Bamberg
Trockenheit

Bamberg erlebte ein Jahr mit Steppenklima

2018 war in Bamberg ein Steppenjahr. Die immer noch anhaltende Dürre lässt Bäche versiegen, dezimiert das Grün in der Stadt und verändert die Wälder.
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Ausgetrocknet: der Sendelbach in der Bamberger Südflur Fotos: Ronald Rinklef, Michael Wehner, p.
Ausgetrocknet: der Sendelbach in der Bamberger Südflur Fotos: Ronald Rinklef, Michael Wehner, p.
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In den Läden stapeln sich die ersten Christstollen, doch draußen lässt es der Herbstsommer noch einmal krachen. Glaubt man Experten wie dem "Wetterochs" wurden am Donnerstag und Freitag mit 25 Grad in Bamberg die höchsten Temperaturen seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1879 in einer zweiten Oktoberdekade gemessen.

In einem Jahr wie diesem mit vielen außergewöhnlichen Wettererscheinungen wird das aber eine Randnotiz bleiben. Einschneidender als die zwei Sommertage im Oktober macht sich die Dürre bemerkbar, die nun schon seit April die Region beherrscht und gespenstisch anmutende Landschaftsbilder erzeugt hat. Bislang hat es kaum mehr als 300 Liter pro Quadratmeter in Bamberg geregnet - das ist etwa die Hälfte der üblichen Jahresmenge. Und im Stadtwald wurden erstmals bei einer Messstation die Grenzwerte beim Grundwasser unterschritten. Trotz der extremen Situation ist Bambergs Wasserversorgung aber nicht in Gefahr. "Niemand muss fürchten, dass Bamberg auf dem Trockenen sitzt. Wir haben viele andere Brunnen und können auch über das Fernwasser die fehlende Regenmenge gut ausgleichen", gibt Jan Giersberg von den Stadtwerken Entwarnung.

Ins Stadtbild eingebrannt

Dennoch hat sich das Jahr 2018 ins Stadtbild eingebrannt: Bewohner und Besucher können kaum mehr über die Vielzahl gelbbraun vertrockneter Allee- und Parkbäume hinwegsehen; ein Mitleid erregendes Bild bietet sich vor allem auf trockenen, sonnenbeschienenen Böden. Aber auch manch sanft plätschernden Bach hat das Steppenklima 2018 dahingerafft. Der Sendelbach etwa, der sich üblicherweise durch den Hauptsmoorwald schlängelt und am Kunigundendamm in den Main-Donau-Kanal mündet, ist längst versiegt. Ähnliches gilt für den kleinen See, der unweit vom Autobahnkreuz Bamberg vom Gründleinsbach durchflossen wird. Auch er hat sich 2018 in eine Wiese verwandelt.

Wann endet der Sommer, der nun schon sieben Monate dauert? Diese Frage stellt sich auch Stephan Keilholz von den bayerischen Staatsforsten, Herr über 17 000 Hektar Wälder im Umkreis von Bamberg, darunter Bruderwald, Michelsberger und Hauptsmoorwald. "Wir werden heuer ganz besonders dicke Kerzen auf den Gügel tragen, damit es wieder regnet", sagt der Forstmann, der dem goldenen Oktober beim Blick auf die heimischen Wälder kaum gute Seiten abgewinnen kann.

Dabei hatte alles vergleichsweise harmlos begonnen. "Wir waren noch gut in den Sommer gekommen", berichtet Keilholz über eine Zeit, in der etwa in Oberbayern längst die Erntemaschinen im Dauereinsatz waren, um die Wälder vom Käferholz zu befreien. Der feuchte Winter 2017/2018 verschaffte dem Raum Bamberg noch eine Gnadenfrist. Doch dann, "irgendwann im August, hat es auch hier klick gemacht". Seitdem kämpfen Keilholz und seine Mitarbeiter gegen die Folgen eines Dürresommers, der mit jedem weiteren trockenen Tag nicht nur die wirtschaftlichen Einbußen für den staatlichen Forstbetrieb steigen lässt, sondern die Wälder der Region auch in ihrem Erscheinungsbild verwandelt. Die Nadelhölzer werden mehr und mehr verschwinden.

Sterbende Lärchen und Eichen

Es sind Bilder von sterbenden Lärchen, aber auch von todkranken Eichen, die im Herbst 2018 auch Nicht-Experten zeigen, wie schlecht es um den Wald steht. Selbst Trockenkünstler wie die Kiefer leiden mittlerweile unter den niedrigen Grundwasserständen. "Die Brunnen am Geisberg am Jurarand sind trocken gefallen", sagt Keilholz und berichtet vom Hauptproblem, das den Durchforstungsplan in den Wäldern rings um Bamberg gründlich durcheinanderwirbelt. Denn täglich stoßen die Forstleute auf neue Käfernester - ein sicheres Todesurteil auch für Nachbarbäume. Vom Borkenkäfer befallene Fichten müssen deshalb möglichst schnell aus dem Wald entfernt, zwischengelagert und aufgearbeitet werden. Problem dabei: Weil im mitteleuropäischen Umfeld massenhaft Fichtenholz angeboten wird, ist der Markt zusammengebrochen. Kaum ein Sägewerk will im Moment mehr Fichtenholz kaufen.

Wann endlich kommt der Wetterwechsel? Gerade erst haben die Meteorologen für nächste Woche angekündigte Niederschläge reduziert. Wie so oft in diesem Jahr soll ein neues Hochdruckgebiet das Regiment übernehmen und die Regenwolken fernhalten. Die Aussichten bleiben schön, aber im städtischen Gartenamt wird das die Laune kaum aufhellen. Zwar ist mit dem herbstlichen Blätterfall die akute Mangelsituation zu Ende, denn die Bäume verdunsten kein Wasser mehr. "Doch das Problem ist nicht weg", sagt Robert Neuberth von der Stadt. Sicher ist heute schon: Der Totholzanteil vieler Bäume wird 2019 nach dem Austrieb drastisch zunehmen. Um Bruchgefahren zu verringern, müssen dann die Männer mit den Sägen anrücken. Das Grün in Bamberg wird weniger.



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