Bamberg
Interview

"Bamberg ist ganz wichtig für uns"

Seit hundert Tagen ist Anja Scherbaum jetzt im Amt: Die Leiterin der Städtischen Volkshochschule hat viele Pläne. Dabei bleibt die Welterbestadt weiterhin ein zentrales Thema.
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Anja Scherbaum ist in der VHS Bamberg angekommen. Foto: RiegerPress
Anja Scherbaum ist in der VHS Bamberg angekommen. Foto: RiegerPress
Nachdem Martin Köhl sich letztes Jahr in den Ruhestand verabschiedet hat, wird die VHS Bamberg seitdem von einer Frau geleitet: Anja Scherbaum. Die zweifache Mutter und promovierte Kunsthistorikerin hat sich inzwischen an ihrem neuen Arbeitsplatz eingelebt und zieht im Gespräch mit unserer Zeitung eine erste Hundert-Tage-Bilanz.

Wie hat es Sie nach Bamberg verschlagen? Sie sind ja nicht erst durch ihre neue Stellung als VHS-Leiterin in die Domstadt gezogen.
Nach Bamberg hat mich zunächst mein Ehemann geführt, der hier in Bamberg studierte. Ich war damals Volontärin an den Berliner Museen. Irgendwann wurde mir das ständige Pendeln zwischen beiden Städten etwas lästig. Also zog ich nach Bamberg. Gearbeitet hatte ich aber zunächst in Schweinfurt und zuletzt in Nürnberg, immer als Kunsthistorikerin am Museum.

Ein Umzug nach Nürnberg kam aber für mich und meinen Mann nicht in Frage. Allerdings hatte ich immer wieder ein Auge auf die Stellenanzeigen in Bamberg geworfen und war sehr erfreut, als ich die Ausschreibung der städtischen VHS im Fränkischen Tag las. Zumal ich schon früher immer wieder Tagesexkursionen und Fahrten für die VHS organisiert hatte. Als ich dann den Zuschlag als Leiterin der VHS Bamberg bekam, war ich natürlich sehr froh.

Von der Museumsarbeit hin zur VHS. Wie groß war die Umstellung für Sie?
Es war sicherlich eine Umstellung. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich in den letzten elf Jahren in Nürnberg weniger als Kuratorin und Wissenschaftlerin gearbeitet hatte. Vielmehr war ich zuletzt am Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum der Museen in Nürnberg tätig und habe dort mit einem großen Mitarbeiterstab klassische Zielgruppenarbeit, Erwachsenenbildung und Vermittlung gemacht. Und in der Erwachsenenbildung bin ich nun auch in Bamberg gelandet. Nur, dass jetzt eben bei der VHS ganz neue Bereiche dazugekommen sind wie beispielsweise Gesundheit und Sprachen. Aber es macht mir natürlich sehr viel Spaß.

Inzwischen sind Sie seit rund 100 Tagen im Amt. Sind Sie an Ihrer neuen Arbeitsstelle schon ganz angekommen?
(lacht) Ja, ich komme täglich an. Es kommen immer wieder neue Herausforderungen auf mich zu. Daher wäre es vermessen zu sagen, nach hundert Tagen klappt alles wie am Schnürchen. Aber ich habe hier ein wunderbares Team vorgefunden und auch die Kollegen in der Stadtverwaltung sind alle ausgesprochen offen und hilfsbereit. Ich denke, dass wir in ein sehr interessantes, neues Semester steuern werden.

Was waren Ihre größten Herausforderungen beim Amtsantritt?
Da gibt es gleich mehrere. Natürlich ist es eine Herausforderung, ein budgetiertes Amt zu leiten. Und zum anderen stehe ich vor neuen inhaltlichen und logistischen Aufgaben, wie das Thema Grundbildung und Vermittlung der deutschen Sprache an Flüchtlinge. Das sind Gebiete, mit denen ich bisher ganz am Rande zu tun hatte. Aber ich freue mich, dass ich mich in so wichtige Aufgaben einarbeiten kann.

Welche Visionen und Ziele haben Sie mit in Ihr neues Amt gebracht?
Wir sprechen mit den Angeboten der Volkshochschule ein ganz breites Publikum an, Menschen aus allen Schichten, aus allen Altersgruppen. Darunter das klassische Bildungsbürgertum, das Neues erfahren will, Wissen gewinnen, Sprachen oder eine Kunstfertigkeit lernen möchte. Wir erreichen viele Menschen, die kurz vor oder nach der Rente stehen. Diese wollen noch einmal Themen aufgreifen, die in ihrem bisherigen Arbeitsalltag eine nicht so starke Rolle gespielt haben. Eines meiner Ziele ist es, das jüngere Publikum verstärkt anzusprechen. Zudem ist es mir ein persönliches Anliegen, die neue inhaltliche Säule, die Grundbildung, fortzuentwickeln.
Gleichzeitig soll unsere Arbeit in den Stadtteilen Starkenfeld und Gereuth ausgeweitet werden. Wichtig ist mir, dass wir unterschiedlichste Zielgruppen erreichen und so als größte Schule Bambergs unseren Beitrag leisten. Selbstverständlich wird es weiterhin immer wieder schöne Konzerte, Lesungen, Vorträge, Reisen und kleine Exkursionen geben. Und natürlich kreative Kurse und Sport.

Und welchen frischen Wind haben Sie mitgebracht?
Ich komme von der Kunst. Zwar war die Kunst in Bamberg bei der VHS auch immer vertreten, aber vielleicht nicht so sehr, wie es jetzt der Fall ist. Mein Vorgänger, Herr Köhl, ist ja ein großer Musikexperte. Musik bleibt und Kunst kommt. Dabei setzen wir auch auf große Namen: Der Dirigent Sir Roger Norrington ist im März in die VHS zum Talk geladen. Fahrten zu Nolde, Macke, Marc und Lüpertz stehen auf dem Programm.

Auf was kann man sich sonst noch freuen?
Wir verstehen uns auch als ein Schaufenster von städtischer Kultur und Politik. Wir werden jetzt in jedem Semester ein Sonderthema vorstellen. Das heißt nicht, dass unsere Bandbreite geschmälert wird, sondern das bieten wir zusätzlich an. Fokusthema im Frühjahrssemester ist jetzt "1000 Jahre Michelsberg" im Vorfeld des großen Jubiläums der Stadt. Und im Herbst werden wir dann das Thema "Bamberg und das Buch" behandeln.

Das heißt, Sie setzen auch weiterhin auf Bamberger Themen?
Natürlich. Schon jetzt konnten wir wieder namhafte Referenten zu Themen rund um Bamberg gewinnen. So hat beispielsweise Veit Bergmann, Geschäftsführer der Stadtbau, zugesichert, am 7. Juli einen Vortrag zu halten über "Wohnen im Schatten des Weltkulturerbes". Der Stadtkämmerer und Stiftungsreferent Bertram Felix wird über die Sanierung des Mammutprojekts Michelsberg berichten. Und Nora Gomringer wird eine Exkursion begleiten - um nur einige Beispiele zu nennen. Bamberg ist ganz wichtig für uns. Daher werden wir auch weiterhin für die Bamberger da sein und freuen uns natürlich auch über Anregungen.


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