Bamberg
Bahnausbau

Bamberg wird zur Baustelle: Innenstadt droht großes Chaos

Die Stadt Bamberg informierte über den geplanten Bahnausbau Nord. Gärtner, Einzelhändler, Handwerker und Anwohner mahnen Rücksichtnahmen an. Wie wird der Verkehr während des Bahnausbaus geregelt?
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Die Bahnbrücken - hier die Unterführung in der Memmelsdorfer Straße in Bamberg - sorgen beim Bahnausbau für besonders viel Kopfzerbrechen. Foto: Ronald Rinklef
Die Bahnbrücken - hier die Unterführung in der Memmelsdorfer Straße in Bamberg - sorgen beim Bahnausbau für besonders viel Kopfzerbrechen. Foto: Ronald Rinklef
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Bambergs Baureferent Thomas Beese machte im voll besetzten Saal des Pfarrheims St. Otto keinen Hehl aus seiner Skepsis gegenüber dem Bahnausbau in Bamberg: "Idealistische Zeitschiene seitens der Deutschen Bundesbahn" nannte er deren Ankündigung, im Frühjahr 2019 - also jetzt - die Streckengeometrie des Bahnausbaus festzulegen und ab Frühjahr 2019 in die diversen Fachplanungen wie Lärmschutzmaßnahmen, Umleitungen, Sperrungen in der Bauzeit einzusteigen. Anfang 2020 wolle die Bahn die Planungsunterlagen an das Eisenbahn-Bundesamt übergeben, so Beese.

Bahnausbau Bamberg Nord: Bürger sind skeptisch

Seine Skepsis teilten die weit überwiegend männlichen Zuhörer, die zu diesem von der Stadt Bamberg initiierten Bürgerdialog über den geplanten Bahnausbau Bamberg Nord gekommen waren. Kritische Stimmen äußerten sich zu diesen Plänen, die Baureferent Beese und Projektsteuerer Claus Reinhardt im Detail erläuterten.

Im Mittelpunkt standen dabei die Bahnquerungen Memmelsdorferstraße, Zollnerstraße, Coburger Straße, Kronacher Straße, Pfisterbrücke/Schwarzenbergstraße. "Alle Unterführungen müssen neu organisiert werden", brachte Zweiter Bürgermeister Christian Lange (CSU) auf den Punkt. Das bedeute, dass die Stadt Bamberg "schnell mit der Bahn in Verhandlungen über die Verkehrsführung während der Bauphase kommt". Am 29. Mai wollen nun, wie Lange erklärte, die Stadträte das sogenannte Verlangen der Stadt formulieren. Also klar benennen, welche Maßnahmen unabdingbar seien. Denn "die zentrale Frage während der Bauphase ist die Verkehrsführung, die muss vernünftig geplant werden", sagte der Bürgermeister. Es dürfe zum Beispiel nicht sein, dass die Memmelsdorfer und Zollner-Unterführungen zeitgleich gesperrt werden.

Bamberger Einzelhändler fürchten Einbußen durch Verkehrschaos

Einzelhändler aus der Luitpold- und Königstraße meldeten sich zu Wort, die in dem durch den Bahnausbau verursachten Verkehrschaos geschäftliche Einbußen befürchten, von denen sie sich nicht mehr erholen könnten. Handwerker machten darauf aufmerksam, dass sie ihre eigenen Baustellen in der Innenstadt erreichen müssen. Vertreter der Gärtnervereine mahnten an, dass ihre Felder in der Nordflur täglich erreichbar sein sollten: "Das ist eine Prämisse im Planungsprozess", versicherte Projektsteuerer Reinhardt den Gärtnern.

Überhaupt sei es ein "Grundprinzip der Bahn, alle Konfliktpunkte in der Kommune im Vorfeld aus dem Weg zu räumen". Allerdings könne niemand garantieren, dass in dem langen Planungsprozess "eins zu eins alles umgesetzt wird", räumte Claus Reinhardt ein. "Wir müssen die Bahn in Bewegung halten", warb Baureferent Beese um weiterhin konstruktive Vorschläge seitens der Bürger.

Und die Kosten?

So regte etwa ein Zuhörer an diesem Abend ein "Lärmmonitoring" an, nachdem über drei bis vier Meter hohe "transparente Lärmschutzwände" an der Pfisterbrücke gesprochen worden war, bei denen auch die Blickachsen gewährleistet sein sollten. Andere nahmen möglichst breitere Geh- und Radwege bei den Unterführungen ins Visier, deren Durchfahrtshöhe und -breite sich ohnehin ändere. Claus Reinhardt dazu: "Im Chaos besteht die Chance, Anpassungen an das Bestandsnetz aus Straßen, Geh- und Radwegen vorzunehmen" - für die nächsten Generationen.

Und dann wollte jemand aus dem Plenum wissen, mit welchen Kosten die Stadt Bamberg durch den Bahnausbau rechnen muss. Baureferent Thomas Beese dröselte erst die komplizierte Gesetzeslage auf, die den Berechnungen zugrunde liegt. Dann bezifferte er so deutlich wie unklar: "Die Stadt Bamberg muss etwa 50 bis 100 Millionen Euro brutto ausgeben." Öffentliche Fördermittel stünden aber in Aussicht.

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