Bamberg

"Bambecher": Bamberg sagt Wegwerfwahn den Kampf an

In 32 Geschäften in Bamberg gibt es jetzt den "Bambecher". Damit erhoffen sich die Initiatoren deutlich weniger Müll. Es hängt alles von den Kunden ab.
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Der "Bambecher" sieht so aus und ist nun in etlichen Geschäften in Bamberg zu bekommen. Mit dem  Mehrwegsystem  wollen (von links) Jonas Glüsenkamp und Andreas Eichenseher von der Initiative, sowie Klaus Stieringer vom Stadtmarketing dem Einwegmüll den Kampf ansagen. Thomas Loskarn (rechts) von der gleichnamigen Bäckerei beteiligt sich mit vier seiner Filialen auch daran. Foto: Matthias Hoch
Der "Bambecher" sieht so aus und ist nun in etlichen Geschäften in Bamberg zu bekommen. Mit dem Mehrwegsystem wollen (von links) Jonas Glüsenkamp und Andreas Eichenseher von der Initiative, sowie Klaus Stieringer vom Stadtmarketing dem Einwegmüll den Kampf ansagen. Thomas Loskarn (rechts) von der gleichnamigen Bäckerei beteiligt sich mit vier seiner Filialen auch daran. Foto: Matthias Hoch

Nahezu jeder dürfte das kennen: Man will schnell einen Kaffee trinken, hat aber keine Zeit, sich in ein Café zu setzen - also holt man sich einen "Coffee-to-go". So kommen jedes Jahr in Deutschland rund drei Milliarden Wegwerfbecher zusammen, die nach einmaliger Benutzung direkt auf dem Müll landen. Auf Bamberg runtergebrochen sind es rund 2,5 Millionen Becher. Doch mit überquellenden Abfalleimern durch "To-go"-Müll soll nun Schluss sein.

Gegen den Wegwerfwahn setzen die Initiatoren von "Bambecher" auf einen braunen 0,35-Liter-Becher mit schwarzem Deckel. Unterstützt werden sie vom Stadtmarketing sowie vom Umweltamt der Stadt und bisher von 32 Cafés, Bäckereien und Geschäften.

Ein Jahr lang bis zur Umsetzung

Es soll ein möglichst einheitliches Mehrwegsystem entstehen: "Wir sind sehr froh, dass wir das Baby auf die Welt bringen können", sagt Mitinitiator Andreas Eichenseher vom Verein Change am Montag bei der offiziellen Vorstellung. Ein Jahr lang haben die Ehrenamtlichen an dem System gebastelt, haben Bechermaterialien getestet und dazu über ein Crowdfunding mehr als 3000 Euro gesammelt - geboren wurde so der "Bambecher", der in den kommenden Tagen in allen teilnehmenden Geschäften erhältlich sein soll. Spätestens ab der kommenden Woche solle das System laufen, so Jonas Glüsenkamp von der Initiative. Insgesamt wurden 1300 Becher produziert, 900 Stück werden mit Pfandmarken zunächst an die Geschäfte ausgeteilt.

Becher gegen Pfand

Das System funktioniert so: Anstatt eines Einwegbechers bekommen die Kunden für vier Euro Pfand einen "Bambecher". Nachdem der Kaffee ausgetrunken ist, kann der Becher bei allen teilnehmenden Geschäften abgegeben werden. Dafür erhält der Kunde eine Pfandmarke in Kartenform, die er später, wenn er wieder einen Kaffee zum Mitnehmen holen will, in den Geschäften einlösen kann, ohne nochmals Pfand zu bezahlen.

Der Becher muss zwangsläufig den Besitzer wechseln, damit das System funktioniert: "Der ,Bambecher‘ muss 2,4 mal benutzt werden, damit er den Einwegbecher in der Bilanz schlägt", erklärt Glüsenkamp die Herausforderung. Viele der teilnehmenden Geschäfte arbeiteten mit Anreizen, damit die Kunden zum umweltfreundlichen Becher wechseln.

Bereits Erfahrungen gesammelt

So auch Thomas Loskarn, der in vier seiner gleichnamigen Bäckereien mit Cafés zehn Prozent Nachlass auf das Getränk, das im Mehrwegbecher gekauft wird, anbietet. Dort gibt es das System bereits. "Für mich ist der Aufwand genauso groß wie der Einkauf von Einwegbechern", erklärt der Bäckereichef. Vor- oder Nachteile habe er dadurch also keine. Doch: "Es geht um Müllvermeidung." Weitere Geschäfte haben und hatten bereits ein eigenes Austauschsystem. Gute Erfahrungen hat auch das "Mokka Makan" gemacht, wo man sich über das einheitliche Bechersystem freut: "Wir wünschen uns, dass es noch besser angenommen wird", sagt Sonia Al-Kass.

"Von der Umsetzung zur Idee ist es ein langer Weg - wir sind am ersten Ziel", weiß Stadtmarketingchef Klaus Stieringer. Denn: "Der Erfolg wird letztlich davon abhängen, ob die Menschen mitmachen."

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