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Bamberg zaubert: Was landet im Hut?

Ein Wochenende, zig Shows kostenlos - Hutgeld erwünscht. Doch wie viel "Gage" zahlen die Zuschauer tatsächlich? Wir haben vier Shows nach Hutgeld bewertet.
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Weil die Künstler nicht vom Veranstalter bezahlt werden, sind sie auf das Hutgeld angewiesen. Foto: Barbar Herbst
Weil die Künstler nicht vom Veranstalter bezahlt werden, sind sie auf das Hutgeld angewiesen. Foto: Barbar Herbst
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"This is my job", hallt es durch die Austraße. Es ist ihr Beruf. Straßenkunst, das Spiel mit dem Feuer, das Hervorzaubern von Karten, das Hinaufschleudern eines Hutes. Für etwa zwei Minuten seiner Show schleppt "Bombinoff" ein Mikrofon von Auftrittsfläche zu Auftrittsfläche. Springt mit einem letzten "Heppa" noch einmal auf seine Holzkiste und erklärt mit viel Witz die Ernsthaftigkeit seiner Existenzgrundlage: "This is my job." Wer Freude beim Zuschauen hatte, möge etwas in den Hut werfen. Münzen, das würde ihn freuen. Scheine, das würde ihn noch mehr freuen.

Egal wie unterschiedlich die Auftritte sind, diese eine Botschaft packen sie alle mit in ihre Show - mal bedienen sie sich purer Komik wie das Duo "Leonardo und Mirilla", mal treiben sie das Hutgeld mit trockenem Humor ein. "Wenn Ihnen die Show gefallen hat, werfen Sie ein paar Münzen in meinen Hut. Wenn Ihnen die Show nicht gefallen hat, werfen Sie einen 50-Euro-Schein hinein", sagt Jay Rawlings: "Dann bin ich sofort weg."

Wie viel ist eine Show wert?

Gerade erst am Anfang seiner Show ist der Luxemburger Christian Lavey. Noch sieben Minuten bis zum Auftritt. Noch fehlt das Publikum. Der Luxemburger überlässt kurzerhand einem Mädchen die Bühne und sein Mikrofon. Sie soll Witze erzählen. Wenig später wird ihre Schwester zur Assistentin befördert. Hermine und ihre Familie erleben spontan am Sonntagvormittag eine ganz besondere Show. Ebenso spontan fällt ihr Hutgeld aus. Jede Tochter bekommt eine Münze, mal einen Euro, mal 50 Cent, manchmal auch ein Zwei-Euro-Stück. "Bis der Geldbeutel wieder leer ist", erklärt der Familienvater. Das laufe bei jeder Show gleich ab, eine Zahlung nach Begeisterung nimmt die Familie nicht vor. "Aber wenn man so darüber nachdenkt, dass manche ja auch zu zweit oder dritt sind und ganz andere Betriebskosten schon allein durch ihre Requisiten haben", da hinterfrage er schon manchmal, ob es noch ein bisschen mehr gibt, erklärt der Vater von Hermine.

Das Hutgeld fällt so unterschiedlich wie die Menschen selbst aus. Die einen stehen mit nahezu versteinerter Miene im Publikum, verkreuzen vielversprechend die Arme, wenn der nächste Freiwillige gesucht wird. Genau sie verlassen ihren Platz in der ersten Reihe sicherheitshalber ein paar Minuten vor Showende, um dem Hutgeld-Konflikt zu entgehen. Die anderen lassen sich beim Vorbeilaufen von der Menge ködern und müssen auch noch in der dritten oder vierten Reihe schmunzeln, obwohl sie zwar hören, aber eigentlich gar nicht mehr richtig sehen können, wie Jay Rawlings auf dem Boden mit einem Golfschläger auf dem Kinn wie ein Seehund aufheult. Auf die Frage, was sie in den Hut geworfen haben, antwortet ein Zuschauer verlegen: "Einen Euro." Aber: Sie seien erst gegen Ende gekommen und verdient wären auch noch ein paar Euro mehr gewesen.

Viele Faktoren

Nur eine Mischung dieser Beobachter macht es den Straßenkünstlern möglich, wahrlich davon sprechen zu können, dass ihre Acts nicht nur ihre Berufung, sondern auch ihr Beruf sind. Was letztlich im Hut landet, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab: Gibt es ausreichend Schattenplätze? Warten schon einige vor dem eigentlichen Beginn auf den Künstler und locken dadurch automatisch noch mehr Neugierige an? Ist der Künstler alleine und/oder mit vielen Requisiten unterwegs? Woher kommen sie angereist?

All solche Fragen und eine Bauchentscheidung - sowie der akute Kleingeldbestand in der Hostentasche oder im Geldbeutel - legen letztlich den Wert fest, den ein jeder bereit ist, für die Unterhaltung zu bezahlen. Dass es sich für einige Profis der internationalen Szene lohnt, in Bamberg zu spielen, das beweist ihr Wiederkommen. Festlegen, was ein faires Hutgeld ist, lässt sich nicht.

Was für jeden Künstler definitiv kostenlos ist: ihre Freiwilligen. Ohne sie wäre so mancher Straßenkünstler um einige komische Szenen ärmer. Die eher ungefragten Assistenten auf Zeit bekommen zwar selbst kein Hutgeld, dafür aber eine Erinnerung fürs Familienalbum - und dafür werfen sie letztlich sogar noch ein paar Euros mehr als sonst in den Hut.

Die Künstlerbewertungen finden Sie in den Bild-Texten.

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