Bamberg
Handlungsbedarf

Bamberger Gymnasien: Zweckverband entscheidet über Generalsanierungen

Am Dientzenhofer-Gymnasium besteht großer Sanierungsbedarf, am Kaiser-Heinrich-Gymnasium auch.
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Das Dientzenhofer-Gymnasium soll als Nächstes mit einer Generalsanierung dran sein. Foto: Ronald Rinklef
Das Dientzenhofer-Gymnasium soll als Nächstes mit einer Generalsanierung dran sein. Foto: Ronald Rinklef
Es sind beachtlich dimensionierte Bauten auf Grundstücksflächen von 14 000 (Kaiser-Heinrich-Gymnasium) und 26 000 (Dientzenhofer-Gymnasium) Quadratmetern, doch beide sind sie mittlerweile sichtlich in die Jahre gekommen. Das zeigten auch zwei Gutachten, die der städtische Finanzreferent Bertram Felix in der jüngsten Sitzung des Kultursenats vorstellte. Freilich müssen die Entscheidungen, wie man dem angemessen begegnet, im Zweckverband Gymnasien getroffen werden, dem neben der Stadt auch der Landkreis Bamberg angehört. Entsprechend wollte Bürgermeister Christian Lange (CSU) auch die Frage, wo Generalsanierung und wo Neubau zweckmäßig wäre, auch nicht im Kultursenat diskutiert wissen. Aufgrund der Erfahrungen am Clavius-Gymnasium muss man laut Felix allein am Dientzenhofer-Gymnasium von einem Kostenvolumen von "35 bis 40 Millionen Euro plus x" ausgehen. "Das sind vier komplette Haushaltsjahre der Stadt Bamberg", sagt Felix.

1965 wurde das Dientzenhofer-Gymnasium (DG) bezogen, die damals üblichen Dämmungen sorgen für einen jährlichen Wärmeverlust von fast 74 Kilowattstunden pro Quadratmeter Fassade - laut Felix gäbe es hier ein Einsparpotenzial von 83 Prozent. Und auch beim acht Jahre jüngeren Kaiser-Heinrich-Gymnasium (KHG) könnte man durch effiziente Dämmung bis zu 75 Prozent Energie sparen.Der Blick auf die Fassaden zeigt bei beiden Gymnasien Putzrisse und Abplatzungen mit jeweils eindringender Feuchte. Das DG verfügt zwar über eine motorisierte Verschattungseinlage, es muss jedoch jeder Raum einzeln angesteuert werden - in den Räumen wird es trotzdem heiß. Auf dem Dach stellen die innenliegende Rinne und die zu dünnen Fallrohre laut Felix ein "grundlegendes Problem" dar. Die Kombination von verstopften Rohren und Starkregen sorgt gelegentlich für Wasser im Gebäude. An der Nordfassade haben Spechte Löcher in die Außendämmung geschlagen, in den Geräteräumen ohne Fensteraustausch bildet sich Schimmel. In den Turnhallen ist die Spielfeldgröße nicht mehr normgerecht, es fehlt ein Anprallschutz. Draußen gibt es an beiden Gymnasien auf den verbrauchten Oberbelägen so manche Stolperfalle, die Hofentwässerung ist jeweils defekt, ein Großteil der Haustechnik veraltet. Die Fugen an der Fassade des KHG seien mit polychlorierten Biphenylen (PCB) belastet, die Außenwandverkleidung weist deutlich sichtbare Schäden auf. Die Verschattungsanlage muss manuell mit einer Kurbel betrieben werden, es kommt zu einem unkontrollierten Aufheizen der Räume, die Anlage ist nicht gegen Sturm gesichert. Die Linoleum-Fußböden sind teilweise rissig, der Estrich beschädigt.

Was die bauliche Beurteilung angeht, vertraut Brigitte Cleary, die Leiterin des Dientzenhofer-Gymnasiums, auf den Zweckverband. "Wir haben ja immer wieder auf verschiedene Dinge hingewiesen und freuen uns, wenn nun bald eine Entscheidung getroffen wird." Ihre Schule werde gut in die Gespräche eingebunden. "Wir sind positiv gestimmt, dass es für uns eine gute Lösung geben wird." Der Unterrichtsbetrieb laufe gut, auch die Medien-Ausstattung sei nicht zu bemängeln. Derzeit setzt sich Cleary mit künftigen pädagogischen Konzepten auseinander, "die nicht nur für fünf Jahre Bestand haben". Dafür informiert sie sich in den Ferien auch an anderen neueren Gymnasien in Oberbayern und Schwaben.

