Würgau
Gesundheit

Bamberger Kliniken sollen in aller Ruhe fusionieren

Eine schnelle Lösung wird es für die künftige Zusammenarbeit der Krankenhäuser von Stadt und Landkreis Bamberg vermutlich nicht geben. Es soll erst eine Phase der Prüfung und Annäherung voran gehen. Für einen starken Verbund sollen die beiden Kliniken in Forchheim und Ebermannstadt einbezogen werden.
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Die Juraklinik in Scheßlitz ist eine der beiden Kliniken der Gemeinnützigen Krankenhaus-Gesellschaft des Landkreises. Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Die Juraklinik in Scheßlitz ist eine der beiden Kliniken der Gemeinnützigen Krankenhaus-Gesellschaft des Landkreises. Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Erst der nächste Kreistag - und der nächste Landrat - werden zusammen mit den Gremien von Stadt und Sozialstiftung Bamberg als Trägerinnen des Klinikums am Bruderwald die Sache anpacken. Wobei laut Landrat Denzler möglicherweise schon im kommenden Jahr ein bisher großes Hindernis wegfallen könnte: Die Pflicht zur "örtlichen Beteiligung" in Höhe von zehn Prozent beim Bau von kommunalen Krankenhäusern. Denn wollte das Klinikum über die Stadtgrenzen hinaus tätig werden, könnte die Sozialstiftung satzungsgemäß nicht mehr Träger sein. Die Stadt Bamberg müsste einspringen und zehn Prozent der damaligen Baukosten - etwa acht Millionen Euro - als "örtliche Beteiligung" an den Freistaat überweisen.

Auch Leitender Verwaltungsdirektor Georg Ensner sah in den engen Schranken für die Sizialstiftung eines der Haupthindernisse für eine gemeinsame Zukunft der Krankenhäuser in Stadt und Landkreis Bamberg, zu denen möglicherweise die Kliniken in Stadt und Landkreis Forchheim kommen könnten. Trotz einer guten bis sehr guten Zusammenarbeit der Verwaltungen seien "die von der Stadt Bamberg ... zu klärenden Fragen einer engen Kooperation/Fusion im Krankenhausbereich alles andere als einfach, ihre Lösung höchst komplex, äußerst schwierig und zeitaufwändig".

Selbst ein - nicht billiges - externes Gutachten einer auswärtigen Berater-Kanzlei zerfloss bei der Krankenhaus-Aufsicht wie Eiscreme in der Sonne: "Die Idee einer überörtlichen Dachstiftung ließe sich aus stiftungs-, aber auch kommunalrechtlichen Gründen nicht verwirklichen". Damit war die "Gesundheitsstiftung Bamberg" schon am Ende, bevor sie begonnen hatte, weil eine Stiftung in eine andere überzuführen schwierig war.

Trotzdem habe es in diesem Jahr mehrere Gesprächsrunden zwischen Oberbürgermeistern und Landräten aus Bamberg und Forchheim gegeben, so Ensner weiter, bei denen alle Seiten ein ernsthaftes Interesse an einer gemeinsamen Zukunft gezeigt hätten. Über die rechtliche Ausgestaltung, zum Beispiel die Zusammensetzung von Aufsichtsräten, sei aber noch nicht gesprochen worden. "Momentan hängt alles an der Beantwortung stiftungsrechtlicher Fragen. Und das wird in dieser Amtsperiode nicht mehr erfolgen", redete Ensner Klartext.
Eine Zeitlang, so ergänzte Landrat Denzler, sei in dieser Angelegenheit "vielleicht nicht mit wirklicher Überzeugung verhandelt worden". Vielleicht habe die andere Seite "damit gerechnet, dass wir vor gesundheitspolitischen Hintergründen in die Knie gehen". Deshalb habe die Gemeinnützige Krankenhaus-Gesellschaft (GKG) des Landkreises "alles getan, um auf Augenhöhe verhandeln zu können" - aber immer im Bewusstsein, dass eine engere Kooperation sinnvoll wäre.

Das will man auch bei der SPD, für die sich der neue Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz dafür aussprach, die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu garantieren und die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Krankenhäuser zu sichern. "Gibt es denn bisher überhaupt eine Koordination mit der Sozialstiftung Bamberg?" wollte Schwarz wissen und kritisierte die "Abwerbungen von Ärzten".

Niemanden abgeworben

"Wir haben zu keinem Zeitpunkt Ärzte vom Klinikum abgeworben und wir zahlen auch nicht mehr", betonte dazu Landrat Günther Denzler. "Wenn einer zu uns kommen will, weil es seine private Lebensplanung ist...", ergänzte CSU-Sprecher Andreas Schlund. Laut GKG-Geschäftsführer Manfred Fischer gibt es bisher Kooperationen in den Bereichen Ärztliche Weiterbildung, Labore, Pathologie oder Wäscherei, obwohl man im Wettbewerb stehe.
"An einer Zusammenarbeit geht nix vorbei" befand auch Stellvertretender Landrat Johann Pfister (BBL). Dabei habe man sich in erster Linie Sorgen um die Bevölkerung im Landkreis zu machen, für die zwei Kliniken wichtig seien in einer Zeit, "in der es viele Haifische gibt und wenig Fische". Die Patienten bestätigten immer wieder die hohe Qualität der beiden GKG-Krankenhäuser, ergänzte CSU-Sprecher Schlund.

Forchheim einbeziehen

"Ist ein lockeres Nebeneinander zukunftsfähig? Dann brauchen wir keine komplexen Diskussionen mehr", beendete ÜWG-Sprecher Bruno Kellner die Debatte mit der Bitte an GKG-Geschäftsführer Fischer, eine Perspektive aufzuzeigen. Auch Fischer wollte eine Fusion der Kliniken nicht für alle Zeiten ausschließen: "Ich stelle mir zunächst ein gemeinsames Dach zur strategischen Ausrichtung vor, darunter die vier Träger - mit Forchheim - in Eigenverantwortlichkeit. Nach einer mehr oder weniger langen ,Verlobungszeit', in der sich manches einspielen könnte, könnte man eine Fusion auf der Grundlage der Realitäten angehen".

Einen "gangbaren Weg" sah darin Andreas Schwarz MdB. Und das Fazit von CSU-Landratskandidat Johann Kalb: "Die Gesundheitsregion Bamberg braucht vor allem Zeit".
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