Bamberg
Neugründung

Bamberger Hauptsmoorwald-Initiative holt sich Tipps von Radentscheid-Initiatoren

Die neue Bürgerinitiative wird ein Bürgerbegehren gegen den Gewerbepark Geisfelder Straße unterstützen. Tipps gibt es von den Radentscheid-Initiatoren.
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Wald auf Bunkern gibt es auf dem früheren Muna-Gelände. Die neue Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald"lehnt ein dort geplantes Gewerbegebiet ab. Foto: Martin Bücker
Wald auf Bunkern gibt es auf dem früheren Muna-Gelände. Die neue Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald"lehnt ein dort geplantes Gewerbegebiet ab. Foto: Martin Bücker
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Es sind zum großen Teil Bewohner von Bamberg-Ost und Naturschützer, die sich am Dienstagabend in der MTV-Gaststätte versammelt haben, um die Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald" zu gründen. Per Handzeichen bekannten sich die gut 100 Teilnehmer zur Gründungspräambel mit den Zielen, den Hauptsmoorwald als wertvollen Freizeit- und Naherholungsraum zu erhalten und zu entwickeln, alle Baumaßnahmen dort zu verhindern und die Regenerationsleistungen für Mensch, Umwelt und Klima zu bewahren.

"Wir wollen das gemeinsam in die Hand nehmen, um zu sagen, dass wir dagegen sind", sagte Mandy Baum aus dem Initiativkreis. Sie habe erst 2017 überhaupt von den Gewerbepark-Plänen erfahren und deshalb sei es ihr ein Anliegen gewesen, dass noch mehr Bamberger darüber informiert werden. "Es ist wichtig, dass wir uns als Bürgerinnen und Bürger zusammenfinden", sagt ihr Mitstreiter Björn Scharf und weist auf die "überparteiliche, unabhängige und basisdemokratische Organisation" der neuen Initiative hin.

Vor dem offiziellen Gründungsakt wies Diplom-Biologe Martin Bücker auf besonders schützenswerte Bereiche im geplanten Gewerbepark hin und äußerte erhebliche Zweifel am Anteil der angeblich bereits versiegelten Flächen. Schon im Luftbild sehe das Muna-Gelände weitestgehend bewaldet aus. Er habe sich persönlich ein Bild machen können und gehe von einem Versiegelungsanteil von vielleicht fünf bis zehn Prozent aus. Die naturnahen Wälder dort würden außerdem überhaupt nicht bewertet und seien doch "überaus erhaltenswert". Es sei auch die Frage, ob man von versiegelten Flächen sprechen könne, wenn Bäume auf Bunkern und anderen Anlagen wachsen, wie man es auf dem Muna-Gelände sieht. An den neuen Plänen fällt Bücker auch auf, dass "bestehende Landschafts- und Wasserschutzgebiete einfach mit reingenommen und als Ausgleichsflächen gewertet wurden". Bislang kaum thematisiert worden sei auch der sogenannte Baumfallabstand von 25 bis 30 Meter zum künftigen Gewerbegebiet, dafür würden weitere Rodungen fällig.

Volker Braun erläuterte eine Petition an den bayerischen Landtag und die Staatsregierung, die den "Bau einer Polizeiinspektion ohne Waldvernichtung" fordert. Braun ist selbst bei der Bamberger Kriminalpolizei tätig und erkennt dort dringenden Bedarf für eine Erweiterung oder einen Neubau. "Ich möchte aber nicht in einem Gebäude arbeiten, für das Wald gerodet wird", sagt Braun und fordert die Suche nach Alternativen. In diese Richtung geht auch die Petition, die bereits von vielen Teilnehmern der Gründungsveranstaltung unterzeichnet wurde.

Die neue Bürgerinitiative wird auch von den Radentscheid-Verantwortlichen unterstützt. Christian Hader und Jonas Glüsenkamp plauderten bei der Gründungsveranstaltung aus dem Nähkästchen und gaben Tipps, wie man ein erfolgreiches Bürgerbegehren auf die Beine stellt, Unterstützer und Spenden sammelt, Kampagnen vorbereitet und auf sich aufmerksam macht. "Wenn ich mir die Menge an Leuten hier anschaue, werdet ihr noch erfolgreicher sein als der Radentscheid", stellte Hader fest.

Björn Scharf dankte den Radentscheid-Verantwortlichen und erklärte: "Wir machen uns jetzt gemeinsam auf den Weg und nehmen jede Unterstützung an, die wir bekommen können."

