Bamberg
E-Scooter-Test in Bamberg

Erste Stadt in Deutschland: In Bamberg soll man sich ab Dezember E-Scooter leihen können

Die Stadtwerke Bamberg wollen mit einem US-amerikanischen Anbieter das angeblich erste Verleihsystem für E-Scooter in Deutschland auf die Straße bringen.
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Ab Dezember testen die Stadtwerke mit dem Anbieter "Bird" E-Scooter in Bamberg. Foto: Matthias Hoch
Ab Dezember testen die Stadtwerke mit dem Anbieter "Bird" E-Scooter in Bamberg. Foto: Matthias Hoch
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CSU-Fraktionschef Helmut Müller hätte fast seinen Kollegen You Xie über den Haufen gefahren: "Die Roller ziehen ganz schön ab", stellte Müller im Stadtrat nach der Probefahrt mit einem E-Scooter vor dem E.T.A-Hoffmann-Theater fest. Dort ließen die Stadtwerke Bamberg mit dem Anbieter Bird die ersten Tretroller mit Elektroantrieb flitzen.

"Unser Ziel ist, kurze unnötige Autofahrten zu reduzieren", erklärt Christian Geßner, Geschäftsführer von Bird für Deutschland, Österreich und die Schweiz, bei der Vorstellung am Mittwoch, die einige Aufmerksamkeit erlangte.

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E-Scooter-Verleih in Bamberg: Pilotphase ab März 2019

Bamberg soll schließlich die erste Stadt in Deutschland sein, in der die E-Scooter auf die Straßen kommen. Damit will das US-amerikanische Unternehmen, das bereits in Wien oder Paris ein E-Scooter-Ausleihsystem anbietet, auch in den hiesigen Markt einsteigen und auf lange Sicht für jeden einen E-Scooter verfügbar machen.

Da die Elektroroller bisher in Deutschland nicht im Straßenverkehr zugelassen sind, soll ab Dezember bis März 2019 ein Test zunächst auf nicht-öffentlichem Grund, dann mit einer Sondergenehmigung auf der Straße gestartet werden. Bis im Frühjahr 2019 eine neue Verordnung für Elektro-Kleinstfahrzeuge in Kraft tritt. Dann soll eine öffentliche Pilotphase bis zum Sommer mit 100 Tretrollern in Bamberg laufen.

Wie funktioniert das Prinzip?

Das Prinzip ist einfach: An mehreren Stellen in Bamberg soll es Stationen ("Nester") geben, an denen die Roller zunächst zur Verfügung stehen. So etwa vor dem Bahnhof, am Zentralen Omnibusbahnhof oder an den Universitätsstandorten.

Auf einer App auf dem Smartphone kann ein Nutzer (ab 18 Jahren) sehen, wo sich gerade ein Tretroller befindet. Ein benutzter Roller kann überall im Stadtgebiet, nicht nur an einem der "Nester" abgestellt werden. Mitarbeiter von Bird sollen ständig darauf achten, dass die Fahrzeuge korrekt geparkt sind. Auch die Wartung übernimmt der Anbieter. Jeden Abend sammeln die Mitarbeiter die Scooter ein und setzen sie am Morgen mit aufgeladener Batterie wieder an den Stationen ein.

Umsonst wird die Fahrt nicht sein: Wer per Smartphone-App einen Roller aktiviert, zahlt bis bis zur Deaktivierung einen Grundpreis von einem Euro plus 15 Cent pro jeder genutzter Minute.

Chance für Bamberg

"Das E-Scooter-Sharing ist eine Chance, die wir nutzen wollen", erklärt Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Auch Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Fiedeldey sieht in den Tretrollern als Ergänzung zum ÖPNV einen "weiteren Baustein der Stadtwerke für ein nachhaltiges Verkehrsangebot in Bamberg". Ob sich die Roller in der Domstadt bewähren, solle der Test in den kommenden Monaten zeigen.

Fehlt es an Rahmenbedingungen?

Die Stadträte zeigten sich sehr angetan von der Idee. Doch gab es auch Bedenken: "Könnte es auch Grabenkämpfe zwischen E-Rollern und Fahrrädern geben?" , fragte etwa Wolfgang Grader (GAL). Auch Andreas Triffo (Bürgerblock) war skeptisch, was die Akzeptanz betrifft, angesichts des nicht unerheblichen und umstrittenen Radverkehrs in Bamberg, so Triffo.

Christian Hader von der Initiative Radentscheid findet es zwar gut, solche neuen Wege der Mobilität zu gehen. Doch würden die Konflikte zwischen motorisiertem und nicht-motorisiertem Verkehr dadurch nicht abnehmen: "Die Politik muss auch Rahmenbedingungen schaffen: Flächendeckend Tempo 30 in der Stadt wäre eine Möglichkeit."

Kommentar von Sebastian Martin:

Ausbaufähige Idee

Verkehrsmittel mit Elektroantrieb scheinen die Lösung der Stunde zu sein. Dass man sich deshalb auch in Bamberg über den weiteren Ausbau von emissionsarmer Mobilität Gedanken macht, ist mehr als nachvollziehbar und löblich. Gleiches gilt für den Sharing-Gedanken. Ein Verleihsystem mit E-Scootern kann da tatsächlich ein Baustein für eine wachsende Stadt sein.

Um schnell von A nach B zu kommen, sind die elektrischen Tretroller sicher hilfreich. Vor allem für Pendler und Touristen sind sie eine gute Alternative zur Fahrt mit dem Auto bis in die Innenstadt.

Doch für den Bamberger selbst, der etwa den Großeinkauf transportieren will, sind sie es nicht. Es braucht zwingend einen weiteren Ausbau des Sharing-Modells: Neben E-Scootern auch für Elektro-Lastenfahrräder. Ansonsten wird sich der Kfz-Verkehr in der Innenstadt nicht reduzieren.


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