Strullendorf
ICE-Trasse

Bahn-Knackpunkt in Strullendorf ist der Auweg

Die Bahn hat in Strullendorf den aktuellen Stand ihrer Ausbaupläne der ICE-Trasse vorgestellt. Überhaupt nicht einverstanden ist die Gemeinde mit der geplanten Südanbindung des Gewerbegebiets.
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An dieser Stelle soll nach den Vorstellungen der Bahnplaner künftig der Schwerlastverkehr ins Industriegebiet durchrollen. Foto: Ronald Runklef
An dieser Stelle soll nach den Vorstellungen der Bahnplaner künftig der Schwerlastverkehr ins Industriegebiet durchrollen. Foto: Ronald Runklef
Auf die letzte Frage aus dem Strullendorfer Gemeinderat zu den ICE-Planungen der Bahn herrschte vielsagendes Schweigen von Seiten der Bahnvertreter. "Werden die Äußerungen, die hier gemacht wurden in die Planungen einfließen - oder haben Sie schon fertig geplant?", wollte Andreas Kehl (Neue Liste) wissen. Denn einiges von dem, was die Bahn in die Strullendorf vorhat, schmeckt den Einwohnern und den von ihnen gewählten Räten ganz und gar nicht. Und das, so wurde klar, partei- und fraktionsübergreifend.

Da ist vor allem die geplante Süd-Anbindung des Industrie- und Gewerbegebiets. Sie soll nach den Vorstellungen der Bahnplaner durch die Unterführung am Auweg erfolgen.
Die sei der "Knackpunkt", formulierte es Bürgermeister Andreas Schwarz (SPD). "Und so wie es jetzt dasteht, ist es für uns eine Katastrophe." Georg Dresel (CSU) meinte, dies sei "nicht zu Ende gedacht). Und Kehl nannte die Zufahrt durch ein Wohngebiet "gar nicht machbar" - schon allein wegen der engen Kurvenradien. Zudem plane die Bahn nur den Bereich der Unterführung, aber nicht die nötige Anbindung an die Bundesstraße B4. Nikolaus Kestler (CSU) wies darauf hin, dass die von der Gemeinde gewünschte alternative Unterführung genauso weit vom nächsten Brunnen entfernt sei, wie die Auweg-Unterführung.

Normenkontrollverfahren

In gewisser Weise musste Schwarz die Planer aber auch in Schutz nehmen. Denn eine von der Gemeinde gewünschte Unterführung etwa 100 Meter weiter südlich, würde derzeit am Einspruch des Wasserwirtschaftsamtes scheitern. Denn der Bereich dort gehört zum Wasserschutzgebiet. Und gegen die Größe ausgewiesenen Schutzgebietes läuft ein von der Gemeinde Strullendorf angestrengtes Normenkontrollverfahren vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof.

Leider, so Schwarz, habe sich die Regierung von Oberfranken auf die Position der Wasserwirtschaft versteift. Und vor Ende des Jahres sei mit einem Richterspruch aus München nicht zu rechnen. Erst wenn Strullendorf Recht bekäme, würden die Karten neu gemischt. Die Bahn brauche aber eine genehmigungsfähige Lösung für ihre Planungen. "Auch wenn es fachlich nicht mehr zu begründen ist, kriegen wir das gegen die Wasserwirtschaft derzeit durch", sagte Schwarz mit Blick auf die von der Gemeinde gewünschte alternative Anbindung.

Obwohl die Bahnplaner selbst hier Gesprächsbereitschaft signalisiert hätten. "Eine Planfeststellung hat eigentlich Konflikte auszuräumen. Hier werden derzeit aber nur Konflikte geschaffen", stellte Schwarz jedoch fest. Und Andreas Kehl meinte: "Die Planer sollen es ruhig jetzt schon wissen."

Auslegung zum Jahresende

Bürgermeister Schwarz verwies darauf, dass solche Einwände dann in der Auslegungsphase des Planfeststellungsverfahrens vorgebracht werden müssen - und zwar von Seiten der Gemeinde, als auch von den Strullendorfer Bürgern. Voraussichtlich könne es Ende des Jahres so weit sein. Er wünsche nur, so der Bürgermeister, dass "die öffentliche Auslegung nicht vom 12. Dezember bis 6. Januar erfolgt, wenn die Leute anderes um die Ohren haben".

Gemeinderat Werner Haas (Bürgerblock) wünschte sich von der Bahn, dass sie ihre Pläne dem Gemeinderat zur Verfügung stelle, damit dieser auch eine Diskussionsgrundlage habe. Schwarz verwies aber darauf, dass die Sitzung mit dem Vortrag der Bahnplaner lediglich als "Update" zu verstehen sei, in dem die Änderungen gegenüber den bereits in den 1990er Jahren gemachten Planungen vorgestellt werden sollten. Sobald die Pläne reif für das Planfeststellungsverfahren seien, müssten sie natürlich der Verwaltung, dem Gemeinderat und den Bürgern vorgelegt werden. Und Einwendungen seien dann vorzubringen, wenn die Anhörung laufe.

Bahnsteig nicht barrierefrei

Die Auweg-Unterführung wird dann voraussichtlich nicht der einzige Punkt sein, den die Strullendorfer monieren. Unzufrieden ist man einhellig auch damit, dass die Bahn es immer noch nicht schafft einen barrierefreien Zugang zu den Bahnsteigen herzustellen. So ist das zweite Innengleis der künftig vier Gleise für den Regionalverkehr vorgesehen. Mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen ist es aber praktisch nicht zu erreichen, auch wenn der zuständige Planer die Rampe als "nahezu behindertengerecht" bezeichnete.

Skeptisch sind die Strullendorfer auch, was die Schallschutzwände betrifft. So soll auf der östlichen Seite der Gleise, also zum Ort hin, auf gut 1400 Meter Länge - etwa vom Sportgelände bis zur nördlichen Überführung zum Gewerbegebiet eine drei Meter hohe Mauer errichtet werden. Und zwischen den beiden Gleispaaren ist eine 1080 Meter lange, vier Meter hohe Mauer vom Sportgelände bis zum Bahnsteig geplant.

Zwar soll dem Planer zufolge dadurch die Lärmbelastung für den Kernort künftig niedriger ausfallen als vor dem Ausbau. Doch die Strullendorfer fürchten eine gleichzeitige Zunahme der Fahrten. "Da wird auch ein bisschen schöngerechnet", merkte der Bürgermeister kritisch an. "Nach unseren Erkenntnissen sieht es anders aus." Die Vertreter der Bahn widersprachen diesem Vorwurf. Dort wo die Immissionswerte für Wohngebiete nicht ganz eingehalten werden könnten, seien zusätzlich "passive Schallschutzmaßnahmen" an den Gebäuden vorgesehen.
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