Bamberg
Bahnausbau

Bahnausbau: Welche Variante ist der Favorit in Bamberg?

Ein Riesentunnel oder doch der viergleisige Ausbau im Bestand? Sind die im neuen Fahrplan versprochenen Verbesserungen der Bahn eine Entscheidungshilfe?
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Auch ohne Ausbau wird die Bedeutung des Bamberger Bahnhofs als Verkehrsknotenpunkt deutlich zunehmen.  Ronald RInklef
Auch ohne Ausbau wird die Bedeutung des Bamberger Bahnhofs als Verkehrsknotenpunkt deutlich zunehmen. Ronald RInklef

Seit Jahren wird in Bamberg über den Bahnausbau gerungen. Nun nähert sich die vermutlich schwierigste Debatte der letzten Jahre in Bamberg ihrem Ende: In einer Sondersitzung am 28. November wird die Stadt nicht nur die Ergebnisse einer Projektstudie zum gleisfreien Bamberg präsentieren (Tscherner-Vorschlag). Noch interessanter ist die Ausbauempfehlung des Verkehrswissenschaftlichen Instituts Stuttgart (VWI).

Es war im Dezember 2016, als bei den Haushaltsberatungen 50 000 Euro für den Auftrag an einen externen Gutachter reserviert wurden. Nun ist es die Aufgabe der Verkehrsplaner und Ingenieure, die noch im Rennen befindlichen sechs Varianten zu bewerten und anhand einer Matrix zu gewichten, so dass am Ende der Favorit für Bamberg herauskommt. Dabei spielen nicht nur die Kosten und die Bauzeit eine Rolle. Es wird auch um die Umweltbelastung und die Unversehrtheit des Weltkulturerbes gehen.

Nicht zuletzt dürften auch rechtliche Einschätzungen Einfluss darauf haben, wie der Stadtrat entscheidet und ob er sich an die Ausbauempfehlung hält. Etwa die Antwort auf die Frage, wie die Chancen Bambergs stehen, die Fortführung des bis in die 90er Jahre zurückreichenden Planfeststellungsverfahrens ohne innovativen Lärmschutz anfechten zu können. Man muss wissen: Ein neues Planfeststellungsverfahren würde das Projekt verzögern.

Für die Bahn ist der Ausbau durch Bamberg der "Schlussstein" des Jahrhundertvorhabens Verkehrsprojekts Deutsche Einheit 8. Je nach Ausbauvariante zwischen der Gereuth und der Nordflur soll es zwischen 2030 und 2033 so weit sein, kündigte Bahnvertreter Mike Flügel an.
Die Chancen dieser "neuen Ära" sollen sich bereits am 10. Dezember zeigen. Wenn der neue Fahrplan Gültigkeit erlangt, liegt Bamberg über Nacht an einer europäischen Magistrale. Tausende neuer Fahrgäste aus dem Umkreis sollen zudem die neuen Umsteigeangebote in Bamberg nutzen.
Wird der Stadtrat noch am 28. November über den Ausbau entscheiden? Und in welche Richtung tendieren die Stadtratsfraktionen?

Die Bamberger CSU: "Viele sagen, der Stadtrat sei entscheidungsschwach. Wir könnten entscheiden und wir wollen eine rasche Entscheidung", lautete einer der Kernsätze von Helmut Müller. Der CSU-Fraktionschef Müller glaubt offenbar nicht mehr daran, dass die ausstehenden Gutachten noch wichtige Erkenntnisse zu Tage fördern könnten. Schon Anfang des Jahres hatte sich die CSU für den viergleisigen Ausbau im Bestand ausgesprochen. Eines der wichtigen Argumente: Die Kosten und die Eingriffe ins Bamberger Stadtbild seien beim Ausbau im Bestand am geringsten. Diese Variante biete zudem die besten Chancen, den Nahverkehr zu verbessern. Deshalb setzt die CSU große Hoffnungen auch auf den versprochenen S-Bahn-Halt Süd, der nur auf der Bestands-trasse realistisch ist.

Die Bamberger SPD: Auch die Sozialdemokraten bleiben ihrer Linie treu. Die SPD-Fraktion zweifelt gerade wegen der der zahlreichen zum Fahrplanwechsel angekündigten Verbesserungen die verkehrstechnische Notwendigkeit des Ausbaus an und fordert die Bahn auf, "auf die Mammutbaustelle durch Bamberg" zu verzichten. "So sparen Sie Milliarden Steuergelder und wir uns eine Menge Ärger mit der Bürgerschaft", sagte Klaus Stieringer. Was für die SPD wichtig ist? Moderner Lärmschutz, Erhalt der Gärtnerflächen, ICE-System- und S-Bahn-Halt sowie eine stadtverträgliche Bauzeit.

Die Bamberger Grünen: Die lange Zeit für eine sanfte Variante der Ostumfahrung eintretende Fraktion zweifelt am Sinn des viergleisigen Ausbaus. "Wir freuen uns auf die Vorteile des Verkehrsknotenpunkts. Aber so viel Geld auszugeben, für eine Minute Fahrtzeitersparnis - ist es das wert?", fragte Wolfgang Grader.

Die Bamberger Allianz: Dieter Weinsheimer forderte seine Kollegen auf, die gemeinsam beauftragten Gutachten abzuwarten, bevor man sich politisch festlegt. Die lange Zeit für einen zweigleisigen Tunnel kämpfende Fraktion äußerte sich zuletzt nicht mehr zu einzelnen Varianten, sieht aber, wie Verlautbarungen zu entnehmen ist, die Tscherner-Lösung skeptisch. Eine Prognose wagte Weinsheimer dennoch: "Ich befürchte, es wird für keine Lösung eine große Mehrheit geben."

Bamberger Bürger-Block: Norbert Tscherner lässt sich auch durch die wachsende Zahl kritischer Anmerkungen nicht davon abbringen, für seine Idee vom gleisfreien Bamberg zu werben, für die er bereits 7000 Unterschriften gesammelt hat. Die Tieferlegung der Gleisanlage inklusive des Bahnhofs sei ein Jahrtausendchance. Bamberg dürfe sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen.


Kommentar des Autors:

Die Zeit ist reif

Nach jahrelanger Debatte wächst der Wunsch, dass endlich entschieden wird. Das ist verständlich.

Dennoch war es kein Nachteil, dass Bamberg ungleich mehr Informationen sammeln konnte als sämtliche anderen Bahnanrainer der Region.

Eine Jahrhundertentscheidung, die uns ein Jahrzehnt der Baustellen bescheren wird, trifft man nicht aus dem Bauch heraus und man trifft sie auch nicht unter Zeitdruck.

Freilich: Am Ende des Tages helfen Gutachten nicht weiter. Dann muss die Politik Verantwortung übernehmen.

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