Bamberg
Landkreiswette

Bamberger Landkreiswette soll auch für mehr Ferienspaß sorgen

Die Landkreiswette soll dazu beitragen, dass Menschen mit Behinderung in der eigenen Gemeinde bewusster wahrgenommen genommen werden.
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Leonie (10), Natalie (10) und Justus (9) hatten beim Ferienprogramm der Gemeinde Breitengüßbach richtig Spaß.  Foto: Kuno Eichner
Leonie (10), Natalie (10) und Justus (9) hatten beim Ferienprogramm der Gemeinde Breitengüßbach richtig Spaß. Foto: Kuno Eichner

Damit die Sommerferien zur schönsten Zeit des Jahres werden, muss man nicht weit in den Urlaub fliegen. Denn für alle, die ihre Ferien zu Hause verbringen, haben die Gemeinden im Landkreis Bamberg ein vielfältiges und abwechslungsreiches Sommerferienprogramm auf die Beine gestellt. Die Teilnehmer konnten und können etwas Neues auszuprobieren und Spannendes zu erleben, gemeinsam die Natur zu erkunden, Sport zu treiben, kreativ zu experimentieren, Imker oder Feuerwehr zu besuchen. Kindern und Jugendlichen erschließen sich so viele Wege, um ihre Umwelt in ihrer Vielfalt zu begreifen und verantwortungsbewusst mitzugestalten.

Mit anderen in Kontakt kommen

Allein in Breitengüßbach gibt es 29 verschiedene Veranstaltungen. Eine der kreativen Mitmachaktionen war der Filzworkshop in der Gemeindebücherei. Hier konnten 20 Kinder von sechs bis zwölf Jahren unter der Anleitung von Ilona Döhla lernen, wie aus farbiger Schafwolle kleine Kunstwerke entstehen. Jutta Schmidt, Integrationsbegleiterin von Integra Mensch der Lebenshilfe Bamberg, war bekannt, dass die zehjährige Natalie aus Breitengüßbach gerne bastelt. Als sie bei der Leiterin der Bücherei, Karin Schneiderbanger-Vogt, fragte, ob auch Natalie an dem Bastelangebot teilnehmen könnte, hat sie offene Türen eingerannt.

"Jedes Kind macht unsere Arbeit lebendiger und schöner. Unsere Ferienangebote und unsere Bücherei sollen Begegnungsstätte für alle sein, ob jung oder alt, ob mit oder ohne Behinderung. Wir möchten gerade Kindern mit Behinderung die Möglichkeit bieten, früh mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen", verdeutlicht Karin Schneiderbanger-Vogt. Wie wichtig diese Gelegenheit gerade für Natalie ist, fällt auf, als sie gemeinsam mit Justus (neun Jahre) und Leonie (zehn Jahre) bastelt. Alle drei sind aus Breitengüßbach und fast gleich alt. Da Natalie aufgrund ihres Förderbedarfes nicht den Kindergarten oder die Schule in Breitengüßbach besuchen kann, sondern in der Lebenshilfe in Bamberg betreut wird, kennen die beiden Natalie nicht.

Integrationsbegleiterin Jutta Schmidt erklärt: "Jüngere Kinder unterscheiden nicht zwischen behindert oder nicht behindert. Das ,Anderssein' ist ganz normal für sie. Da sind eher manche Eltern unsicher." Was sie damit meint, wird deutlich, wenn man die drei beim gemeinsamen kreativen Arbeiten beobachtet: "Ich mache ein blaues Halsband für meine Katzen Picco und Ernie", verrät Justus. Natalie fertigt Haarschmuck an und Leonie hält eine selbstgebastelte kunstvolle Blume hoch. Sie sagt: "Das macht uns allen Spaß". Die Atmosphäre ist entspannt. Jedes Kind arbeitet in seinem Tempo. Zeitdruck kennt man hier nicht. Wer Hilfe braucht, bekommt sie. Wenn Natalie Fragen hat, bekommt sie ganz selbstverständlich Unterstützung - auch von Justus und Leonie. Probleme zwischen den Kindern scheint es keine zu geben.

Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder unterstützt mit ihrem Gemeinderat das Inklusionsprojekt von Integra Mensch: "Von inklusiven Angeboten haben alle etwas. Kinder ohne Einschränkung entwickeln so selbstverständlich Sozialkompetenzen. Das ist eine Bereicherung für alle." Das Vorgehen von Integra Mensch orientiert sich am Lebensraum junger Menschen. Im ländlichen Raum ist das dort, wo man wohnt.

Manche bleiben außen vor

Aufgrund der Beschulung an zentralen Förderschulen verbringen manche Kinder und Jugendliche mit Behinderung einen großen Teil des Tages, auch ihrer Freizeit, nicht in ihrer Heimatgemeinde. Sie sind oft nicht bekannt und bleiben öfters außen vor. Mit der Unterstützung des Modellprojektes "Assistenz im Freizeitbereich" von Integra Mensch verfolgt der Landkreis Bamberg das Ziel, die Vereine und Institutionen für Inklusion zu sensibilisieren und Freizeitangebote für alle Menschen zu öffnen. Leonie, Natalie und Justus haben in Breitengüßbach bereits vorgemacht, wie einfach Inklusion funktioniert.

Insgesamt soll das Projekt dazu beitragen, dass Menschen mit Behinderung in der eigenen Gemeinde bewusster wahrgenommen genommen werden. Mittlerweile beteiligen sich neben dem Landrat und 34 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern bereits über 800 Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis Bamberg. Sie alle stoßen gemeinsam eine daraus resultierende inklusive Wertschätzung von Menschen mit Behinderung in der gesamten Region an. Das Projekt ist eingebunden in die Landkreis-Wette. Für diese werden 1964 Bürger gesucht, die dieses Ziel unterstützen. fö/red



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