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Konsum

Bamberg: Kaum einer kauft beim Gärtner

Eine Studie der Uni Bamberg enthüllt: Zwar ist den Bürgern Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung wichtig, allerdings nutzen nur sehr wenige die Möglichkeit, direkt bei den Bamberger Gärtnern einzukaufen. Warum eigentlich?
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Tag der offenen Gärtnereien in Bamberg Foto: IG Bamberger Gärtner
Tag der offenen Gärtnereien in Bamberg Foto: IG Bamberger Gärtner
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Frische Lebensmittel aus der Region, kurze Transportwege, Nachhaltigkeit. Ideale, nach denen viele Menschen leben wollen - was in Bamberg recht gut möglich wäre, schließlich gibt es eine jahrhundertealte Gärtnertradition. "In Bamberg ist eine einmalige Struktur vorhanden", sagt Geografie-Professor Marc Redepenning von der Universität Bamberg. "Schade, dass sie kaum genutzt wird."

Saisonal nicht teurer

Denn nach einer von Redepenning und seinen Studierenden durchgeführten Befragung von 747 Teilnehmern (rund 50 Prozent davon aus der Stadt Bamberg) werden Regionalität und Nachhaltigkeit zwar als wichtig angesehen, doch erwerben sie ihre Lebensmittel nur zu 3,9 Prozent bei den Gärtnern vor Ort. Hauptsächlich wird im Supermarkt eingekauft (64,9 Prozent). Als häufigster Grund dafür werden hohe Preise genannt. "Das ist aber einfach falsch", meint Thomas Schmidt von der Interessengemeinschaft Bamberger Gärtner (IG), der die Studie kennt. "Wenn saisonal eingekauft wird, sind die Bamberger Gärtner eher günstiger - bei höherer Qualität. Von der Nachhaltigkeit ganz zu schweigen." Außerdem werde viel Fachwissen vermittelt. Laut Schmidt liegt die Fehlinformation am schier endlosen Werbeetat der Discounter, der dafür eingesetzt werde, den Kunden zu suggerieren, das dort alles günstiger sei. "Für die Gärtner ist es sehr schwer, dieser Dauerberieselung etwas entgegenzusetzen."

Am zweithäufigsten wurde Bequemlichkeit als Grund angegeben, warum die Befragten ihre Lebensmittel hauptsächlich im Supermarkt kaufen. Hier könne laut Schmidt die Stadt etwas tun, denn bei vielen Gärtnern sei es schwer, Parkplätze zu finden. "Aber der Kunde ist es gewohnt, mit dem Auto direkt vor den Markt zu fahren", sagt Schmidt. Gerade bei großen Garten-Centern. Und: Der Großteil der Bamberger Gärtner bietet Schnittblumen an - entgegen der Wahrnehmung. Obst und Gemüse wird immer seltener angebaut. Generell sinkt die Zahl Gärtner vor Ort, derzeit sind 19 Betriebe in der IG organisiert. "Die Zahl der aktiven Betriebe ist seit den 60er Jahren drastisch zurückgegangen", sagt Schmidt. Grund dafür sei zum Einen die enorme Arbeitsbelastung: "17-Stunden-Tage in der Hauptsaison sind keine Seltenheit", erklärt der IG-Sprecher. "Da wird es schwierig, den Nachwuchs zu begeistern." Dass viele Betriebe mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben, wird auch in der Studie festgestellt. Dazu kommen spezifische Bamberger Probleme: "Die Flächen sind kleinteilig. Das macht den Einsatz von Maschinen schwierig und wachsen können die Betriebe auch nicht", sagt Schmidt. Außerdem seien die Kosten für die Bewässerung sehr hoch, gerade im Rekordsommer 2018. Ein Mittel, zu überleben, ist laut Studie das Besetzen von Nieschen. Dadurch ist das Angebot in Bamberg sehr groß: Obst, Gemüse, Blumen, Tannenbäume, Weihnachtsgänse, Marmeladen, Liköre und Vieles mehr wird direkt in den Hofläden angeboten. Gärtner Heinrich Neubauer unterstützt zudem etwa den Selbsterntegarten von "Transition Bamberg".

