Bamberg
Gottesdiensttest

Bamberger Dom: Eucharistie zwischen Papst- und Kaisergrab

Ein Besuch im Bamberger Dom. Den Kirchgängern bietet sich ein beeindruckendes Ambiente mit einem Papst- und einem Kaisergrab. Die Eucharistiefeier selbst war geprägt von Sachlichkeit.
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Foto: Michael Gründel
Foto: Michael Gründel

Das Urteil unseres Testers:

Der Besuch eines Gottesdienstes im Bamberger Dom, er ist sicher immer etwas Besonderes. Dafür sorgt allein schon das Ambiente, das einen zu begeistern vermag. Bei der Eucharistiefeier selbst fiel die eher nüchterne und sachliche Vorgehensweise der Protagonisten auf. Wer angesichts der eigentlich frohen Botschaft, die das Christentum zu verbreiten berufen ist, mit mehr Empathie gerechnet hatte, der wurde enttäuscht.

Einstieg:

Dompfarrer Markus Kohmann hatte Urlaub. Begrüßte deshalb die Gläubigen des 11.30- Uhr-Gottesdienstes im Bamberger Dom am letzten Sonntag der Sommerferien sonnengebräunt nach einem mehrwöchigen Urlaub recht launig zum Sonntagsgottesdienst. Geschätzt rund 300 Gläubige hatten sich zur Feier des Gottesdienstes eingefunden. Die Reihen waren ordentlich besetzt, drangvolle Enge herrschte nicht. Auffällig: Ein guter Teil der Gottesdienstbesucher bestand aus Touristen - erkenntlich an der Kleidung - und aus Gläubigen, die nicht zur Dompfarrei gehörten.

Musik

Klar, die Orgel des Bamberger Doms ist ein prachtvolles Instrument, und die Organisten, die in einer Bischofskirche das Instrument betätigen, verstehen ihr Handwerk. Sehr angenehm war, dass das Instrument in erster Linie zur Unterstützung des Gesangs der Gemeinde eingesetzt wurde. Und die sang auch recht ordentlich mit.

Lesungen

Die zwei Lesungen wurden von Laien vorgetragen und waren sehr gut verständlich. Die Texte stammten aus dem Buch der Weisheit und aus der Apostelgeschichte. Im Lukas-Evangelium ging es zentral um das Wort Jesu, dass nur der ein Jünger sein könne, der auch auf Besitz verzichtet.

Predigt

"Wer Vater und Mutter mehr liebt, kann nicht mein Jünger sein." Ein Satz aus dem Lukas-Evangelium, den der Dompfarrer gern aufgriff, und anhand des Beispiels dynastischer Überlegungen des Adels bei der Familienplanung hinterfragte. Weil da zum Beispiel die standesgemäße Heirat oft mehr im Vordergrund stünde als die Freiheit des Einzelnen. Darauf wolle Jesus hinweisen. Es gelte die eigene Freiheit mehr im Auge zu behalten und die Einengung der Persönlichkeit durch Angehörige oder Familie zu hinterfragen. Gerade mit Blick auf den Adel, offenbar ein Steckenpferd des Pfarrers, wäre das nötig. Weil "Geld nicht die Welt regiert, und Titel nicht das Wichtigste sind." Was zu sagen war, wurde im Verlauf von etwa sechs Minuten vorgetragen. Ideal, weil die Zuhörer so nicht überfordert wurden.

Kommunion

Die Kommunion wurde in Form einer Wandelkommunion gereicht, d.h. die Besucher verließen ihre Bänke, und nahmen die Hostie vor dem Altar in Empfang. Da es drei Ausgabestellen gab, ging alles recht zügig vonstatten.

Segen

Beim Segen orientierte sich der Pfarrer an der üblichen Form. Wohl um dem Abschluss des Gottesdienstes eine etwas persönlichere Note zu verleihen, betonte der Geistliche noch einmal sein besonderes Interesse an der Geschichte des Adels. Sollte der Erzbischof dereinst einmal seine Dienste nicht mehr benötigen, würde er sich auf dieses Steckenpferd konzentrieren. Angesichts der Personalsituation in der katholischen Kirche eine wohl weniger wahrscheinliche Entwicklung.

Ambiente

Was soll man angesichts eines über 800 Jahre alten sakralen Gebäudes mit dem Ausmaß des Bamberger Doms groß zum Ambiente schreiben? Wunderbar, einfach großartig. Das mag es noch am ehesten treffen. Zumal hier das einzige Papstgrab nördlich der Alpen zu bewundern ist, dazu das Grab von Kaiser Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde, den Bistumsheiligen. Ein Ambiente, das selbst dann Besucher anlockt, wenn der Glaube nicht unbedingt im Vordergrund steht. Weshalb sich vor und nach den Gottesdiensten regelrechte Touristenströme durch den Sakralbau wälzen. Über eine Million jedes Jahr sollen es sein. Immerhin wird darauf geachtet, dass sich dieses Publikum während der Gottesdienste nicht auf Besichtigungstour begibt.

Kirchenbänke

Das hölzerne Kirchengestühl, es tritt im Bamberger Dom etwas in den Hintergrund. Der Gottesdienstbesucher hat sowohl beim Sitzen als beim Knien ausreichend Platz. Schmerzhafte körperliche Erfahrungen müssen nicht gemacht werden. Im Übrigen beeindruckt das Gotteshaus selbst so sehr, dass eventuelle Unbequemlichkeiten in den Hintergrund rücken.

Sinne

Im Verlauf eines gewöhnlichen Gottesdienstes werden auch im Bamberger Dom nicht immer alle Sinne angesprochen. Es überwiegen die positiven optischen und akustischen Eindrücke, angefangen vom Läuten der Glocken über das dezente Orgelspiel bis hin zu kunsthistorischen Höhepunkten wie dem Bamberger Reiter oder dem Kaisergrab.

Warum ein Gottesdiensttest?

Wir wollen mit unserem Gottesdienst-Test die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädoyer für den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegen gewonnen haben. ang Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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