Bamberg

JVA Bamberg: Justizangestellter soll Häftlinge zu Prügelattacke angestiftet haben

Ein Justizangestellter steht in Bamberg vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, er habe Häftlinge zu Gewalt gegenüber einem Mithäftling angestiftet.
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Ein JVA-Angestellter soll einen Häftling dazu angestiftet haben, einen anderen Häftling zu verprügeln. So lautet die Anklage im Prozess gegen den Justizangestellten.Symbolfoto: Polizei
Ein JVA-Angestellter soll einen Häftling dazu angestiftet haben, einen anderen Häftling zu verprügeln. So lautet die Anklage im Prozess gegen den Justizangestellten.Symbolfoto: Polizei

Es wird eng für einen Justizvollzugsbeamten, der unter dem Verdacht steht, einen Gefangenen in der JVA Bamberg dazu angestiftet zu haben, einen anderen zu verprügeln. Als Lohn sollte eine Ration Tabak winken.

Körperverletzung im Amt: JVA-Beamtem droht Freiheitsstrafe

Nach zwei Verhandlungstagen ließ Staatsanwalt Martin Barnickel durchblicken, dass er die Vorwürfe für bewiesen hält. Dem Beamten droht bei einer Verurteilung wegen Körperverletzung im Amt eine mindestens sechsmonatige Freiheitsstrafe. Damit wäre seine berufliche Laufbahn hinter Gittern abrupt beendet.

Es ist Mitte Juni in der JVA Bamberg. Ein 21-jähriger Iraner wird in die U-Haft eingeliefert. Er steht unter dem Verdacht, nur kurz zuvor ein 14-jähriges Mädchen im Aufzug an der Kettenbrücke sexuell belästigt zu haben. Der mutmaßliche Sexualstraftäter kommt in eine eigene Zelle, wird von den anderen Häftlingen isoliert. Ihm wird nahegelegt, sich eine Geschichte auszudenken, warum er hier ist. Am besten sei etwas mit Körperverletzung, da werde wenig nachgefragt.

Es dauert aber nicht lange, bis sich herumspricht, warum der junge Mann wirklich einsitzt. Das macht ihn bei seinen Nachbarn nicht wirklich sympathisch. Was dann kommt, das erklärten mehrere Zeugen der Strafrichterin Magdalena Becker.

Häftling wird verprügelt: Schreie auf dem Gang der JVA zu hören - doch Hilfe kommt keine

Eines Nachmittags sind vier "Hausarbeiter" im Zellenbau 2 unterwegs. Sie sind besondere Gefangene, die in der JVA arbeiten und sich deshalb frei bewegen können - auch wenn ihre Mithäftlinge schon längst wieder in ihren Zellen eingeschlossen sind. Sie kommen daher auch in den Bereich, in dem sich der mutmaßliche Sexualstraftäter befindet. Dort betritt einer von ihnen den Haftraum. Er sitzt wegen Körperverletzung in Bamberg ein. Es dauert nur wenige Sekunden. Dann hört man Schreie auf dem Gang. Offenbar wird der 21-jährige Iraner geschlagen. Hilfe kommt aber keine.

Dafür passen drei Hausarbeiter auf dem Gang auf, dass niemand die Aktion stört. Vor Richterin Becker werden zwei von ihnen sich nicht erinnern können oder wollen, weil gegen sie selbst noch ein Verfahren wegen Beihilfe zur Körperverletzung läuft. Einer wusste immerhin noch, dass der Angeklagte Tage nach der Tat zu ihm gekommen sei und ihn aufgefordert habe, nichts mehr zu wissen.

Nicht aus dem Nichts

Nun soll diese Körperverletzung nicht aus dem Nichts gekommen sein. Ein anderer Insasse berichtet der Polizei, dass der Angeklagte bei einer Essensausgabe zwei Stunden zuvor geäußert haben soll: "Wenn der Iraner ein blaues Auge hätte, würde ihm das nicht schaden."

An anderer Stelle ist die Rede davon, er könne solche nicht leiden. "Ein paar auf die Schnauze oder eine Abreibung" wären gut. Als Belohnung solle es eine Packung Tabak geben, die Ersatzwährung im Knast, wie ein Kollege des Angeklagten erklärt. Den borgt sich der Angeklagte aus dem Kontingent, das den Gefangenen vorbehalten ist. Ein grober Verstoß gegen die Vorschriften, wie ein Arbeitskollege feststellte.

Was Staatsanwalt Barnickel auffiel: Keiner der Zeugen, der den JVA-Beamten belastet, hat ein Motiv, den Gefängniswärter zu beschuldigen. Der Angeklagte selbst schildert das Verhältnis als "tadellos".

Man sei auf die Hausarbeiter angewiesen, nicht nur wegen der Arbeit, sondern weil diese "unsere Augen und Ohren sind", damit man erfahre, was unter der Oberfläche los sei. Dabei fiel der Angeklagte einige Wochen zuvor auf, als er von einem Insassen der Nötigung beschuldigt wurde.

"Solche Vorwürfe kommen häufig vor," so Anstaltsleiter Ulrich Mann. Oft gehe es um Beleidigungen oder Körperverletzung.

In besagtem Fall soll der Angeklagte einem der 180 "Gäste" gedroht haben, ihm mit dem Schlüssel auf die Finger zu schlagen, falls dieser die Zellentür noch einmal anfasse. Das Verfahren wurde aber eingestellt.

Der Angeklagte, seit 18 Jahren im Dienst, bestritt sämtliche Vorwürfe. "Ich habe zu keinem Zeitpunkt irgendjemandem den Auftrag gegeben, dass sie ihn hauen sollen." Als das Gespräch am Kostwagen stattgefunden haben solle, sei er zur Mittagspause im Schlenkerla gewesen. Er könne sich nicht erklären, warum die Strafgefangenen so etwas behaupteten.

Der Prozess wird am kommenden Montag ab 9 Uhr fortgesetzt. Dann ist wohl auch mit einem Urteil zu rechnen.

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