Hallstadt
Infrastruktur

BA5-Spatenstich bei Hallstadt - ein Politikum!

Der Spatenstich für den Ausbau der Kreisstraße zwischen Hallstadt und Gundelsheim wird durch das Fernbleiben von Bürgermeistern zum Politikum.
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Ein zumindest denkwürdiger Spatenstich -  der für den Ausbau  der Kreisstraße zwischen Gundelsheim und HallstadtFoto: Rudolf Mader
Ein zumindest denkwürdiger Spatenstich - der für den Ausbau der Kreisstraße zwischen Gundelsheim und HallstadtFoto: Rudolf Mader
Statistisch gesehen hätte wohl alles gepasst, geografisch und kommunalpolitische betrachtet aber auch nicht: Beim symbolischen Spatenstich für den Ausbau der Kreisstraße BA 5 zwischen Hallstadt und Gundelsheim war die Stadt Hallstadt mit ihren beiden Bürgermeistern Thomas Söder (CSU) und Ludwig Wolf (BB) vertreten. Die Gemeinde Gundelsheim hingegen hatte keinen Spaten stechenden Bürgermeister entsandt. Dabei lobte doch Landrat Johann Kalb (CSU) das nun begonnene Projekt, das heißt die Ertüchtigung der Kreisstraße zwischen Hallstadt und Gundelsheim, als einen dabei durchgeschlagenen Gordischen Knoten.

Kalb freute sich, dass er gemeinsam mit den beiden Kommunen eine Lösung in einer Sache gefunden hat, die schon lange währte.

Bekanntlich sollte die 1,8 Kilometer lange Kreisstraße zuwischen Gundelsheim und Hallstadt ausgebaut und dabei ein Geh- und Radweg angelegt werden. Letzteres war an den komplizierten Eigentumsverhältnissen gescheitert. Es hätten rund 200 Grundstücke entlang der Strecke erworben werden müssen, wobei manches bis zu 60 Eigentümern gehörte.

Bei der Landkreisfahrt des Bau- und Wirtschaftsausschusses reifte vor Ort die Idee, die nun umgesetzt wird: ein bestandsorientierter Ausbau ohne seitliche Wirtschafs- und Radwege. Die Kosten dafür betragen rund 1,7 Millionen Euro. Was den Geh- und Radweg betrifft wird dieser durch einen Lückenschluss bei bestehenden Wirtschaftswegen auf Hallstadter Grund und somit eigener Trasse entstehen.

Während Kalb in dem nun umgesetzten Projekt den Durchbruch sieht, gibt sich Gundelsheims Bürgermeister Jonas Merzbacher (SPD) weniger euphorisch. Für einen Spatenstich sieht er keinen Anlass gegeben. "Das ist nur ein Show-Spatenstich. Alle denken, es passiert was Großartiges."


Nur eine Sanierung

Für ihn werde lediglich eine buckelige Straße saniert. Spatenstich bedeute für ihn einen Durchbruch, oder etwas Neues zu schaffen. So gab es für ihn auch nichts zu feiern. Ganz abgesehen davon, dass die Einladung des Landratsamtes recht spät eingegangen sei. Er selbst hatte da schon Termine, ebenso sein Stellvertreter. Merzbacher bemängelt zudem, dass noch nicht einmal der Radweg in trockenen Tüchern sei.

Dem widerspricht sein Hallstadter Amtskollege Thomas Söder (CSU). Er versichert, dass der Lückenschluss bei den Wirtschaftswegen erfolge. Auch weil dieser mit dem gesamten Radweg nach Gundelsheim für Hallstadt einen Lückenschluss in dessen Radwegenetz bedeute.


Kurzfristige Einladung

Recht gibt Söder seinem Bürgermeister-Kollegen, dass die Einladung relativ kurzfristig und mit kurzem Vorlauf kam. Deswegen hat er durchaus Verständnis für das Fernbleiben des Kollegen - "wenn man einen wichtigen Termin schon hat."

So eine richtige Besonderheit war der Spatenstich wohl auch für den Hallstadter Bürgermeister derzeit nicht. "Nachdem ich momentan auf allen Baustellen herumspringe", war das eben nur ein weiterer Spatenstich. Im Frühjahr gehe es eben los und alle Baustellen beginnen. Freilich freue er sich immer, wenn etwas beginne. Das sei in Hallstadt im Moment oft der Fall mit entsprechend vielen Spatenstichen.

Am Laufen sei jedenfalls auch die Sache mit dem Radweg. Für etwa 60 Meter Wegstrecke für den Lückenschluss im Wirtschaftsweg sind zwölf Flurnummern zu erwerben. Söder zeigt sich zuversichtlich, dies realisieren zu können. Überrascht war er vom Fortschritt an der Kreisstraße: Innerhalb des Spatenstich-Tags war zwischen Gundelsheim und Hallstadt die gesamte Teerschicht abgefräst. So dauere die Sperrung eventuell nicht so lange wie geplant. Zur Maßnahme sagt er: besser eine kleine Lösung als keine.


KOMMENTAR

Rein symbolisch

Wie ist doch immer so schön vom symbolischen Spatenstich die Rede. In Hallstadt fand diese Woche ein Spatenstich statt, der wohl als ein absolut symbolischer zu werten sein darf. Ausnahmsweise nicht deswegen, weil auch hier in einem Sandhaufen herumgestochert wurde, der einzig und allein des Pressebildes wegen aufgehäuft und mit Spaten traktiert worden war, um im Anschluss bestenfalls irgendwoanders tatsächlich verbaut zu werden.

Die Symbolik lag hier eher woanders und zwar in den Personen: Denen, die da waren und eben jenen, die fehlten.

Weil Landrat Kalb mit dem Projekt nichts Geringeres als einen Gordischen Knoten durchstoßen glaubt, hatte er auch den gesamten Kreistag eingeladen. Gekommen waren hier nur einige wenige Getreue und die nicht mal aus der eigenen Fraktion.

Das Erscheinen der CSU-Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner sorgte für gewissen Glanz.
Dafür hatte das Fernbleiben gerade der Gundelsheimer Bürgermeister wohl eine weitaus brisantere Symbolik. Dieser Termin war dem Gemeindeoberhaupt augenscheinlich nicht so wichtig, wie ein anderer. Auch so kann Enttäuschung durch Geringschätzung zum Ausdruck gebracht werden.
Sei's drum, egal wie man's wertet, zumindest die Straße wird jetzt verbessert.


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