Bamberg
Ermittlungen

Bamberger Kirchen-Randalierer: Die kuriosen Umstände der Festnahme

Vergangene Woche hatte ein Randalierer in sechs Gotteshäusern gewütet. Nun hat die Polizei einen Mann gefasst. Eine wichtige Rolle spielte dessen Rucksack.
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Dieses Kreuz in der Mittelstraße in Bamberg soll der Verdächtige bespuckt haben. Dabei fotografierte ihn ein aufmerksamer Zeuge. Foto: Ronald Rinklef
Dieses Kreuz in der Mittelstraße in Bamberg soll der Verdächtige bespuckt haben. Dabei fotografierte ihn ein aufmerksamer Zeuge. Foto: Ronald Rinklef
Der Zeuge hat alles richtig gemacht und lieferte der Polizei einen wichtigen Hinweis: Es war ein Mitglied aus der Kirchengemeinde von St. Otto, dem vor etwas über zwei Wochen eine Situation merkwürdig vorkam: "Er half seiner Frau beim Austeilen von Prospekten, als er in der Mittelstraße etwas beobachtete", berichtet Pfarrer Marcus Wolf über den Mann aus seiner Gemeinde.
Diesem sei Folgendes aufgefallen: In der Mittelstraße, nahe dem Kloster Heilig-Grab, bespuckte ein junger Mann ein Kreuz im Außenbereich. Der Beobachter sprach den Unbekannten darauf an, bekam jedoch nur Beschimpfungen und Ignoranz statt einer Antwort zurück.
Doch der Zeuge hatte bereits vorher ein Foto von dem "Spucker" gemacht. Eine Weitsicht, die der Polizei bei ihren Ermittlungen von großem Nutzen war. Denn am Montag stellte sich heraus: Es war wohl der Mann auf dem Foto, der vergangene Woche von Mittwoch bis Freitag erheblichen Schaden in zwischenzeitlich sechs Bamberger Kirchen angerichtet hatte.


Hohen Schader verursacht

In der Heilig-Grab-Kirche soll der mutmaßliche Täter eine Josefsfigur vom Sockel gestoßen, die Scheibe eines Schaukastens eingeworfen und ein großes Holzkreuz von der Wand gerissen haben. In St. Otto soll er ebenfalls zwei Heiligenfiguren zu Boden gestoßen haben, außerdem ein Seitenfenster der Kirche St. Kunigund mit einem Stein zerstört haben. Ihm wird weiter vorgeworfen, in St. Martin eine goldene Holzfigur beschädigt zu haben und schließlich in der evangelischen Erlöserkirche ein religiöses Bild auf den Boden geschmettert zu haben, so dass die Scheibe zu Bruch ging. Geschätzter Sachschaden bis zu diesem Zeitpunkt: Etwa 20 000 Euro.
Und Christian Heyd, Sprecher der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt, hat weitere Informationen: Noch am Freitag kam es zu einem weiteren Vorfall, als in der Institutskirche am Holzmarkt zwei Holzkreuze im Wert von etwa 5000 Euro gestohlen wurden. Ein Bamberger Antiquitätenhändler meldete später der Polizei, dass ihm zwei solche Exemplare zum Kauf angeboten worden seien.


Solidarität ausgesprochen

Die Verwüstung in den Kirchen beschäftigte viele Bamberger sowohl im Stadtgespräch, als auch in Diskussionen im Internet. Mancher Funktionsträger verurteilte ebenfalls die Vorfälle öffentlich. Die Redaktion erreichte zudem ein Schreiben der Israelitischen Kultusgemeinde, die sich "betroffen bezüglich der mutwilligen Beschädigungen (...) in den Bamberger Kirchen" zeigte. "Wer sich an Heiligenfiguren, Bildern und anderem Kircheninventar in frevelhafter Weise vergreift und Gotteshäuser verwüstet, greift nicht nur Christen an, sondern alle Religionsgemeinschaften und die Gesellschaft. Die betroffenen Pfarreien haben unsere Solidarität", heißt es in dem Schriftstück.
Besonders hohen Schaden entstand in den Gotteshäusern, für die Pfarrer Marcus Wolf unter anderem zuständig ist - St. Otto und die Heilig-Grab-Kirche. Er hatte diese sowie weitere Kirchen tagsüber zusperren und nur noch für die Gottesdienste öffnen lassen. Ein Schritt, der ihm schwer fiel. "Nun freue ich mich für die Menschen, dass wir die Kirchen wieder öffnen können", sagte er.
Möglich ist das, weil der mutmaßliche Täter gefasst ist: Am Freitag wurde die Polizei zu einem räuberischen Diebstahl in einen Einkaufsmarkt in der Langen Straße gerufen. "Der Tatverdächtige hatte dabei einem Angestellten des Marktes ins Gesicht geschlagen und anschließend die Flucht ergriffen. Seinen Rucksack mit den gestohlenen Waren ließ er am Tatort zurück", erläuterte Polizeisprecher Heyd.
Dieser Rucksack war von Bedeutung: Die Polizei stellte fest, dass es das gleiche Modell ist, den der Kreuz-Bespucker auf dem anfangs erwähnten Foto trug. Praktischerweise fand die Polizei auch den Pass des Verdächtigen in seinem Rucksack.
Den wollte der Mann gerne zurückhaben, so dass er unerwartet bei der Polizei in der Schildstraße auftauchte. Da nahmen ihn die Beamten direkt fest. Der 25-Jährige aus Bamberg hat die Straftaten, bis auf eine Schmiererei an einer Schautafel der Martinskirche, schließlich zugegeben. Gegen ihn wurde Haftbefehl, unter anderem wegen mehrerer Fälle der gemeinschädlichen Sachbeschädigung sowie des Diebstahls im besonders schweren Fall, erlassen. Der Beschuldigte sitzt bereits in U-Haft. Über das genaue Motiv des Mannes ist noch nichts bekannt.
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