Bamberg
Lokalgeschichte

Bamberg: Wo Schneewittchen einst lebte - und starb

"Nun lag Schneewittchen lange, lange Zeit in dem Sarg" - so schreiben es die Gebrüder Grimm in ihrem Märchenbuch. Auch das historische Vorbild Schneewittchens ist schon lange tot. Ihr Grabstein aber ist nun wieder aufgetaucht.
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Domkapitular Norbert Jung mit dem Grabstein der Maria Sophia von Erthal, des historischen Vorbilds für  SchneewittchenErzbistum Bamberg
Domkapitular Norbert Jung mit dem Grabstein der Maria Sophia von Erthal, des historischen Vorbilds für SchneewittchenErzbistum Bamberg

Als Schneewittchen an dem vergifteten Apfel ihrer rachsüchtigen Stiefmutter starb, brachten es die sieben Zwerge nicht übers Herz, das schöne Mädchen zu begraben. Sie ließen einen Glassarg fertigen, legten das Mädchen hinein und schrieben mit goldenen Buchstaben darauf, dass Schneewittchen eine Königstochter sei. So steht es im Märchen der Gebrüder Grimm. Ob Maria Sophia von Erthal in einem gläsernen Sarg beerdigt wurde, ist mehr als fraglich. Immerhin bekam Schneewittchens historisches Vorbild einen eigenen Grabstein - und der ist nun wieder aufgetaucht.

Spuren des Lebens der Maria Sophia von Erthal in einem Bamberger Kloster finden sich wenige. Umso besser ist ihr Tod 1796 dokumentiert: Ihr Testament liegt im Stadtarchiv Bamberg, der Totenzettel in der Universitätsbibliothek Würzburg, und nun ist auch ihr Grabstein wieder da.

Er war lange verschollen und wurde vor Kurzem in einem geerbten Haus in Bamberg entdeckt. "Der Finder hat wahrscheinlich gegoogelt, dass der Grabstein dem historischen Vorbild von Schneewittchen gewidmet ist", sagt Domkapitular Norbert Jung vom Erzbistum Bamberg.

Dem Finder sei klar geworden, dass der Grabstein bedeutend ist. Er hat ihn dem Diözesanmuseum gespendet.

Im Diözesanmuseum wurde der Stein zunächst überprüft, gereinigt und restauriert. Nun ist er ausgestellt, etwas unscheinbar zwischen zwei großen Bogenfenstern. Eine dunkelgraue Marmorplatte in ovaler Form, ganz schlicht, nur ein paar winzige, weiße Sternchen sind als Verzierung eingeritzt. In dunkel unterlaufenen Großbuchstaben steht darauf geschrieben: "Die edle Heldinn des Christenthums: hier ruhet sie nach dem Siege des Glaubens reif zur verklärten Auferstehung."

Auslöser war ein

Wie verklärt das Leben der Adeligen aus Lohr am Main inzwischen wird, hat bei ihrer Beerdigung wohl keiner geahnt. Auslöser war ein Spiegel aus dem Jahr 1720, der jahrelang in einem Weinhaus der Stadt Lohr am Main hing. In einem Medaillon am oberen Rahmen des mit rotem Lack, Gold- und Silberfolie verzierten Spiegels steht in verschnörkelter Schrift: "Amour Propre", was so viel wie "Selbstliebe" bedeutet.

"Das erinnert natürlich an den Spiegel der selbstverliebten Stiefmutter von Schneewittchen", sagt Barbara Grimm, Leiterin des Spessartmuseums in Lohr am Main. Noch dazu sei im 18. Jahrhundert die Gravur von französischen Sprüchen besonders beliebt gewesen. Daher komme auch die Aussage vom "sprechenden Spiegel".

Bei einem Glas Wein unter dem Spiegel dachte sich schließlich 1986 der Lohrer Apotheker Karl Heinz Bartels das "Märchen vom Märchen" aus. Es passt zu gut. Denn zwischen dem Märchen von Schneewittchen und Maria Sophia von Erthals Leben in Franken gibt es einige Parallelen.

Maria Sophia wuchs nicht weit von Lohr am Main im Kurmainzischen Schloss in Tauberbischofsheim auf. Ihrem Vater unterstand eine Spiegelmanufaktur. Als Maria 18 Jahre alt war, heiratete er seine zweite Frau, die als herrschsüchtig und ungerecht galt.

Maria Sophias Heimat liegt im Spessart, einem "wilden Wald". Von dort führt der Höhenweg "Wieser Straße" über sieben Berge. In der Region arbeiteten früher Kleinwüchsige im Bergbau, als Schutz vor Steinschlag trugen sie kapuzenähnliche Gewänder. Den Glassarg und die eisernen Pantoffel deutete Bartels als Hinweis auf die Tradition der Glashütten und Eisenhämmer in der Region.

Schneewittchenstadt Lohr

Lohr am Main bezeichnet sich inzwischen als "Schneewittchenstadt" und wirbt damit um Touristen. Im Spessartmuseum können Besucher einen Blick in den berühmten Spiegel werfen.

Tatsächlich lebten die Gebrüder Grimm nur 70 Kilometer entfernt - und das auch noch fast zur gleichen Zeit wie Maria Sophia von Erthal. Theoretisch könnte Maria Sophia die Märchenerzähler also wirklich inspiriert haben.

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