Lichteneiche
Widerstand

Bahntrasse in Bamberg-Ost erhitzt die Gemüter

Auf wenig Gegenliebe stößt bei den Bürgern der Gemeinden Gundelsheim und Memmelsdorf, aber auch in der Bamberger Gartenstadt, eine zusätzliche Bahntrasse entlang der Autobahn A 73 zwischen Strullendorf und Breitengüßbach. Eine Entscheidung ist laut Chefplaner Reiner Gubitz bei der Bahn noch nicht gefallen.
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Ablehnung verrieten schon die Mienen der Besucher beim Info-Abend der Memmelsdorfer CSU zur in die Diskussion gebrachten Ostumfahrung der Bahn für die Stadt Bamberg.
Ablehnung verrieten schon die Mienen der Besucher beim Info-Abend der Memmelsdorfer CSU zur in die Diskussion gebrachten Ostumfahrung der Bahn für die Stadt Bamberg.
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Gubitz stellte zu Beginn einer von der Memmelsdorfer CSU veranstalteten Informationsversammlung im Sportheim Lichteneiche ein planerisches Konzept für den auch als "Bamberger Ostumfahrung" bezeichneten zweigleisigen Schienenstrang vor. Von Strullendorf aus soll dieser zunächst parallel zu den vorhanden Gleisen verlaufen, dann die B 505 unterqueren und nach rechts in den Hauptsmoorwald schwenken. Danach soll die Trasse ansteigen und sowohl die Staatsstraße wie auch den Straßenknoten an der Autobahn-Auffahrt Bamberg-Süd überqueren. Danach soll die Trasse links der Autobahn bleiben und die Straßen in Richtung Pödeldorf und Memmelsdorf unterqueren. Auch in der Verlängerung der Landebahn des Bamberger Flugplatzes will man noch in einem offenen Tunnel bleiben, um den Flugbetrieb nicht zu gefährden. Dann aber soll es steil nach oben gehen, um die Autobahn A 70 links neben der A 73 am Autobahnkreuz Bamberg zu überqueren.
Danach endet dieser Planungsabschnitt, bis Breitengüßbach sollen die Gleise der "Ostumfahrung" mit den vorhandenen Gleisen "wiedervereinigt" werden.

Kein Verständnis hatten die zahlreichen Teilnehmer an dem Informationsabend der CSU - gekommen war auch Bundestagskandidatin Emmi Zeulner aus Lichtenfels - vor allem für die Autobahn-Überführung. Gubitz begründete dies mit starken Grundwasser-Strömen aus dem Raum Scheßlitz, die eine Unterquerung schwierig machten. "Da wäre ein etwa 800 Meter langer Tunnel nötig, mit einer auftriebsgeschützten Hochwasser-Wanne, sehr kompliziert zu bauen", meinte Gubitz. "Genauso mach mer's" hielt Dietmar Beck von der Bürgerinitiative Lichteneiche spontan entgegen. Nur dann sei an eine Realisierung der Ostumfahrung überhaupt zu denken, war der Tenor der Versammlung. Die Anwohner Franz Herold und Karl Diefenbach schlugen in die gleiche Kerbe.

Vergeblich versuchte Gubitz' mit komplexen Darstellungen der Lärm-Emissionen Verständnis für seine Position zu finden. Dabei setzte man unter anderem auf moderne Güterwaggons und Lärmschutz-Wände. "Bei Ihren Berechnungen ist der Fluglärm nicht berücksichtigt", hielt Rainer Braun von der Bürgerinitiative "Nicht noch mehr Lärm" Lichteneiche entgegen. "Die Lärm-Grenzwerte werden schon jetzt überschritten", ergänzte Bettina Braun. "Sollte jetzt die Eisenbahn noch obendrauf kommen, würde das alle Obergrenzen sprengen". Gegen ein solches Vorhaben seien bereits mehrere 100 Unterschriften gesammelt worden.
Betont wurde von Rainer Gubitz mehrfach, dass derzeit verschiedene Alternativen "ergebnisoffen" geprüft würden. Auch Geld spiele dabei "erstmal" keine dominierende Rolle.

Bürgermeister Johann Bäuerlein (CSU) kritisierte die "Informations- und Salamitaktik" der Stadt Bamberg. "Warum reiten die denn so auf der Variante Ostumfahrung herum?" fragte Bäuerlein. "Für uns kommt nur der viergleisige Ausbau der bestehenden Strecke mit modernsten Lärmschutzeinrichtungen in Frage". Wer seit Generationen den Vorteil von der Bahn habe, der könne jetzt nicht einen Nachteil auf andere abwälzen wollen. Außerdem sei der zusätzliche Landverbrauch unnötig". Unterstützung erfuhr Bäuerlein vom Stellvertretenden CSU-Kreisvorsitzenden und Buttenheimer Bürgermeister Johann Kalb, der einen solchen "Triumpf des St. Florians-Prinzips" verhindern will. "

"Die Entscheidung darüber wird in Berlin getroffen", betonte der Vorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD)/ Sektion Bamberg, Dieter Volk. Man habe schon "zu viel Lärm an der gesamten Trasse, jede zusätzliche Belastung sei für eine Ostumfahrung ein "K.o.-Kriterium". Nicht zu rechtfertigen sei eine völlig unnötige, etwa 65 Meter breite Trasse durch den Bannwald Hauptsmoorwald, der 50 Hektar Wald und zehn Hektar Land geopfert werden müssten. "Das sind 80 Fußballplätze nacheinander", machte Volk die Relation anschaulich. Die Anwohner seien zudem bereits bis zur Grenze des rechtlich Zumutbaren belastet.

Nach wie vor eine gute Lösung sah der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Gartenstadt, Siegmund Schauer, im viergleisigen Ausbau der bestehenden Bahnstrecke durch Bamberg mit optimalem Lärmschutz. "Ich halte die Wette: Selbst ein Tunnel vom Münchner Ring bis zur Kronacher Straße in Bamberg wird nicht teurer als diese Ostumfahrung", meinte er. Der viergleisige Ausbau sei eine gute Lösung für Stadt und Land. Eine Ost-Spange für Bamberg werde nur zusätzlichen Bahn-Verkehr in die Region holen.

"Ein solches Vorhaben hört aber nicht in Memmelsdorf auf", bat die CSU-Bundestags-Kandidatin Emmi Zeulner zu berücksichtigen. Städte und Gemeinden entlang der Bahnlinie entstünden dadurch massive Kosten. Die dauernde Handlungsfähigkeit der Kommunen aber müsse ein "großes Anliegen der Politik" bleiben.

Nicht fehlen durfte bei diesem parteiübergreifendenVorhaben ein "Roter" unter den "Schwarzen". Der SPD-Unterbezirksvorsitzende und Gundelsheimer Bürgermeister Jonas Merzbacher plädierte ebenfalls für einen Ausbau der Bestandsstrecke. Die in die Debatte gebrachte Ostumfahrung Bambergs sei keine echte Alternative.

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