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Außenwerbung im öffentlichen Raum: Gibt es bald digitale Plakatwände in Bamberg?

Die "Deutsche Städte Medien GmbH" bietet die Möglichkeit, in Bamberg jeweils zwei klassische Plakatwände durch eine digitale Tafel zu ersetzen.
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Die Fotomontage zeigt, wo beispielsweise  am Pfisterberg anstelle der konventionellen Plakatwand ein digitaler Werbeträger stehen könnte. Foto: Ronald Rinklef / Retusche: Franziska Schäfer
Die Fotomontage zeigt, wo beispielsweise am Pfisterberg anstelle der konventionellen Plakatwand ein digitaler Werbeträger stehen könnte. Foto: Ronald Rinklef / Retusche: Franziska Schäfer

Schnell wird klar, dass die beiden Herren von der "Deutsche Städte Medien GmbH" (DSM) schon häufiger mit städtischen Gremien zu tun hatten. Schließlich ist einer der ersten Sätze: "Wir wollen kein Las Vegas. Ein Bewegtbild wird es nicht geben. Es handelt sich um statische Informationsanlagen, die digital gespeist werden."

Diese Einordnung kommt von Andreas Weidner, Geschäftsstellenleiter der DSM in deren Bamberger Niederlassung. Das Unternehmen hat vor gut sechs Jahren die Konzession für das Recht erhalten, Werbeanlagen im öffentlichen Stadtraum errichten und betreiben zu dürfen. Die Grundlaufzeit endete offiziell Ende 2017, aktuell befindet sich der Vertrag in der dreijährigen Verlängerungsphase.
In der jüngsten Sitzung des Bau- und Werksenats erläuterten Andreas Weidner und sein Kollege Stefan Helbig, Regionalleiter Bayern, was sich in Zukunft tun könnte in Sachen Plakatwerbung. Das Stichwort auch hier: Digitalisierung.

Dazu hatten die Stadträte natürlich einige Fragen. Ursula Sowa von der Grün-Alternativen Liste (GAL) etwa wollte wissen, wie oft das Bild wechselt, wie lange der Bildschirm hell bleibt und wie viele Standorte überhaupt in Frage kommen.
Stefan Helbig dazu: "Wir schlagen mehrere Standorte vor. Aus diesen neun wären aus unserer Sicht vier an den Haupt- und Einfahrtsstraßen sinnvoll." Ein Standbild würde zehn Sekunden angezeigt, der Wechsel zum nächsten könne entweder sehr schnell oder beispielsweise in Wischtechnik eingestellt werden. "Auf die Frage zur Lichtemission kann ich sagen: In Bamberg wären die Tafeln von 24 Uhr bis 5.30 Uhr aus."

Pro neuer, digitaler Werbewand sollen jeweils zwei analoge Werbeträger abgebaut werden. Als mögliches Konzept für Bamberg wären laut Andreas Weidner nicht nur Werbebotschaften denkbar. "Man könnte auch Servicemitteilungen an die Bürger zeigen. Zum Beispiel Unwetterwarnungen, Hinweise zu Straßenumleitungen während des Weltkulturerbelaufs, oder Besucherstromlenkungen."

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Auch Fahndungsaufrufe denkbar

Einen Namen hat Weidner dafür auch: "Urbanes Informations- und Sicherheitsmanagement". So könnte etwa die Polizei Such- oder Fahndungsaufrufe - auch Terrorwarnungen - zügig auf den Großbildschirmen veröffentlichen. In Anspielung auf im Internet kursierende Falschmeldungen betont der DSM-Geschäftsstellenleiter: "Bei uns handelt es sich um Veröffentlichungen, denen man Glauben schenken kann."
BUB-Stadträtin Daniela Reinfelder wollte wissen, ob es "verkehrsrechtlich in Ordnung ist, wenn Informationen eingeblendet werden". "Die Stadtinformationsanlagen tragen nicht zu einer Verkehrsunsicherheit bei. Das sind Rückmeldungen aus anderen Städten. Die erste Anlage in Bayern steht zum Beispiel in Landshut", antwortete Andreas Weidner. Von mehreren Polizeipräsidien lägen zudem Gutachten vor.
Der Vertreter des Werbeunternehmens geht davon aus, dass man sich "auf dem Weg zu interaktiver Kommunikation" befände. "Werbemedien können Smart-City-Bausteine sein."

Doch was macht die digitale Aufbereitung von Werbung mit dem Welterbe-Status Bambergs? Feiert die Stadt doch dieses Jahr gerade dessen 25-jähriges Bestehen. Weidner gibt Entwarnung: "Uns schweben vier Anlagen in der Peripherie vor. Das Weltkulturerbe im Zentrum bleibt unberührt."
Mögliche Standorte könnten etwa an der Europabrücke sein, die Ecke Memmelsdorfer Straße/Am Heidelsteig oder am Pfisterberg. Die Anlagen würden zu 90 Prozent an örtliche Gewerbetreibende vermietet. Der Stadtverwaltung könnte das laut Weidner "zusätzliche Pachteinnahmen" bescheren.
Das war allerdings schon alles, was in Sachen Finanzen in der öffentlichen Sitzung des Bausenats zu erfahren war. Details wurden anschließend im nichtöffentlichen Teil besprochen. Doch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) kündigte an: "Vor der Sommerpause kommt das Thema noch mal auf die Tagesordnung."

Heinz Kuntke, ebenfalls SPD, findet es gut, dass das Thema noch in den Fraktionen besprochen werden kann. "Aber gibt es eigentlich ein Problem, weil dieses neue Medium im aktuellen Vertrag nicht genannt ist? Müssen wir neu ausschreiben?"
Andreas Weidner geht nicht davon aus. "Im bestehenden Vertrag haben wir eine Modernisierungsklausel drin." Die ist den Sitzungsunterlagen zu entnehmen: "Werbeanlagen, die (...) aufgrund des technischen Fortschrittes (neue Medien) oder Änderungen der allgemeinen Anschauung neu angeboten werden, können durch einvernehmliche Vertragsergänzungen aufgenommen werden."

Die Entscheidung liegt also am Ende bei den Stadträten.

Die "Deutsche Städte Medien GmbH":
Die DMS gehört zur Ströer-Gruppe: Das Unternehmen vermarktet Online- und Außenwerbung, zum Beispiel an Hauswänden, in Bahnhöfen, in Straßenbahnen oder Bussen. In Bamberg bekannt sind unter anderem Bus-Wartehäuschen mit Werbe-Wänden.

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