LKR Bamberg
Zertifizierung

Bamberg wohl bald ein Fair-Trade-Landkreis

Der Landkreis sieht die Kriterien dafür erfüllt, dass er das Fair-Trade-Zertifikat erhält. Die Anträge werden gestellt.
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Baunachs Bürgermeister Ekkehard Hojer (CBB) ist sich ziemlich sicher: "Wir waren die erste Fair-Trade-Gemeinde." Hirschaids Marktgemeindeoberhaupt Klaus Homann (CSU) steckt mitten in den Vorbereitungen fürs Rathausfest, das ganz im Zeichen von Fair Trade begangen werden soll, denn da erhält die Marktgemeinde ihr Zertifikat. Und dann ist da noch Landkreischef Johann Kalb (CSU), der wohl auf die Zielgerade zum Fair-Trade-Landkreis eingebogen ist. Was bedeutet das? Dass auf kommunaler Ebene und möglichst breit gestreut das Bewusstseien dafür gestärkt wird, diejenigen gerechter zu entlohnen, die Waren und Produkte erzeugen und herstellen. Schon in vieler Munde und bekanntestes Produkt: Fair-Trade-Kaffee.

Der steht auch ganz oben auf der Fünf-Punkte-Liste der internationalen Kampagne von TransFair. Wer alle Forderungen erfüllt, erhält das Fair-Trade Zertifikat, das dann zwei Jahre gilt, ab da werden die Kriterien erneut überprüft.

In dieser Phase befindet sich Fair-Trade-Vorreiter Baunach, wie Stadtoberhaupt Hojer wissen lässt.

Alles, was in Baunach auf Stadtebene mit Fair Trade zusammenhängt, wird von Melanie Schmitt koordiniert. Stolz ist Hojer darauf, Geschäftsleute mitgenommen zu haben. So schwärmt er über die städtische Eisdiele, in der Fair-Trade-Eis angeboten wird. "Die haben Kaffee und Milch umgestellt."

Rathausbesuchern wird seit zwei Jahren nur noch fair gehandelter Kaffee offeriert, und wer eine Baunach-Tasche mitnimmt tut dies im Bewusstsein, Sachen in ein fair gehandeltes Produkt zu stecken.

Dauerhafte Verwurzelung

Baunachs Mittelschule, so freut sich Hojer weiter, ist auf dem Weg zur Fair-Trade-Schule. Dem Bürgermeister schweben immer mehr und weitere Projekte vor, die diese Idee in der Stadt und ihren Gemeindeteilen dauerhaft verwurzeln sollen.

Bürgermeister Klaus Homann (CSU) steht in Hirschaid mit dieser Bewusstseinsbildung noch am Anfang, gleichwohl macht er unmissverständlich klar: "Es ist mir ernst." Mit dem Gedanken, der dahinter steht, und mit der Philosophie. Es sei in der Marktgemeinde schon etliches initiiert worden, das in die gleiche Richtung geht, eben nur noch nicht unter der Deklarierung als Fair-Trade.

So hat Bürgermeister Homann ganz bewusst auch ein herausragendes Ereignis gewählt, mit dem er Fair-Trade in die Köpfe bringen möchte: Das beliebte Rathausfest, das heuer (21. Juli) ein noch besondereres ist, weil damit das 25-jährige Bestehen des Rathauses gefeiert wird. "Es geht um das Bewusstsein" , steht für Homann fest.

Wenn jemand mit etlichen Hundert Stichen einen Fußball fertige, dann gehöre das anständig bezahlt, meint er. Freilich ist es für ihn genauso Fair Trade, wenn man den heimischen Landwirten Produkte - zu fairen Preisen - abkauft.

Homann geht noch etliche Schritte weiter und hat "das große Ganze, das ebenso Regionale wie Nachhaltige" im Blick. Müllsammelaktionen gehören dazu, aber auch die Brotbox mit fairen, regionalen Produkten, oder die Weiterverwertung gebrauchter Handys. Homann freut sich jedenfalls, dass neben ihm weitere Bürgermeister, darunter auch "Nachbar" Michael Karmann aus Buttenheim, sich ebenfalls für ihre Kommune für das Fair-Trade-Zertifikat ins Zeug legen, ebenso der ganze Landkreis.

Der hatte bereits - als einen der geforderten fünf Zertifizierungspunkte - 2017 den Grundsatzbeschluss gefasst, Fair Trade Landkreis zu werden. (In ganz Bayern gibt es derer übrigens insgesamt fünf sowie 159 Fair-Trade-Kommunen.)

Steuerungsgruppe

Noch im gleichen Jahr wurde das zweite Kriterium erfüllt - eine Steuerungsgruppe. Gebildet aus Mitgliedern der Politik, Kirche, Einzelhandel, Schule, Kommunen und Vertretern des Landratsamtes. Sie setzt Schwerpunktthemen und gewährleistet den Informationsaustausch zwischen allen Beteiligten.

Ein Haken kann auch unter das dritte Kriterium gesetzt werden: Mindestens 25 Einzelhandelsgeschäfte und 13 Gastronomiebetriebe müssen faire Produkte anbieten beziehungsweise ausschenken. "Die schriftlichen Zusagen liegen der Verwaltung vor", erklärte die im Landratsamt für das Projekt Zuständige Nadja Kulpa-Goppert jüngst dem Kreisausschuss. Der vernahm, dass auch das vierte Kriterium erfüllt ist: Schulen, Vereine und Kirchen verwenden Fair-Trade-Produkte und führen Bildungsangebote zum Thema durch. Die Steigerwaldschule Ebrach ist seit 2015 Fair-Trade-Schule und hat viele Projekte umgesetzt. Von Vereinen und Kirchen liegen schriftliche Unterstützungszusagen vor.

Fünftens soll die Öffentlichkeit über die Aktivitäten Kenntnis bekommen.

Anträge werden gestellt

Der Kreisausschuss hat dem Kreistag empfohlen, an der Kampagne teilzunehmen, im Landratsbüro fairen Kaffee auszuschenken und ein weiteres faires Produkt anzubieten: Fair-Trade Produkte sollen auch bei öffentlichen Veranstaltungen angeboten werden. Die Verwaltung hat nun den Auftrag, die notwendigen Anträge zu stellen.

KOMMENTAR:

Nur der Anfang

Schön, dass sich Gemeinden und auch der Landkreis selbst dem Gedanken des fairen Handels verschreiben. Die geforderten Kriterien sind relativ leicht zu realisieren. Das dann verliehene Zertifikat darf dabei jedoch nicht einen Endpunkt markieren. Vielmehr soll er den Beginn eines andauerenden, grundsätzlichen und umfassenden Umdenkungsprozesses bilden.

Dabei darf gerne in Vernetzung gedacht und über die Urkunde im eigenen Rathaus hinaus gehandelt werden.

Trotz allen Respekts vor der Bewegung muss man wissen, dass man sich den Aufschlag für den fairen Preis auch leisten können muss. Und wer das kann, der muss es auch noch wirklich und dauerhaft wollen.

Dass Kommunen und Landkreis vorausgehen und Vorbild sein wollen, ist löblich. Aber für wirkliches Umdenken wird es einen sehr langen Atem und ein Vielfaches an Überzeugungskraft sowie eine enger definierte Strategie brauchen.

Dennoch: Gut, dass der Anfang gemacht wurde.

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