Bamberg
Prozess

Bamberger Kirchenschänder wusste nicht, was er tut

Maris V. (Name geändert) leidet an einer schweren schizophrenen Erkrankung, die in der Psychiatrie behandelt werden soll.
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Unter anderem in der Klosterkirche Heilig Grab soll der Mann gewütet haben.  Dort wurde nicht nur ein großes Holzkreuz von der Wand gerissen, sondern  auch die Figur des "Heiligen Josefs"  (Bild unten) beschädigt. Foto: Marcus Wolf
Unter anderem in der Klosterkirche Heilig Grab soll der Mann gewütet haben. Dort wurde nicht nur ein großes Holzkreuz von der Wand gerissen, sondern auch die Figur des "Heiligen Josefs" (Bild unten) beschädigt. Foto: Marcus Wolf

An den Taten des 26-Jährigen bestand schon zu Prozessbeginn kaum noch ein Zweifel. Maris V. hatte sein erstes Geständnis wiederholt und erklärt, dass er aus Spielfrust in Bamberger Kirchen gewütet, geraubt und öffentlich das geschmäht hatte, was anderen heilig ist. So bespuckte er im April 2018 nach minutenlang ein Wegkreuz in der Mittelstraße. Daneben beging er Ladendiebstähle, auch unter Ausübung von Gewalt.

"Die schwierige Frage ist nicht, was er getan hat. Die Frage ist, was machen wir mit dem Angeklagten?", hatte es Staatsanwalt André Libischer in seinem Plädoyer auf den Punkt gebracht. Dass V. zur Tatzeit an einer psychotischen Störung litt, war schon länger bekannt. Die nun vor dem Landgericht Bamberg präsentierten Gutachten machten deutlich, dass ihn diese Erkrankung auch schuldunfähig macht. Außerdem wird er dadurch unberechenbar, weitere Straftaten seien ohne Behandlung wahrscheinlich.

Die Verhandlung zeigte, dass man sich der Persönlichkeit von Maris V. und vor allem seiner Erkrankung nicht so leicht nähern kann. Denn der gebürtige Lette, der vor Gericht immer mal wieder hineinrief oder vorangegangene Aussagen bewertete, ließ die Psychiater nicht in sein Inneres blicken. Wortkarg, fahrig und am Thema vorbei hatte er sich gegenüber denjenigen gezeigt, die seinen geistigen Zustand beurteilen sollten. Und doch sind sich die Sachverständigen Anke Heidrich (Bezirksklinikum Bayreuth) und Christoph Mattern (langjähriger Chefarzt am Bezirksklinikum Obermain), einig: Maris V. leidet schon länger unter einer schweren psychischen Erkrankung, entweder einer paranoiden Schizophrenie oder an einer so genannten Hebephrenie. Für letztere Variante sprechen unter anderem V.s gelegentliche Wahnvorstellungen, sein Lächeln an sehr unpassenden Stellen und seine Zwiegespräche mit einem imaginären Hund namens Luzifer, über die aus dem Bezirkskrankenhaus berichtet wird. Dort musste V. erst am Wochenende wieder in ein Isolierzimmer gebracht werden, weil sein stundenlanges Schreien auch für die anderen Insassen nicht mehr zu ertragen war.

Wird Zwangsbehandlung nötig?

"Es kratzt in mir, da muss ich schreien", soll V. sich erklärt haben. Er reagiere immer wieder unangemessen und impulsiv, behaupte Dinge, die so nicht sein könnten, schon längere Gespräche strengen ihn an.

Die Behandlung scheitere daran, dass V. sich Gesprächen verweigere und seine Medikamente nicht über einen längeren Zeitraum nehme. "Es ist die Frage, ob man in diesem Fall über eine Zwangsbehandlung nachdenken müsste", erklärte Oberärztin Heidrich.

Ihr Kollege Mattern bedauerte, dass man bislang kaum an V. herangekommen sei: "Er versteht nicht, dass er eine Psychose hat, die behandelt werden muss." Verteidiger Thomas Gärtner wünschte seinem schuldunfähigen Mandanten die Einsicht, dass er dringend eine solche Behandlung brauche. Gärtner sprach sich wie Libischer für einen Freispruch und V.s Unterbringung in der Psychiatrie aus.

Die Große Strafkammer unter Vorsitz von Markus Reznik folgte den Anträgen. "Wir können ihn in seinem derzeitigen Zustand nicht auf die Allgemeinheit loslassen", erklärte der Vorsitzende Richter. Er machte deutlich, welch große Verunsicherung V.s Taten. im vergangenen Jahr ausgelöst hatten. Auf die Frage des Angeklagten, wie lange er in Psychiatrie bleiben muss, antwortete Reznik: "Das hängt nicht zuletzt von Ihnen ab."



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