Bamberg

Bamberger Krautbraten - das unbekannte Gericht

Im Internet feiert ein Gericht große Erfolge, das sich "Bamberger Krautbraten" nennt. Das Seltsame nur: In der Domstadt ist die vermeintlich fränkische Köstlichkeit auf keiner Speisekarte zu finden - auf keiner? Nicht ganz.
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Schmecken muss er auf jeden Fall, dieser Braten. Zumindest, wenn man nach den Bewertungen der kulinarisch interessierten Internetnutzer geht. Auf einschlägigen Hobby-Kochexpertenseiten wie chefkoch.de findet sich ein Rezept, das in den Töpfen der Bamberger Küchen bisher kaum bekannt ist. Der "Bamberger Krautbraten" schaffte es auf der Internetseite von T-Online sogar zum Gericht des Monats Dezember. Das hat die Redaktion der Internetseite jedenfalls Anfang Januar verkündet.

"Der absolute Liebling unserer Leser war der Bamberger Krautbraten - ein deftiges Gericht mit Weißkohl und Hackfleisch", schreibt die Redaktion dort. Das hört sich gut an. Auch wenn der Braten rein faktisch eher einem Auflauf ähnelt.
Wesentlicher Bestandteil ist Hackfleisch. Ein ausgewachsenes Stück Fleisch sieht jedenfalls anders aus...

Das sei aber dahingestellt. Was viel wichtiger ist: Was hat dieses Gericht mit Bamberg zu tun? So wie es aussieht nämlich relativ wenig bis gar nichts. Denn keinem ist dieser ominöse Braten ein Begriff. Weder einem unserer Leser, der seit 57 Jahren in Bamberg lebt, noch den Nutzern unserer Facebook-Seite. Alle sagen: Kenn ich net.
Die kulinarische Jagd nach dem Hackfleisch mit Kraut und Speck ist eröffnet. Und eines sei schon jetzt verraten: So erfolglos wie zunächst gedacht, sollte die Jagd dann am Ende nicht ausgehen. Doch der Reihe nach.

Gut beurteilt - nichts zu meckern

Erster Gedanke: Wo könnte die Trefferwahrscheinlichkeit höher sein als beim Verein Bamberger Köche? Schließlich sind hier 85 Küchenprofis vereint. Nachfrage beim ersten Vorsitzenden Heinz Müller: "Sagt mir nichts." Der Anruf käme jedoch auch unpassend - er stehe auf den Skiern. Da ist nun mal schlecht über Rezepte zu sprechen, also: Müllers Stellvertreter Vincent di Maria gefragt. "Gut beurteilt, da kannst nichts sagen", meint dieser, als er die Internetseite mit dem gesuchten Rezept aufruft. Doch er muss passen: Das Gericht ist ihm nicht bekannt. Er könne sich aber vorstellen, dass der Erfinder des Rezepts einfach eine Bezeichnung gesucht hat. Dass Bamberg darin auftaucht, könnte ein Zufall sein: "Gib dem Ding einen Namen, dann geht es los."

Und wie es los ging: Auf chefkoch.de hat das Rezept über 6000 Aufrufe. Auf der T-Online-Seite wohl über 29.000 Aufrufe allein an einem Tag im Dezember. Danach folgt erst das Kartoffelgratin mit Rosenkohl und die Kartoffelsuppe "Großmütterchen". Dann, ganz abgeschlagen auf Platz vier, folgt erst der "schnelle Rotweinkuchen". Der Bamberger Krautbraten schlägt sie alle. Ob die T-Online-Nutzer nur die schmackhaften Bilder zum Rezept angeschaut haben oder das Gericht dann auch selbst zubereitet haben, ist nicht überprüfbar. Ganz anders unsere Jagd nach dem Ursprung des Rezepts in Bamberg. Nächster Versuch: Hofbräu. Doch auch Wirt Hans Peßler muss passen. "Krautwickel gefüllt mit Hackfleisch kenn' ich." Ein Krautbraten sei ihm aber unbekannt - und das will was heißen - Peßler ist ein Ur-Bamberger.

Bamberger Zwiebel, kein Braten

Wer soll es jetzt noch kennen, wenn nicht Peßler? Nachfrage im Sternla: "Da müsste ich mich schwer täuschen: Das Gericht habe ich noch nie auf einer Karte gesehen", sagt auch Wirt Uwe Steinmetz. Die Bamberger Zwiebel habe er schon öfter auf der Karte. Doch Krautbraten? Auch beim Sternla ist er noch keinem begegnet.

Keiner kennt den Braten? Ein letzter Versuch beim Schlenkerla. Den Bamberger Krautbraten? Aber ja! "Den haben wir jeden Monat zwei, drei Mal auf der Karte", sagt Martin Weilmünster, Koch im Schlenkerla. Treffer. Ungläubiges Nachfragen: Ja, doch, versichert Weilmünster noch. "Recht herzhaft abgewürzt" kenne er das Gericht aus seiner Küche. Allerdings ähnele das Ganze bei ihm eher einem falschen Hasen nur ohne Ei, dafür im Speckmantel. Wenn es diese Seltenheit gibt, schreibe er dann mal Bamberger Krautbraten, aber auch manchmal einfach Krautbraten auf die Karte - je nachdem.

Der unbekannte Braten - es gibt ihn also doch. Historisch gesehen stellt er genauso wenig eine kulinarische Tradition der Bamberger Küche dar wie die Bamberger Zwiebel. Diese wurde vor längerem mal bei einem Wettbewerb gekürt. Das Rezept wurde von einer Frau erfunden. Seitdem gibt's die Zwiebel eben. Den Leuten wird's wurscht sein: Hauptsache, es schmeckt!
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