Bamberg
Jubiläumsausstellung

Ausstellung informiert über Bamberger Kolpingsfamilie

Vor 200 Jahren, am 8. Dezember 1813, wurde der selige Gesellenvater Adolph Kolping geboren. Aus diesem Anlass wird am Donnerstag im Bistumshaus St. Otto eine Ausstellung eröffnet, die vor allem Schlaglichter auf die fast 160 Jahre alte Bamberger Kolpingsfamilie wirft.
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Bei vielen kirchlichen Festen tragen Kolpingsmitglieder ihre Verbandsfahne mit. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Bei vielen kirchlichen Festen tragen Kolpingsmitglieder ihre Verbandsfahne mit. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Der moderne Vorgesetzte von heute würde dieses Verbrechen mit einer Abmahnung oder fristlosen Kündigung ahnden. Damals, am 20. Juni 1853, waren die Zeiten noch andere. An jenem Tag wurde in Bamberg ein Schuhmachergeselle zu einem 18-monatigen Aufenthalt im Arbeitshaus verurteilt, weil er sich des "Verbrechens der Widersetzung" gegenüber seinem Meister schuldig gemacht hatte. Ereignet hatte sich der Vorfall an einem "blauen Montag". Die Presse bemerkte hierzu kritisch, dass in vielen Werkstätten auch am Sonntag gearbeitet werde und manche Handwerker daher am blauen Montag nicht zur Arbeit erschienen, um wenigstens einen freien Tag zu haben.

Insbesondere das katholische "Bamberger Volksblatt" griff diese Thematik immer wieder auf und forderte die Gründung eines Gesellenvereins, der sich um das sittliche und geistliche Wohlergehen der Handwerksburschen kümmern sollte.
Ein Gesellenverein also nach dem Vorbild dessen, den Adolph Kolping im Mai 1849 in Köln gegründet hatte. In zahlreichen größeren Städten wurden ebenfalls Katholische Gesellenvereine ins Leben gerufen: Gesellenvater Kolping hatte das Elend der Arbeiter in der bereits fortgeschrittenen Industrialisierung erkannt und wollte ihnen eine soziale Heimat geben.

Das "Bamberger Verbrechen" führte schließlich dazu, dass unter dem Protektorat von Erzbischof Bonifaz Kaspar von Urban am 2. Februar 1855 im Gasthaus "Zum Bären" in der Langgasse (heute Gasthaus Zum Sternla) der Gesellenverein gegründet wurde. Damit ist die Kolpingsfamilie Bamberg, wie der Verein inzwischen heißt, die älteste Kolpingsfamilie im Erzbistum Bamberg überhaupt und damit der Ursprung der ganzen Kolpingsbewegung in der Erzdiözese.

Eine Geschichte mit Zukunft

So stehen die Bamberger Kolpinger auch im Mittelpunkt der Ausstellung "Kolping 1813 - 2013: Kolping im Erzbistum Bamberg - eine Geschichte mit Zukunft". Die Schau wird heute von Erzbischof Ludwig Schick im Bistumshaus St. Otto eröffnet. Zumal der Erzbischof selbst seit Jugendjahren an ein "echter Kolpinger", also Kolpingmitglied, ist.

Anlass der Ausstellung ist der 200. Geburtstag des großen Sozialreformers Adolph Kolping, der 1991 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen wurde. "Wir haben bewusst die Ausstellungseröffnung auf den Kolpinggedenktag gelegt, den die Kolpingsfamilie Bamberg immer am Donnerstag zwischen Kolpings Sterbetag am 4. Dezember 1865 und seinem Geburtstag am 8. Dezember 1813 feiert", erklärt Wolfgang Burgis, Erster Vorsitzender der Kolpingsfamilie. Üblicherweise finde die Feier jedoch im Kolpingshaus am Mittleren Kaulberg statt. Das Haus war bereits 1857 durch einen Kauf von Erzbischof Urban dem Gesellenverein zur Nutzung überlassen worden und dient noch heute der Kolpingsfamilie als Treffpunkt.

Vorstandsmitglied Heiner Förtsch hat die Idee, eine Ausstellung zu planen und zu organisieren, in die Tat umgesetzt. Unterstützt wurde er dabei von Erhard Schraudolph, Geschäftsführer der Katholischen Erwachsenenbildung in der Stadt Bamberg mit Sitz im Bistumshaus. Herausgekommen ist ein Rundgang durch die Geschichte der Kolpingbewegung im Erzbistum Bamberg mit besonderen Schlaglichtern auf die Kolpingsfamilie in der Domstadt. Dazu boten historische Fotos, Urkunden, Dokumente und mehr, die im Diözesanarchiv aufbewahrt werden, den Grundstock. Die kostbaren Archivalien wurden geschont und daher von Manfred Koch, Leiter der Medienzentrale im Bistumshaus, für die Ausstellung kopiert.

Wertvollste der gezeigten Schätze sind sicher die Gründungsurkunde des Bamberger Gesellenvereins sowie der Originaleintrag von Adolph Kolping höchstpersönlich in die Liste der Ehrenmitglieder. Immerhin drei Mal - 1855, 1856 und 1858 - besuchte Kolping Bamberg. Auch die erste Vereinsfahne aus dem Jahr 1855 ist zu sehen. Daneben beleuchten großformatige Text- und Bildtafeln die facettenreichen Aktivitäten der Bamberger Kolpinger wie auch der verschiedenen Zweige des diözesanen Kolpingverbands mit 41 Kolpingsfamilien: Die Kolpingjugend und das Kolping-Bildungswerk gehören dazu. Allein das Bildungswerk erreicht jährlich mehr als 10 000 lern- und ausbildungswillige Jugendliche und Erwachsene mit seinen Kursen, Seminaren, Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen.

Vorsitzender Wolfgang Burgis fasst die vielen sozialen, Familienbezogenen und Generationen übergreifenden Aufgaben der Kolpinger - regionale wie internationale - mit einem Zitat des seligen Adolph Kolping zusammen: "Schön reden tuts nicht, die Tat ziert den Mann oder die Frau ..."

Ausstellung Die Ausstellung zur Verbandsgeschichte beginnt am Donnerstag, 5. Dezember, um 17 Uhr mit einem Gottesdienst in der Kapelle des Bistumshauses St. Otto, den Erzbischof Ludwig Schick in Konzelebration feiert. Zum Gottesdienst ist jeder eingeladen.
Danach gibt es für geladene Gäste einen Festakt, in dem Hubert Tintelott, ehemaliger Generalsekretär des Internationalen Kolpingwerkes, den Vortrag halten wird.

Öffnungszeiten Die Ausstellung im Bistumshaus St. Otto, Heinrichsdamm 32, ist bis zum 2. Februar 2014 zu sehen, Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr. Weitere Infos unter www.kolpingwerk-bamberg.de
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