Bamberg
Umzug

Bamberger Marionettentheater: Figurenspiel an dünnem Faden

Nach 32 Jahren im Staub'schen Haus muss sich eine Bamberger Institution neu orientieren.
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Das Staub'sche Haus wird wohl noch eine Weile das Bamberger Marionettentheater beherbergen. Foto: Ronald Rinklef
Das Staub'sche Haus wird wohl noch eine Weile das Bamberger Marionettentheater beherbergen. Foto: Ronald Rinklef

Dass das Bamberger Marionettentheater umziehen soll, wenn das Staub'sche Haus in der Unteren Sandstraße generalsaniert wird, steht schon länger fest. Unklar ist allerdings noch, wann, wohin - und vielleicht auch, wie oft es umziehen wird. "Wir haben bis heute noch keine Info, wie es weitergeht. Das ist für uns katastrophal, weil uns damit auch jede Planungssicherheit genommen wird", sagt Theaterleiterin Maria Sebald. "Eine sinnvolle und allseits verträgliche Lösung wäre das Theater im Staub'schen Haus zu belassen", findet Manfred Kreidl, Zweiter Vorsitzender des Trägervereins "Freunde des Bamberger Marionettentheaters". Für Kreidl könnten die Interessen "unterschiedlicher nicht sein". Falls nun wirklich "in hoffentlich naher Zukunft" eine geeignete alternative Spielstätte gefunden werde, sollten die Beteiligten diese "mit Bedacht herrichten und danach feierlich einen Umzug durchführen".

Der falsche Stiftungszweck

"Die Stadt Bamberg verfolgt weiterhin das Ziel, gemeinsam mit den Freunden des Bamberger Marionettentheaters, eine langfristige Lösung zu finden", verspricht hingegen Kulturbürgermeister Christian Lange (CSU).

Susanne Wettstein hat das Marionettentheater vor 30 Jahren, bei ihrem ersten Bamberg-Besuch kennengelernt: "Ich tauchte fasziniert in dieses einzigartige Ambiente ein und bin bis heute begeistert von diesem kulturellen Kleinod. Umso entsetzter war und bin ich, als ich erfuhr, dass dies bald alles ein Ende hat." Denn das Ambiente sei "nicht umziehbar", das Theater werde an anderer Stelle nicht diese Wirkung haben. Das Marionettentheater sei ein Schatz, den der einstige Prinzipal Klaus Loose der Stadt Bamberg vermacht habe, "sicher im Glauben, sein Erbe gut behütet zu wissen". Wettstein sei "tief erschüttert, wie die Stadt Bamberg hier mit einem einmaligen, aber unprofitablen Kulturgut umgeht".

Warum kann das Theater nicht auch nach der Generalsanierung im Staub'schen Haus bleiben? Laut Kulturbürgermeister Christian Lange steht dem der Stiftungszweck der Krankenhausstiftung, der die Immobilie gehört, entgegen. "Die Stiftung sollte Wohnraum für Krankenhaus-Mitarbeiter schaffen und Mieteinnahmen für den Betrieb eines Krankenhauses generieren - eine kulturelle Nutzung sieht der Stiftungszweck aber nicht vor." Auch Lange hebt die Einzigartigkeit des Marionettentheaters und dessen Bedeutung für Bamberg hervor. Deshalb würden derzeit "sowohl eine temporäre Übergangslösung als auch eine tragfähige dauerhafte Lösung" geprüft, die Gespräche seien aber noch nicht abgeschlossen.

Diese Ungewissheit macht allerdings Theaterleiterin Sebald zu schaffen: "Wir haben keine Möglichkeit, unsere Gäste zu informieren. Wir befinden uns seit August 2018 im Umzugsmodus und verlieren so auch Gruppen, die nicht mit uns planen können. Und andere denken, wir sind schon weg."

Sie sei zurzeit über jedes Stück froh, das ausverkauft sei. Sebald habe Verständnis dafür, dass so etwas nicht von heute auf morgen geklärt werden kann. "Aber wir hatten schweren Herzens der Idee zugestimmt, als Interimslösung Mitte des Jahres in den Barockflügel des Schlosses Geyerswörth umzuziehen. Doch diese Planungen, mit denen sich auch unser ehrenamtlicher Vorstand ein halbes Jahr beschäftigt hat, wurden nun auf einmal seitens der Stadt verworfen." Anna Lienhardt aus der städtischen Pressestelle bestätigt: "Es ist korrekt, dass der Barockflügel von Schloss Geyerswörth als Interimslösung im Gespräch war. Davon hat man zwischenzeitlich jedoch Abstand genommen." Ob die Räumlichkeiten zukünftig noch einmal in Frage kommen, sei offen.

"Ich hoffe, dass die Stadt, nachdem es nun so lange dauert, eine vernünftige Lösung findet und das Theater nicht weiter belastet", sagt Sebald. "Angesichts der bisherigen Umstände wäre es uns gegenüber anständig, wenn es bei einem Umzug, dem in die Tabakscheune, bleibt."

Nach derzeitigem Stand hätte das Marionettentheater zweimal umziehen müssen. Denn die Generalsanierung des Staub'schen Hauses hätte nach den bisherigen Planungen schon bald beginnen sollen und die ehemalige Tabakscheune wäre nicht vor 2021 bezugsfähig. Doch schon ein Umzug bedeutet laut Sebald eine große logistische Herausforderung - und das Publikum müsste sich sonst in wenigen Jahren zweimal an neue Spielorte gewöhnen. Nun müssten aber die Besucher zunächst einmal wissen, dass das Marionettentheater noch für einige Zeit im Staub'schen Haus zu finden ist.

Für die Zeit danach ist Susanne Wettstein skeptisch: "Auch wenn das Theater an anderer Stelle wieder aufgebaut werden soll, weiß jeder, der nur einmal Besucher war und hinter die Bühne geschaut hat, dass dies nicht gelingen wird." Da es in Bamberg Geldquellen für Kunst aus anderen Ländern gebe, könne man doch auch Bestehendes erhalten. "Die Pflicht dazu haben wir, nicht nur unseren Kindern und nachfolgenden Generationen gegenüber."

KOMMENTAR von Stefan Fößel

Zauber bewahren

Das Marionettentheater ist ein besonderes Stück Kultur, das Theatergründer Klaus Loose den Bambergern einst vermachte und dessen Zauber die Theaterleute mit Herz und Verstand bewahrt haben.

Wenn nun schon allein der falsche Stiftungszweck diese Institution nach Jahrzehnten zum Auszug zwingt, sollte man den ehrenamtlichen Kulturschaffenden den Wandel nicht noch schwerer machen als er ohnehin schon ist. Der Laie könnte ohnehin fragen, ob nicht einfach eine andere Stiftung, die sich der Kultur verschrieben hat, das Staub'sche Haus kaufen könnte - und das Theater dort belassen. So bleibt die Frage, ob die dortige Generalsanierung tatsächlich so eilig ist, dass man dem kleinen Theater auch noch den Umzug an einen Interimsstandort zumuten muss. Ist sie es nicht, könnte man dem Theater noch die paar Jahre am alten Platze gönnen. Und möglichst viele Bamberger sollten die Gelegenheit nutzen, dieses Kleinod kennenzulernen und es so mit am Leben zu erhalten.

s.foessel@infranken.de



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