spielen dabei eine große Rolle: Beschäftigte mit fünf und mehr Nachtschichten im Monat leiden besonders häufig unter Insomnie. "Die richtige Schichtdienstplanung spielt eine große Rolle", erklärte Leitender Oberarzt Dr. Robert Meyrer. "Ideal wäre drei Tage früh, drei Tage Spät, drei Tage Nacht." In vielen Berufen, gerade auch im Gesundheits- und Pflegebereich, müssten Menschen auch nachts arbeiten. Wenn ein Mitarbeiter dadurch aber gesundheitliche Probleme bekomme, könne das auch der Arbeitgeber nicht ignorieren.

Wobei jahrelanger Schichtdienst insgesamt eher schädlich sei. Meyrer wünscht sich auch für Hausärzte mehr Schulungen in Sachen Schlafmedizin. "Früher wurden bei Schlafstörungen häufig Benzodiazepine verschrieben, von denen heute noch viele Patienten abhängig sind."

Weitere Risikofaktoren sind Überstunden, fehlende Pausen oder ein hohes Maß an Erreichbarkeit. Bayernweit haben Insomnien seit 2009 um 15 Prozent zugenommen, gelegentliche Schlafprobleme sogar um 57 Prozent. Viele Betroffene gehen relativ spät deswegen zum Arzt, jeder Zehnte wusste noch nicht einmal, dass ihm dort bei Schlafproblemen geholfen werden könnte. "Mir war das auch gar nicht bewusst", sagte Dritter Bürgermeister Wolfgang Metzner, der gelegentlich unter Schlafproblemen leidet.

"Zur Prävention von Schlafstörungen sollten Arbeitsbedingungen so angepasst werden,dass Risikofaktoren vermindert werden", stellt Gabeli heraus. Viele Arbeitnehmer sorgen aber auch selbst für einen schlechten Schlaf, durch TV-Konsum, späte Smartphone-Nutzung oder die Planung des nächsten Arbeitstages. Wobei es auch hier unterschiedliche Bedürfnisse geben mag. "Nach einer anstrengenden Sitzung muss ich erst beim Fernsehen runterkommen, dann kann ich schlafen", sagt der stellvertretende Landrat Johann Pfister.