Bamberg

Bald darf wieder "gesündigt" werden

Heute ist der letzte Tag der Fastenzeit. Während manche diese Zeit nutzten, um beispielsweise mithilfe eines Facebook-Verzichts ihre Selbstdisziplin zu trainieren, haben viele Bamberger eine ganz andere Meinung zu diesem Thema.
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Katrin Harman blieb über sechs Wochen lang "ausgeloggt".  Fotos: Johannes Lohmaier
Katrin Harman blieb über sechs Wochen lang "ausgeloggt". Fotos: Johannes Lohmaier
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"Ich verzichte in der Fastenzeit auf Schokolade, Chips, Gummibärchen und Facebook", kündigte Katrin Harman ihren Freunden Anfang Februar an. Die meisten taten es mit einem herzlichen Lachen ab - ausgerechnet Katrin, die so gerne nascht und Facebook durchstöbert, würde das ganz bestimmt nicht durchhalten.

Wenige Tage später, am Aschermittwoch, startete dann auch schon die Fastenzeit. Und siehe da: entgegen allen Erwartungen hat Katrin tatsächlich durchgehalten - auch wenn aus der Schokolade irgendwann "nur noch" Tafelschokolade wurde und ein als Entschuldigung gedachtes Gummibärchenherz verzehrt wurde.

Zusammen ist es leichter

"Das wirklich durchzuziehen ist einfacher, wenn man es zu zweit macht", erklärt Katrin im Rückblick auf die letzten Wochen. Gemeinsam mit ihr hat nämlich auch ihr Freund, Michael Ziegler, gefastet.
Und der hat sich gleich noch einiges mehr auferlegt: auf Alkohol, Besuche bei Fastfoodketten, Süßigkeiten (einschließlich Kuchen und andere süße Backwaren) und Fernsehen unter der Woche hat er verzichtet. Außerdem noch aufs "faul sein" - mindestens zweimal pro Woche wurde also Sport getrieben. Ein großes Vorhaben, das er bis auf ein paar Fastfood-Ausrutscher auch gut durchgehalten hat.

Verzichten, wo es schwer fällt

Während Michael Ziegler bereits in den letzten Jahren Fasten-Erfahrungen gesammelt hat, war es für seine Freundin das erste Mal. Der Reiz dabei: die eigene Selbstdisziplin trainieren. Nebenbei spielte allerdings auch der religiöse Aspekt eine Rolle. Beide sind evangelisch und wollten in der Fastenzeit auf das verzichten, womit sie das Jahr über am meisten "gesündigt" hatten.

"Wenn man fast nie Fleisch isst, braucht man in der Fastenzeit auch nicht darauf zu verzichten", erklärte Katrin Harman, was Martin Luther bereits vor rund 500 Jahren an seinen Zeitgenossen kritisierte: "Ich will jetzt davon schweigen, dass manche so fasten, dass sie sich dennoch vollsaufen; dass manche so reichlich mit Fischen und anderen Speisen fasten, dass sie mit Fleisch, Eiern und Butter dem Fasten viel näher kämen".

Deswegen auch Facebook. "Das ist eigentlich mein größtes Laster", gesteht die 19-Jährige. Ihr wochenlanger Verzicht ist ihr übrigens viel leichter gefallen als anfangs erwartet. Da sie es vorher angekündigt und allen Bescheid gesagt hatte, stiegen ihre Freunde schnell auf andere Kommunikationswege um. Freund Michael warf gelegentlich einen Blick auf ihr Facebook-Profil - nicht dass irgendwelche Witzbolde sich böse Späße mit der Fasterin erlauben. Eigentlich gab es nur eine Situation, in der sie das beliebte Netzwerk wirklich vermisst hat: als Lückenfüller, wenn sie beispielsweise auf jemanden warten musste.

Die Frage, ob sie im nächsten Jahr wieder Fasten wollen, beantwortet das Paar mit einem eindeutigen "Ja!" - auf was dann verzichtet wird, wird sich allerdings erst noch zeigen.

Aufs Fasten verzichtet

"Habt ihr in den letzten Wochen auch auf etwas verzichtet?", fragten wir auf der FT-Facebookseite. "Aufs Fasten", lautete die kurze und äußerst aussagekräftige Antwort eines Users. Mit diesem Kommentar drückte er recht deutlich aus, wie viele Bamberger diesem Thema gegenüber stehen.

Bei einer kleinen Umfrage in der Bamberger Innenstadt wurde schnell deutlich, dass viele ebenfalls ganz auf Fasten verzichtet haben. Auf das Thema angesprochen, reagierten die meisten Passanten beinahe schon verschämt, gestanden, dass sie zu bequem dazu seien, keinen wirklichen Sinn dahinter sehen würden, den Verzicht an eine bestimmte Zeitspanne zu binden oder mutmaßten, dass es einfach nichts für sie sei.

"Ich hab noch nie darüber nachgedacht", erklärte Michael Schäfer. Von daher findet die Fastenzeit für ihn auch eigentlich gar nicht statt. "Es gibt eigentlich nichts, worauf ich nicht verzichten könnte", fügte er noch selbstsicher hinzu.

Oliver Berge dagegen weiß genau, worauf er am wenigsten über mehrere Wochen hinweg verzichten könnte. "Auf meine Tochter und auf Bier", antwortete er lachend - auch er hat allerdings noch nie so richtig gefastet.

Religiöser Aspekt nur am Rande

Im Gegensatz zu den beiden Männern hat Anja Herbach schon einmal eine Woche lang komplett gefastet - sprich: gar nichts gegessen. Zwar nicht in diesem Jahr, aber immerhin auch in der Fastenzeit. Ihre Gründe dafür waren einerseits, etwas abzunehmen und andererseits, sich etwas zu entlasten und zu reinigen. "Der religiöse Aspekt war vielleicht am Rande mit dabei", überlegte sie, zu den Hauptgründen zählte er allerdings nicht.

Birgit Schmitt dagegen sieht - wie viele der übrigen Befragen - in der Fastenzeit keinen Anlass zum wochenlangen Verzicht. Als Teenager hat sie in dieser Zeit allerdings mal die Schokolade weg gelassen. Zu denen, die in diesem Jahr der Schokolade für einige Wochen entsagt haben, zählt neben Katrin Harman und Michael Ziegler auch noch Anita Fösel. Auf Schokolade und auch auf alle anderen Süßigkeiten hat die Kirchenmusikerin verzichtet.

Unglaubliche Selbstbeherrschung

"Es ist mir sehr schwer gefallen, weil ich Süßes liebe", gesteht sie lachend. Und auch im Gespräch mit ihr wird klar: gemeinsam fasten ist leichter als alleine zu fasten. Jeder in der Familie hat nämlich auf etwas verzichtet.
"Man braucht dafür eine unglaubliche Selbstbeherrschung", bestätigt Anita Fösel noch einmal, was den meisten wohl klar sein dürfte.

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