"Die Schule als solches funktioniert ja gut", sagt auch KHG-Schulleiter Michael Strehler und verweist wie Cleary unter anderem auf die Computer-Ausstattung. Nur baulich habe sie sich seit 1973 nichts verändert. Die Grundsubstanz sei gut, aber es gebe schon einigen Erneuerungsbedarf "Das KHG wäre mit der Sanierung ja schon länger dran", sagt Strehler. Doch dann gab es nach dem CG zunächst am Franz-Ludwig-Gymnasium Handlungsbedarf. Nun sei man zumindest parallel zum DG an der Reihe. "Die Entscheidung überlasse ich dem Zweckverband", sagt Strehler zur Frage, ob eine Generalsanierung oder ein Neubau besser wäre. Freilich würde er gern den Standort behalten, denn "das ist auch das Berggebiet-Gymnasium, das gehört einfach hierher".

Was den Brandschutz angeht, wurde und wird derzeit an beiden Gymnasien viel verbessert, am DG geht es unter anderem um eine Verbesserung der Fluchtwege und frühzeitige Alarmierung, an Leitungsführung, Brandschutzabschottung, Blitzschutz und Erneuerung der Elektroinstallation müsse noch gearbeitet werden. Auch am KHG wird in den Sommerferien ein zweiter Fluchtweg hergestellt. Zugleich weist Finanzreferent Felix aber unter anderem auf das nicht-lösbare Problem hin, dass es am KHG keine Anfahrtsmöglichkeit für ein Drehleiterfahrzeug gebe.

Zum DG-Schulprofil gehört auch Inklusion, das Gymnasium wird von 40 Schülern mit Einschränkungen besucht. Allerdings gibt es nur über den Nebeneingang der Turnhalle einen barrierefreien Zugang, einen Aufzug nur in einem Bauteil. Aula, Bibliothek und weitere
Fachräume seien nicht rollstuhlgerecht erreichbar. Am KHG gibt es überhaupt keinen Aufzug, das Gebäude sei kaum für Rollstuhlfahrer zugänglich. "Ich hoffe, dass nach dieser Präsentation niemand mehr an der Notwendigkeit einer Generalsanierung zweifelt", sagte Bertram Felix zum Ende seiner Ausführungen.

Für die SPD-Stadtratsfraktion dankte Felix Holland dem Finanzreferenten für den "umfangreichen, aber erschreckenden Vortrag". Die Bemerkung des GAL-Fraktionssprechers Andreas Reuß, dass kein Gewerbepark mehr nötig sei, wenn man in allen öffentlichen Gebäuden so viel Energie einsparen könnte, sorgte für entsetzte Blicke einiger anderer Stadträte. Denn gerade auf die Notwendigkeit weiterer Gewerbesteuereinnahmen zur Finanzierung von Schulen und Sozialeinrichtungen hatten zuvor Dieter Weinsheimer (BA) und Martin Pöhner (FDP) hingewiesen.

Pöhner wies zugleich darauf hin, dass bei den notwendigen Sanierungen auch auf die pädagogischen Rahmenbedingungen geachtet werden müsse. Auch am KHG seien in absehbarer Zeit Investitionen nötig, nicht erst nach Abschluss der Arbeiten am DG, die zehn Jahre dauern könnten. "Bitte unser eigenes Eichendorff-Gymnasium nicht vergessen", ergänzte darauf Bürgermeister Lange. Ein Gesamtkonzept müsse eine Lösung für alle drei beinhalten. "Zugleich bin ich dem Zweckverband sehr dankbar, dass trotz der Überlegungen, ob es eine Generalsanierung oder einen Neubau geben wird, auch aktuell noch in die Schulen investiert wird", sagt Lange.

Über die bauliche Zukunft der Bamberger Gymnasien wird der Zweckverband in seiner nächsten Sitzung am 4. Oktober beraten. "Die Diskussion über die Gymnasien geht schon über Jahre und jetzt geht"s ans Eingemachte", sagt Landrat Johann Kalb (CSU). "Wir werden alle Möglichkeiten durchdenken, was spricht für Neubau, was für Generalsanierung, wie sieht die jeweilige Förderkulisse aus." Angesichts der im Raum stehenden Kosten sagt Kalb: "Ich glaube nicht, dass wir das günstig bekommen werden, aber die Investition in die Zukunft unserer Gymnasien sollte uns auch etwas wert sein."


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