Bamberg
Licht-Blicke

Bamberger Fotograf zeigt "bunte Vögel" vom Pfau bis zu Karl Lagerfeld

Jürgen Schabel hat schon einige Exoten abgebildet: Mode-Zar Lagerfeld, Alt-Kanzler Schröder und Promi-Koch Zacherl. Nun zeigt der Fotograf die gefiederten Stars des Bamberger Naturkundemuseums in ihrer exotischen Schönheit.
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Aus dem Bamberger Vogelsaal. Foto: Jürgen Schabel
Aus dem Bamberger Vogelsaal. Foto: Jürgen Schabel
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Diesen Augen entkommt man nicht. Zu Hunderten verfolgen sie uns - mal glasig-streng, dann wieder verklärt und entrückt. Bis ins Mark hinein durchbohrt dieser Blick und bewahrt davor, irgendwelche Dummheiten zu machen. Wir verkneifen uns selbst das Husten und gehen andächtig weiter. Bloß keine Unruhe in diese stille Welt bringen. Nicht dass sich die Bewohner beflügelt aufschwingen und davonmachen. Oder - noch schlimmer - über uns herfallen wie in einem Gruselfilm von Altmeister Alfred Hitchcock.

Aber nein. Die Vögel im Bamberger Naturkundemuseum sind staunende Betrachter seit Jahrhunderten gewöhnt. Dass ihnen jetzt aber ein Fotograf zu Leibe gerückt ist, um ihre ganze Schönheit in Großaufnahmen für ein Buch festzuhalten, ist freilich eine andere Dimension. Jürgen Schabel hat dafür nicht nur das Farbenspiel der Federkleider oder die exotischen Blicke eingefangen, sondern die unergründliche Poesie der Natur hinterfragt. "Ein gutes Bild ist wie ein nicht zu Ende formuliertes Geheimnis, in dem sich die Ereignisse der Gegenwart mit denen der Vergangenheit verknüpfen und eine neue Geschichte erzählen. Der Fotograf legt die Spur dazu", sagt Schabel.


"Der richtige Moment ist ein Geschenk"

Über 18 Monate hat sich der 52-Jährige, der in Bamberg lebt und in Nürnberg arbeitet, mit dem Projekt beschäftigt und das Museum zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten besucht, um auf das passende Licht zu warten. Er wollte die präparierten Tiere in dem Umfeld abbilden, das seit fürstbischöflichen Zeiten ihr "Lebensraum" ist, ohne dass das frühklassizistische Ambiente des legendären Saals von den Wundern der Natur ablenkt. Nur in Ausnahmefällen nahm er dabei Vögel aus den Vitrinen. Ansonsten fokussierte sich Schabel auf Details und ließ Spiegelungen, Sonnenlicht oder Schattenwürfen ihren natürlichen Lauf: "Der richtige Moment ist ein Geschenk."

Mit dem Ergebnis, dass man den Blauen Pfau und den Roten Paradiesvogel, den Singschwan und den Diamantfasan, die Schnee-Eule und den Wanderalbatros, aber auch einige Korallen, Äffchen, Nattern oder die Siamesischen Hauskatzen-Zwillinge so noch nicht gesehen hat. Fast liebevoll näherte sich der Fotograf seinen Modellen an: "Ihre Hüllen, aus denen das Leben längst gewichen ist, verweisen auf ein gewesenes Dasein, das wie Erinnerung in ihnen ruht", schreibt er im Geleitwort zum Buch "Der stille Blick".


Teufelshörner für Ralf Zacherl

Mit "bunten Vögeln" aus der überaus lebendigen Promi-Welt hat Jürgen Schabel, dessen Architektur-, Städte- und Landschaftsbilder in Büchern, Katalogen und Magazinen zu finden sind, bereits Erfahrung. BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken und Autor Roger Willemsen, Schauspieler Robert Stadlober und Talkmasterin Sandra Maischberger, Alt-Kanzler Gerhard Schröder, Komponistin Annie Gosfield und Künstler Markus Lüpertz - sie alle hatte Schabel bereits vor seiner Kamera.

Wenn alles nach Plan läuft, erlaubt er sich kleine Inszenierungen: Dann bekommt der Koch Ralf Zacherl ein paar Teufelshörner aus Peperoni verpasst oder Musiker Stefan Gwildis eine Art Heiligenschein. Und Karl Lagerfeld, den er auf einer Vernissage in Berlin traf? "Der inszeniert sich selbst", sinniert der Fotograf, der 1971 mit den Eltern von Siebenbürgen nach Nürnberg kam, wo er auch lebte, bis er vor sieben Jahren nach Bamberg zog.


Inspiration bei der "Donnerstagssuppe"

Sein Studio hat er aber nach wie vor in der Noris - in einer zum Atelier- und Galeriehaus umgebauten ehemaligen Pinselfabrik, wo kreative Köpfe vom Architekten über Maler und Lichtdesigner bis zur Goldschmiedin wirken. Einmal in der Woche kommt man zur "Donnerstagssuppe" zusammen und pflegt den künstlerischen Austausch. "Ich brauche Input und Inspiration", sagt der Fotograf, der auch häufig für die Universität Bamberg tätig ist und hier im nächsten Jahr das Foyer der Niederlassung in der Kapuzinerstraße mit Panoramabildern ausstatten wird. Zuvor erscheint Anfang 2015 aber noch eine Neuauflage des bibliophilen Buches "Aber so kommen Sie doch mit hinunter zum Fluss" mit Illustrationen zu Texten des Philosophen Reinhard Knodt aus Röthenbach/Pegnitz.

Werfen wir einen letzten Blick in den Bamberger Vogelsaal. Langsam setzt die Dämmerung ein. Der Fotograf und der Journalist, die Schulklassen und die Touristen machen sich auf den Weg zum Ausgang. Die Lichter verlöschen. Und doch hat man das Gefühl, als würden Hunderte von Augen den Besuchern nachblicken. Was für eine merkwürdige kleine Welt.


Zum Buch

Das Buch "Der stille Blick. Die traumhafte Welt des Bamberger Vogelsaals" mit Fotografien von Jürgen Schabel sowie Texten von Nora Gomringer, Matthias Mäuser und Jürgen Schabel wird von der Lyzeumstiftung Bamberg herausgegeben. Es umfasst 100 Seiten, kostet 15 Euro und ist im Museum und im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-00-046302-0).

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