Den Gärtnern wäre laut Schmidt schon sehr geholfen, wenn die Bürger das Angebot mehr wertschätzen und es nicht als selbstverständlich betrachten würden. Denn Nachhaltigkeit und Regionalität wird den Menschen immer wichtiger. "Ich habe kürzlich mit einer Delegation aus München gesprochen", sagt Schmidt. "Die haben gesagt, wenn sie dieses Angebot hätten, würden ihnen die Läden eingerannt werden."

Gärtnerin Bauer: "Das Leben mit der Natur entschädigt für die harte Arbeit"

Mitten im Wohngebiet am Hohen Kreuz in Bamberg werden Besucher, die auf den Hofladen von "Zimmers Obstgarten" kommen, von gackernden Hühnern und Gänsen begrüßt. Der Blick von oben über die Obstbaume und Beete am Hang bis über den Münchner Ring vervollständigt das Bild vom kleinen Naturidyll mitten in der Stadt.

Vor 26 Jahren hat die ehemalige Grundschullehrerin Claudia Bauer die Gärtnerei gepachtet. Namensgeber ist ihr Großvater. Ihr Wissen eignete sich Bauer als Kind an, als ihr Vater den Betrieb führte. Dann erweiterte sie ihre Kenntnisse mit Fachbüchern. Nun wird sie von ihren fünf Kindern unterstützt. Hauptsächlich von ihrer Tochter Sabine Bauer, die sich auch vorstellen kann, den Betrieb einmal zu übernehmen.

Viele neue Ideen

"Wir sind ein Frauenbetrieb, wir haben ständig neue Ideen", sagt Claudia Bauer. Deshalb würde viel erneuert und erweitert, "breit aufgestellt waren wir aber schon immer."

Das Hauptgeschäft ist der Obstanbau, vor allem Erdbeeren, und der Verkauf von Weihnachtsbäumen. Zusätzlich werden verschiedenes Saisongemüse, Marmeladen, Eier und auch Weihnachtsgänse angeboten. Davon könne die Familie recht gut leben. Auch wenn es harte Arbeit ist: "Im Sommer mussten wir heuer um 6.30 Uhr das erste Mal gießen", beschreibt Sabine Bauer einen typischen Arbeitstag zur Hauptsaison. Dann wird der Hofladen hergerichtet, danach gepflückt.

Um 18 Uhr schließt der Laden, dann musste wegen der Rekordtemperaturen noch einmal gegossen werden. Ein langwieriger Prozess, denn wegen der Hanglage können nur bedingt Maschinen eingesetzt werden.

So arbeiteten Mutter und Tochter oft bis Sonnenuntergang. "Das klingt jetzt so brutal", sagt Sabine Bauer. "Das war heuer auch brutal", ergänzt ihre Mutter. "Aber das Leben mit der Natur entschädigt für die harte Arbeit." Mutter und Tochter stecken viel Herzblut und Leidenschaft in ihre Arbeit. Wenn sie auf dem Feld stehe halte sie oft inne und denke sich: "Ja!", erzählt Claudia Bauer. Deshalb habe sie auch nie an ihrer Entscheidung gezweifelt. "Ich wollte mit meinen Kindern und mit der Natur arbeiten. Das ginge auch nicht anders." Sie meint, dass ihre Saisonprodukte nicht teurer seien als im Supermarkt. "Außerdem weiß man wo es herkommt, es ist unverpackt. Nachhaltiger kann man eigentlich nicht arbeiten."

Kundenstamm gewachsen

Die Ergebnisse der oben beschriebenen Studie fand sie teils erschreckend. Auch sie wünsche sich mehr Kunden, vielleicht auch etwas mehr Wertschätzung. Aber: "So schlimm ist es nicht. Wir haben heute eher mehr Kunden als früher", sagt Claudia Bauer.

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