Bamberg
Bürgerversammlung

Bamberg wird weiter wachsen

Nur mäßig besucht war die Zusammenkunft im Pfarrheim St. Otto. Der Oberbürgermeister präsentierte erreichte Ziele und kommende Bauprojekte.
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OB Starke und Vertreter der Stadt beantworteten die Fragen der Bürger. Foto: Andreas Thamm
OB Starke und Vertreter der Stadt beantworteten die Fragen der Bürger. Foto: Andreas Thamm

Die Bürgerversammlung ist eine Wanderveranstaltung. Vergangenes Jahr noch in der Wunderburg, findet sie in diesem in Bamberg Nord statt, im Pfarrheim St. Otto. Offenbar herrscht bei den Bewohnern dieses Stadtteils wenig Diskussionsbedarf mit Politik und Verwaltung, denn der Saal ist spärlich gefüllt. "Mehr Redner als Zuhörer", heißt es im Nachhinein.

Insgesamt neun Herren stehen für die Stadt an diesem Abend Rede und Antwort, darunter Finanzreferent Bertram Felix und Stadtwerke-Chef Michael Fiedeldey. Den größten Redeanteil hat aber Oberbürgermeister Andres Starke (SPD), der sich mit seinem Jahresbericht an die Gäste wendet. Darin freilich vor allem lobende Worte über die Arbeit im Jahr 2018 insbesondere bezüglich der verschiedenen Bauprojekte.

Starke freut es bekanntlich stets, wenn in Bamberg Kräne zu sehen sind. "Wir sind der Motor einer dynamischen und gesunden wirtschaftlichen Entwicklung", sagt er. Denn Kräne zählt man momentan etliche. Als Beispiel und eines der größten Bauprojekte nennt Starke den vierten Bettenturm des Klinikums.

Vor allem ist der Wandel der Stadt im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts weiterhin von der Konversion geprägt. Seit September ist die Stadt Eigentümerin der ehemaligen Offizierssiedlung. Hier soll in Form von 32 Doppelhaushälften und einem Einzelhaus bezahlbarer Wohnraum entstehen. Dank der Förderprogramme des Freistaats seien hier Kaltmieten von 7,50 Euro möglich. "Das sind", so Starke, "für eine Normalverdiener-Familie zweifellos erschwingliche Preise, die sich deutlich von anderen Wohngebieten unterscheiden." Der Kommentar ist auf das werdende Wohngebiet auf dem Megalith-Gelände gemünzt.

Weiterhin entstehen Wohnräume auf der Lagarde-Kaserne - Bezug voraussichtlich 2022 - , in der Gereuth sowie im Ulanenpark, wo mehr als 300 Menschen ein Zuhause finden sollen. Bamberg werde weiter wachsen, Stand jetzt spricht der Oberbürgermeister von 77 800 Einwohnern.

Das Muna-Gelände, Streitpunkt der vergangenen Wochen, hängt in den Planungen naturgemäß nach. Starke betont erneut, dass der Stadtrat das sehr eindeutige Votum der Bürgerschaft selbstverständlich akzeptieren werde. Nun müsse man gemeinsam an neuen Wegen arbeiten, das Gebiet nutzbar zu machen. "Ich habe in einem ersten Schritt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, als Eigentümerin der Fläche, nach Bamberg eingeladen, um zu klären, unter welchen Rahmenbedingungen ein Erwerb durch die Stadt erfolgen kann."

Weiterhin will sich die Stadt im Zuge der Digitalen Agenda für die Zukunft rüsten. Am Nachmittag hatte Starke bereits Interessierte durch das künftige Bürgerrathaus im ehemaligen Kreiswehrersatzamt geführt. Mehr und bessere Online-Zugänge zu Dienstleistungen der Verwaltung sollen die Wartezeiten vor Ort verringern.

Experimentierfreudig

Die Erwähnung der neuen E-Roller sorgt zwar für verhaltenes Kichern im Auditorium, Starke aber betont: "Das Projekt fand auch in überregionalen Medien Erwähnung. Bamberg ist die einzige Stadt in Deutschland, die so experimentierfreudig ist."

Fokus Bamberg Nord: Hier soll aus der ehemaligen Schlachthofgaststätte eine "künftige Zierde für Bamberg-Nord" werden. Starke spricht von einer gütlichen Einigung mit allen Bewohnern des Gebäudes. In der direkten Umgebung, Lichtenhaidestraße 46, plant die Stadt ein Mehrfamilienhaus mit 15 Wohnungen.

Dem Veranstaltungsort entsprechend haben auch die meisten Wortmeldungen einen Bamberg-Nord-Bezug. Michael Bäuerlein vom Steinmetzbetrieb Püls in der Gundelsheimer Straße vermisst ebendort nach einem Umbau der Lichtanlage die Parkverbotsschilder: "Es ist schon blöd, wenn wir jedes Mal die Polizei rufen müssen, um unser Gelände zu verlassen." Robert Schmidt vom Straßenverkehrsamt vermutet, man habe einfach vergessen, die wieder anzuschrauben. Das soll nachgeholt werden.

Jonas Glüsenkamp (GAL) weist auf das Problem der Laufzeitverlängerungen von Gräbern hin. Diese muss laut Friedhofssatzung immer mindestens 15 Jahre betragen, eine massive finanzielle Hürde für die Hinterbliebenen. Bürgermeister Christian Lange (CSU) erklärt, es habe einen Versuch gegeben, die Satzung in dieser Hinsicht zu ändern, was zu einem signifikanten Rückgang der Einnahmen geführt habe. Man wolle dem Problem zum einen durch soziale Ermäßigungen sowie die Möglichkeit eins Ansparmodells mit kleinen Raten begegnen.

Zuletzt formuliert Wolfgang Heim (CSU) die mit dem Bahnausbau verbundenen Befürchtungen: Wird Bamberg-Nord durch die Baustellen an den Unterführungen vom Rest der Stadt abgeschnitten? Müssen die Gärtner um ihren Zugang zum Wasser fürchten? Starke verspricht, man wolle den Kontakt nun, nachdem im März der ebenerdige Ausbau beschlossen wurde, nicht abreißen lassen. Im ersten Halbjahr werde es eine Informationsveranstaltung mit den beauftragten Fachleuten geben: "Da kommen dann all diese Fragen auf den Tisch."

Die auf zwei Stunden veranschlagte Veranstaltungen endet bereits nach einer. Mag sein, dass die Bamberger nach einem von Bahnausbau, Lagarde und Munagelände geprägten Jahr der Diskussionen müde geworden sind. Eine friedliche Weihnachtszeit kündigt sich an.



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