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Bamberger Berggebiet: Wer hier bauen will, muss gut betucht sein

Die Stadtwerke versilbern den Standort ihres nicht mehr benötigten Hochbehälters am Stephansberg. Vier Grundstücke lassen Millionenerlöse erwarten.
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In der Luftaufnahme erscheint das T-förmige Grundstück, um das es geht, perspektivisch verkürzt. Es sind gut 4600 Quadratmeter.  Foto: R. Rinklef
In der Luftaufnahme erscheint das T-förmige Grundstück, um das es geht, perspektivisch verkürzt. Es sind gut 4600 Quadratmeter. Foto: R. Rinklef
Es sind goldene Zeiten für Besitzer von Bauland und Flächen, die es werden können. Ganz besonders in Bamberg, wo frei bebaubare Grundstücke Mangelware sind, ganz besonders im begehrten Berggebiet.

Am Oberen Stephansberg tut sich jetzt wieder eine solche Lücke auf, die Millionen in die Kasse des Besitzers spülen dürfte.

Grund für den Wandel in einem traditionellen Villenumfeld ist das "Projekt Wasser 2025" der Stadtwerke. Mit der Fertigstellung des neuen Hochbehälters am Altenburghang stellte sich schon bald die Frage, was mit jenem Reservoir am Oberen Stephansberg passieren soll, aus dem jahrzehntelang das Wasser Richtung Altstadt floss.
Die Antwort liegt auf der Hand: Die Stadtwerke wollen die Fläche des nicht mehr benötigten Hochbehälters in ein kleines, aber feines Baugebiet umwandeln und im Bieterverfahren gegen Höchstgebot verkaufen.

Geplant sind vier Baurechte mit Grundstücksgrößen zwischen 550 und 1330 Quadratmetern. Beim Jakobsberg, wo der Grund eines zweiten Hochbehälters bereits im Bieterverfahren verkauft wurde, hat man auf diese Weise Höchstpreise erzielt, die weit über 500 Euro pro Quadratmeter liegen sollen.


Kein Mangel an Interessenten

Solche Dimensionen lassen die Kosten für ein großes Grundstück rasch auf über 500.000 Euro steigen. Dennoch werden sich die Stadtwerke aller Voraussicht nach nicht über einen Mangel an Interessenten beklagen müssen. Das Filetstück, eines der letzten größeren Freiflächen im Berggebiet, grenzt im Norden an den Oberen Stephansberg und im Süden an die Ludwigshöhe. Große Grundstücke und alter Baumbestand prägen das direkte Wohnumfeld.

Freilich: Im derzeit laufenden Bebauungsplanverfahren haben sich die Anlieger nicht gerade begeistert über die Aussichten gezeigt, die sich ihnen bald bieten könnten. Die neuen Häuser, die ursprünglich auf dem Hochbehälter errichtet werden sollten, würden einen künstlichen Hügel weiter erhöhen und die Nachbarschaft deutlich überragen, argumentierten sie. Hier werde das Einfügungsgebot sträflich umgangen.

Die Einwürfe hatten Erfolg: Mittlerweile haben die Planer beschlossen, den Hochbehälter analog zum Vorgehen am Jakobsberg nun doch abzubrechen. Auf diese Weise wird das Grundstück um bis zu 3,80 Meter tiefer gelegt. Es toleriert gewissermaßen die Oberhoheit der benachbarten Ludwigshöhe.
Den Fraktionen gefiel die Änderung. "Die Planung ist jetzt so dezent, der Abstand zur Ringsumbebauung so groß, dass sich keiner mehr beschweren kann", lautete das Fazit, das Franz-Wilhelm Heller (CSU) zog. Von maßvollen Dimensionen, "die in die Landschaft passen", sprach Heinz Kuntke (SPD).


Wie und wo OBs in Bamberg bauen

An die Beliebtheit des Berggebiets bei Bambergs Oberbürgermeistern erinnerte BA-Stadtrat und Alt-OB Herbert Lauer: "Mathieu baute auf 308 Metern über dem Meer, Röhner auf 318, ich auf 308, Starke liegt unter 300 Metern. Das heißt aber nicht, dass es abwärts geht."


Kommentar des Autors


Baugebiet für Millionäre

Wer will sich darüber beschweren, dass begehrte Grundstücke gegen Höchstgebot verkauft werden? Das Verfahren schließt Vergünstigungen aus und sorgt dafür, dass öffentliches Eigentum nicht verschleudert wird.

Ein ungutes Gefühl hinterlässt der Blick auf den Bamberger Immobilienmarkt gleichwohl. Die einstige Traumstadt der Deutschen droht zur Spielwiese für Vermögende zu werden oder zumindest zum Liebling der Besserverdiener. Beflügelt durch die Niedrigzinspolitik der EZB galoppieren Bau- und Mietpreise davon, die große Masse der Normalbürger hat das Nachsehen.

Noch fehlt jede wirksame Antwort auf das bundesweite Problem. Immer weniger Menschen können Wohneigentum erwerben und damit die erwünschte Altersabsicherung betreiben.

Besonders hart sind Städte wie Bamberg getroffen. Hier hat sich der Mangel an bezahlbarem Wohnraum seit Jahrzehnten ungebremst aufgebaut. Daran hat auch die "Jahrhundertchance Konversion" nichts ändern können.
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