Die Stadt Bamberg nimmt zunächst keine Stellung zur Gründung der Bürgerinitiative. Laut Steffen Schützwohl von der städtischen Pressestelle "ist und bleibt es aber das Ziel der Stadt Bamberg, auf den Flächen der ehemaligen Muna und dem Schießplatz ein Gewerbegebiet zu entwickeln und gleichzeitig den Naturschutz voranzutreiben. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt, lässt sich auf diesen Flächen gut vereinbaren. Zudem benötigt die Stadt Bamberg schnellstmöglich neue Gewerbeflächen - nicht nur zur Neuansiedlung von Gewerbe, sondern auch zur Erweiterung vorhandener Betriebe."

Interview mit den Initiatoren der Bürgerinitiative

Was kann die neue Bürgerinitiative bewegen?

Björn Scharf: Bürgerinitiativen entstehen, wenn bei staatlichen oder kommunalen Planungen die Bedürfnisse der Bevölkerung verkannt oder ignoriert werden. Dies ist in Bamberg offensichtlich nach Einschätzung vieler Menschen der Fall und motiviert dazu sich zusammenzuschließen und sich aktiv an der politischen Willensbildung mitzuwirken. Wir sehen uns als Plattform, auf der die Anliegen der Menschen in Bamberg ernstgenommen werden, der Bürgerprotest gebündelt wird und über verschiedene Aktionen deutlich zum Ausdruck kommt. Nach unserem Demokratieverständnis können wir damit auch etwas bewegen und letztlich den Hauptsmoorwald erhalten für uns und zukünftige Generationen.

Wer kann sich ihr anschließen?

Stefan Kurz: Anschließen können sich der Bürgerinitiative alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bamberg und der Umgebung, die den Hauptsmoorwald schätzen und erhalten wollen wie er ist, denen Gesundheit und Lebensqualität ein Anliegen ist und die Umwelt- und Klimaschutz höher bewerten als wirtschaftliche Interessen oder billige Lösungen für staatliche Projekte. Davon abgesehen verstehen wir uns als unabhängig und überparteilich, aber politisch interessiert und motiviert uns basisdemokratisch in Entscheidungsprozesse einzubringen.

Hat Sie der Andrang auf der Gründungsveranstaltung überrascht?

Mandy Baum: Ja. Wir haben auf großes Interesse gehofft und sind sehr erfreut wie viele Menschen unserer Einladung gefolgt sind. Es ist ein unglaublicher Motivationsschub und hat uns in unserem Vorhaben bestätigt. Auf eine öffentliche Bekanntgabe oder Einladung zur Gründungsversammlung haben wir aber bewusst verzichtet, da wir das Potential Menschen zu mobilisieren, um den Hauptsmoorwald zu schützen, grundsätzlich als sehr hoch einschätzen. Dafür wäre die gewählte Örtlichkeit einfach zu klein gewesen.

Sie lehnen das Gewerbegebiet Geisfelder Straße ab. Können Sie nicht auch die Position der Stadt nachvollziehen, die auf Gewerbesteuereinnahmen angewiesen ist und Raum für ansiedlungswillige Unternehmen schaffen möchte?

Volker Braun: Der Wunsch nach mehr Gewerbesteuereinnahmen ist in Ordnung, aber nicht auf Kosten von Mensch und Umwelt. Das Vorhaben für ein Industrie- und Gewerbegebiet intakten Mischwald zu roden und gewaltige Flächen zu versiegeln, ist Ausdruck einer Politik von vorgestern und ignoriert nicht nur die Notwendigkeit für Umwelt- und Klimaschutz sondern auch formulierte politische Zielsetzungen. Im Klimabündnis von Stadt und Landkreis heißt es z.B., dass es zwingend geboten ist die Bodenressourcen zu schützen und diesem Ziel auch höchste Priorität einzuräumen ist. Die Politik sollte sich um offensichtlichen Leerstand von vorhandenen Gewerbeflächen kümmern, anstatt Eingriffe in die grüne Lunge Bambergs vorzunehmen, deren Folgen überhaupt nicht absehbar sind.

Teilen Sie den Optimismus von Christian Hader, der Ihrem beabsichtigten Bürgerbegehren noch mehr Erfolg verspricht als dem Radentscheid?
Astrid Kohl-Zahner: Eine Gründungsversammlung mit 100 Teilnehmer/innen, die einstimmig die Gründungspräambel für die Bürgerinitiative verabschiedet hat und die Petition für den Bau einer Polizeistation ohne Waldvernichtung auf den Weg gebracht hat, stimmt uns sehr zuversichtlich. Außerdem gibt es bald 10.000 Unterzeichner der Onlinepetition "Hauptsmoorwald schützen! Kein Industriegebiet in Bamberg Ost!" sowie viele positive Reaktionen und vielfältige Unterstützungsangebote aus der Bevölkerung Bambergs. Ja, wir glauben die Chancen stehen gut und werden nun daran gehen ein breites Bündnis für das Bürgerbegehren auf die Beine zu stellen.


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