Bamberg

Bamberg nicht "typisch fränkisch"? Streit um neue die Landesausstellung

Enttäuschung in der Domstadt, Jubel in Ansbach: Die Landesausstellung 2022 wird in der mittelfränkischen Stadt ausgetragen. Und das obwohl die Idee dazu auf dem Engagement eines Oberfranken fußt. Der wurde offenbar vor den Kopf gestoßen.
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Zuletzt war Bamberg im Jahr 2002 Ausrichtungsort der bayerischen  Landesausstellung: Damals wurde zur Schau  "Kaiser Heinrich II."   ein  Museumsdorf  auf dem Domplatz aufgebaut,  das allerdings kurz vor Eröffnung in Flammen aufging.   Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Zuletzt war Bamberg im Jahr 2002 Ausrichtungsort der bayerischen Landesausstellung: Damals wurde zur Schau "Kaiser Heinrich II." ein Museumsdorf auf dem Domplatz aufgebaut, das allerdings kurz vor Eröffnung in Flammen aufging. Foto: Ronald Rinklef/Archiv

Als Franke freut sich Günter Dippold natürlich über eine Schau, die sich mit dem Franken-Sein beschäftigt. Doch dürfte auch klar sein, dass den Bezirksheimatpfleger für Oberfranken die Entscheidung, wo die bayerische Landesausstellung 2022 stattfindet, nicht unbedingt zu Jubelstürmen hinreißt: Denn nicht die oberfränkische Stadt Bamberg, sondern das mittelfränkische Ansbach hat das Rennen um die Austragung gemacht. Das wurde noch vor Weihnachten beschlossen.

"Die Stadt Ansbach überzeugte die Jury dabei vor allem mit der im 18. Jahrhundert errichteten Orangerie im Hofgarten der Residenz und weiteren Ausstellungsflächen", heißt es im Bericht aus der Kabinettssitzung des Ministerrats. Es sei die erste Ausstellung in der Region, Bamberg dagegen war bereits 2002 Schauplatz einer Landesausstellung. Im Topf war bis zuletzt auch noch Bad Windsheim (ebenso Mittelfranken).

In Bamberg herrscht Ernüchterung: "Glückwunsch an Ansbach, aber ich bin natürlich enttäuscht. Ich hätte mir gewünscht, dass die Entscheidung für Bamberg gefallen wäre", erklärt Kulturreferent Christian Lange (CSU). Die Stadt hatte sich im Juli 2018 beim Veranstalter, dem Haus der Bayerischen Geschichte, für die Ausstellung beworben.

Zuvor hatte Dippold den Kulturreferenten gefragt, ob Bamberg nicht Interesse an einer Ausrichtung habe. Die Idee zur Ausstellung mit dem Titel "Typisch fränkisch" stammt schließlich vor allem von Dippold, der auch als Professor an der Uni Bamberg doziert.

Seehofer gab Anstoß

Auslöser war eine Rede Dippolds am Tag der Franken in Hof im Jahr 2016. Er bemerkte darin belustigt, dass in Niederbayern und nicht in Franken der Tag des Reinheitsgebots gefeiert wurde. Der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU/Oberbayern) antwortete auf die fränkische Frotzelei, dass Dippold doch eine Landesausstellung über die Franken und ihren hintergründigen Humor konzipieren soll. Seehofer stellte die Idee also ganz auf den Oberfranken ab. Doch inzwischen ist mit Markus Söder (CSU/Mittelfranken) ein neuer Ministerpräsident am Ruder.

"Eine Ausstellung, die sich mit den fränkischen Stereotypen beschäftigt, hätte in Bamberg sicher andere Schwerpunkte gehabt als in Ansbach", sagt Dippold nach der Entscheidung. Schließlich seien es Orte mit unterschiedlichen Profilen, und das Konzept müsse dazu passen. In Bamberg wäre ein Teil die Bierkultur gewesen. Dem städtischen Kulturamt schwebte neben dem Hauptausstellungsort im Historischen Museum eine Schau-Brauerei in der Alten Hofhaltung vor. Der Stadtrat hatte die Bewerbung unterstützt. Nun spart sich die Stadt einen sechsstelligen Betrag für die Ausstellung.

Kulturreferent Lange blickt nach vorn: Zum einen soll auch ohne Landesausstellung das Historische Museum barrierefrei zugänglich werden. Außerdem "wollen wir jetzt alle Kraft auf das Kesselhaus verwenden". Denn dieses sei der Motor für eine generelle Neuaufstellung der Kulturräume. Lange setzt mehr denn je auf Unterstützung aus München und der Oberfrankenstiftung. Das Kesselhaus spiele schließlich im Museumsentwicklungsplan eine entscheidende Rolle.

Eine entscheidende Rolle bei der Wahl der Ausstellungsorte hat Dippold offenbar nicht gespielt. Er fragt sich, wie er als oberfränkischer Beamter nun eine Ausstellung in Mittelfranken unterstützen soll. Das könnte sich am Dienstag klären. Dann ist der Bezirksheimatpfleger bei Wissenschafts- und Kunstminister Bernd Sibler (CSU), der ihn zum Gespräch eingeladen hat.

Kommentar von Sebastian Martin: Bamberg hat was gut

Eine Landesausstellung in der Domstadt wäre eine tolle Gelegenheit gewesen, sich als Bamberger und Oberfranke mal den Spiegel vorzuhalten. Wie ticken wir eigentlich, und wie wurden wir zu dem, was wir sind? Nun dürfen sich die Mittelfranken mit den ur-fränkischen Eigenheiten beschäftigten. Das ist aus Bamberger Sicht schade. Vor allem ist an der Entscheidung nicht nachvollziehbar, dass dem Ideen- und Titelgeber am Ende nur noch die Statistenrolle zukommt. Schließlich wurde er vom damaligen Ministerpräsidenten höchst selbst dazu gebracht, die Ausstellung zu konzeptionieren. Der Bezirksheimatpfleger für Oberfranken hätte sich im eigenen Regierungsbezirk sicher leichter einbringen können. Und eine attraktive Stadt wie Bamberg hätte mit ihrer Strahlkraft auch der Ausstellung die nötige Aufmerksamkeit geschenkt.

Für Bamberg selbst ist die Absage zu verkraften, sicher noch besser allerdings, wenn aus München nun ein warmer Geldregen für das Kesselhaus folgt.

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