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Bamberger Sandstraßen-Prozess: Opfer erlitt schwerste Schädel-Hirn-Verletzungen

Im Sandstraßen-Prozess erläuterten Mediziner die schweren Verletzungen des Opfers.
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Vor dem Landgericht Bamberg müssen sich zwei Männer (hier mit ihren Verteidiigern Jochen Kaller und Oliver Teichmann) wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Totschlags in der Sandstraße verantworten. Foto: Ronald Rinklef
Vor dem Landgericht Bamberg müssen sich zwei Männer (hier mit ihren Verteidiigern Jochen Kaller und Oliver Teichmann) wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Totschlags in der Sandstraße verantworten. Foto: Ronald Rinklef

Gegen 6.30 Uhr am 30. Juli 2017 bekam im Klinikum Bamberg der diensthabende Neurochirurg den Geschädigten Christian K. (Namen geändert) erstmals zu Gesicht, knapp zwei Stunden nach den Vorfällen in der Sandstraße.

"Es hat definitiv akute Lebensgefahr bestanden, dafür sorgten schon allein die schweren Kopfverletzungen", sagt der leitende Oberarzt. In den ersten zehn Tagen sei es zu einer kontinuierlichen Verschlechterung gekommen, weshalb man sich für eine weitreichende Operation entschieden habe. Der Neurochirurg beschrieb "Brüche über den Hinterkopf bis in beide Hinterohrbereiche sowie multiple kleine Einblutungen im Gehirn, das zunehmend anschwoll". Aus beiden Gehörgängen sei relativ viel Blut geflossen. Man konnte keinen bestimmten Punkt identifizieren, auf den Gewalt ausgeübt wurde, da die gesamte Schädelbasis gebrochen war. Blutergüsse an beiden Frontallappen hätten zu einer massiven Schwellung des Gehirns geführt. K. wurde ein handtellergroßes Stück der Schädeldecke entfernt, weil das Gehirn weiter anschwoll und sonst gegen den Knochen gedrückt hätte. Fast drei Monate hatte der Geschädigte dadurch einen verformten Hinterkopf, bevor ihm eine Schädelplastik eingesetzt werden konnte. "Dieser Zustand schaut für uns jetzt relativ krass aus", erklärte Vorsitzender Richter Manfred Schmidt angesichts der Lichtbilder, die K. zwischen und nach den Operationen zeigten.

"Es handelt sich hier um schwerste Schädel-Hirn-Verletzungen in einem Ausmaß, wie wir sie nur sehr selten sehen", ergänzte der Chefarzt der Neurochirurgie. "Da muss eine massive Krafteinwirkung dahintergesteckt haben." Die Langzeitfolgen seien schwer abzuschätzen, Krampfanfälle, Konzentrationsstörungen, Leistungsminderungen und Persönlichkeitsveränderungen seien möglich. Der 24-jährige Angeklagte Tom Z. hatte zu Prozessbeginn eingeräumt, dass er in jener Nacht mit einer Art Bodycheck gegen den 36-Jährigen K. gesprungen war. Daraufhin sei dieser umgefallen. Der 30-Jährige Andi H. will jedoch einen Sprung Z.s mit dem Knie voraus gesehen haben, anschließend habe sein Mitangeklagter das Opfer noch getreten.

Für den Rechtsmediziner Professor Peter Betz hat K. eine "typische Verletzung nach einem Schädelaufschlag mit hoher Energie auf den Boden" erlitten. Während der Kopf mit der einen Seite auf dem Pflaster aufschlage, entstehe auf der gegenüberliegen Gehirnseite ein massiver Unterdruck. Der ganze Schädel werde zusammengedrückt, da sich der Knochen nicht verformen könne, komme es zum Bruch. "Das alles kann Folge einer einzigen Gewalteinwirkung sein, solche Verletzungsmuster bekommen Sie weder durch Fußtritte, noch durch Schläge mit einem Gegenstand", erläuterte Betz. In den Bereichen, die er untersuchen konnte, habe er auch keine weitere Weichteilverletzung feststellen können. Da der Geschädigte erheblich alkoholisiert war, sei er wohl nahezu ungebremst zu Boden gegangen, sein eigenes Sturzgewicht habe die Wirkung verstärkt.

Weitere Verhaftung vor Gericht

So aussagekräftig die Erläuterungen der Mediziner waren, so schwierig blieb die Beweisaufnahme im Zeugenstand. Die Zeugin, die am dritten Verhandlungstag verhaftet worden war, befindet sich weiter in Untersuchungshaft. "Ich möchte darauf hinweisen, dass diese bereits bei der Polizei ganz klar falsche Angaben gemacht hatte", erklärte Oberstaatsanwalt Otto Heyder.

Auch ein aus Schleswig-Holstein angereister 23-Jähriger lieferte für Heyder keine glaubhafte Aussage. Er habe K. zwar aus weiter Entfernung liegen sehen, sei dann aber weitergegangen. Doch wie der Mann zu Boden gegangen ist, wisse er nicht, den Angriff habe er nicht gesehen und auf dem Überwachungsvideo erkenne er sich selbst nicht wieder. "Immer wenn es kritisch wird, weichen Sie aus", warf ihm der Oberstaatsanwalt vor, bevor er auch diesem Zeugen die vorläufige Festnahme wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage erklärte.

Schon während der mehrstündigen Zeugenvernehmung deuteten sich eher ungewohnte atmosphärische Störungen zwischen Vorsitzendem Richter und dem Vertreter der Staatsanwaltschaft an. Als Schmidt erklärte, die Verhandlung am Nachmittag fortsetzen zu wollen, erklärte Heyder, dann keine Zeit mehr zu haben und auch keinen Vertreter schicken zu können. "Eine solche Drohung ist nun schon ein Novum", sagte Schmidt. Da ihn Heyder aber bereits im Vorfeld auf Terminprobleme hingewiesen habe, vertage er ausnahmsweise die weitere Vernehmung. Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.



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