Laden...
Bamberg
Bauprojekt

Augustenhof Bamberg: Anwohner sollen sich fügen

Die geplante Wohnanlage auf dem Gewobau-Parkplatz wird nicht niedriger, wie es Anwohner erhofft hatten. Deren Belange sehen Stadt und Architekten dennoch berücksichtigt - etwa mit einem zurückversetzten Obergeschoss.
Artikel drucken Artikel einbetten
Stadtplanungsamtsleiter Andreas Burr (Mitte) erklärt Anwohnern und Stadträten vor Ort, wie der "Augustenhof" liegen soll. Foto: Matthias Hoch
Stadtplanungsamtsleiter Andreas Burr (Mitte) erklärt Anwohnern und Stadträten vor Ort, wie der "Augustenhof" liegen soll. Foto: Matthias Hoch
+1 Bild
Es war ein zähes Ringen am späten Abend im Bamberger Rathaus. Doch am Ende stand die Entscheidung: Der Bausenat hat den sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan für den großen Parkplatz im Bamberger Haingebiet knapp durchgewunken - mit sieben zu fünf Stimmen.

Auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Areal zwischen Augustenstraße, Amalienstraße, Main-Donau-Kanal und Wilhelmsplatz will die Gewobau das Projekt "Augustenhof" realisieren. Geplant sind zwei viergeschossige Wohngebäude mit Tiefgarage. In den zwei Häusern soll es insgesamt 28 Wohnungen geben, mit einer Größe von 55 bis 140 Quadratmetern. Die Penthouse-Wohnungen im obersten Stock sollen zwischen 120 und 200 Quadratmeter groß sein.

Gegen die Bebauung an sich hat eine Allianz aus Anwohnern der angrenzenden Küchelstraße nichts. Allerdings: "Wir wollen, dass ein Stockwerk wegfällt. Drei Geschosse statt vier", sagte Alt-Bürgermeister Rudolf Grafenberger. Er wohnt selbst seit 78 Jahren in einem Haus in der Küchelstraße und spricht für die Anlieger, die sich zum Ortstermin auf dem Gewobau-Parkplatz zusammengefunden haben. Ihre Sorge: Die zwei geplanten Wohnhäuser könnten zu hoch sein und lange Schatten werfen.


50 Einwände gegen Projekt

Bereits im Sommer hatte sich der Protest formiert. Zwischenzeitlich wurde das Projekt im Stadtgestaltungsbeirat diskutiert. Außerdem lagen die Pläne öffentlich aus, damit Behörden und Bürger ihre Belange äußern konnten. Das taten sie: "Aktuell liegen 50 Widersprüche zur Planung vor", betonte Anliegerin Bettina Popp. "Das sind nicht nur drei Anwohner von gegenüber, sondern der ganze Block. Bitte berücksichtigen Sie das", sagte sie an die Stadträte gewandt. Denn die würden im Bausenat eine Entscheidung treffen. Doch die war nicht einfach.
So lobte Birgit Dietz (CSU) zwar die Aufteilung in große und kleine Wohnungen, forderte aber eine zweite Lesung. "Ich sehe stadtplanerisch noch nicht die beste Lösung." Von einer zweiten Lesung versprach sich auch Ursula Sowa von den Grünen viel. Sie bezeichnete die Vorschläge der Bürger bei der Ortsbesichtigung als sehr konstruktiv. "Warum nicht die Geschossigkeit reduzieren und dafür an den Seiten andocken?", fragte sie. Und gab dann zu bedenken: "Wenn das so gebaut wird, wie vorgelegt, wird es einen Aufschrei geben."

Das sah Heinz Kuntke (SPD) allerdings ganz anders. "Ich weiß nicht, was sich hier noch verändern soll. Wir standen ja fast schon einmal vor dem Ende." Er glaubt, dass eine zweite Lesung nichts bringen würde. Die Wohnanlage passe ins Umfeld.

Im Zusammenhang damit drehte sich die Diskussion immer wieder um die "Geschosssigkeit" des "Augustenhofes". Hier hakte Franz Ullrich ein. Der private Stadtplaner erklärte, dass ein Lückenschluss der beiden Gebäude nicht automatisch hieße, dass diese auch niedriger würden. "Das Ganze könnte sogar noch höher werden, durch einen Anschluss an die Nachbargebäude." Dies sei städtebaulich sauber zu begründen. Man habe sich bewusst für eine offene Bauweise der beiden Wohnblöcke entschieden und die Belange der Privatleute abgewogen und berücksichtigt.

So wurde der städtebauliche Entwurf im Laufe des Prozesses überarbeitet. Wie Architektin Kristina Keidel ausführt, wurde beispielsweise das oberste Geschoss eingerückt. Außerdem erhalte diese Penthouse-Ebene anstelle eines ursprünglich angedachten Flachdaches ein so genanntes "flach geneigtes Walmdach" mit einer Neigung von zwölf Grad.

Laut Stadtplaner Ullrich werden durch eine vertikal gegliederte Fassade die Gebäude an das Erscheinungsbild des Haingebietes angeglichen. Zudem darf unter anderem ein alter Ahorn auf dem Gelände stehen bleiben.

Dennoch, Anwohnerin Bettina Popp sagt klar: "Ich fühle mich nicht gehört und unsere Einwände wurden nicht richtig berücksichtigt." Die Architektin ist sicher, dass die beiden Baukörper flacher, dafür aber breiter geplant werden könnten, etwa, indem man beide zusammenwachsen lässt. Dadurch soll die "Verschattung" verringert werden. Die wurde laut Stadtplaner und Architektin geprüft.

Dennoch sind die Anwohner skeptisch. Sie befürchten, "dass wir ab 15 Uhr im Schatten sitzen", so Bettina Popp.
Baureferent Thomas Beese machte jedoch in der hitzigen Diskussion im Bausenat klar, dass gerade die Entscheidung für eine offene Bauweise bewusst gefallen sei, etwa wegen des Durchblicks auf "das Grün". Und er sagte deutlich: "An einer so zentralen Stelle muss eine städtebaulich dichtere Bebauung her!" Man könne für den "Augustenhof" keine "zwei plus D"-Variante, also zwei Stockwerke plus Dach, empfehlen.

Nach dem jetzigen Plan werden die zwei Häuser inklusive Dach jeweils 13 Meter hoch. Beide wären damit niedriger als die umliegenden Gebäude. "Das Uni-Gebäude ist zirka 17 Meter hoch, das Anwesen der Gewobau etwa 15", erläutert Claus Reinhardt aus dem Baureferat auf Anfrage. Dennoch, Anwohnerin Bettina Popp betont: "Wir sind mit dem Beschluss unzufrieden und werden weitere Schritte prüfen."

Der Flächennutzungsplan zum Bauvorhaben muss noch durch die Vollsitzung des Stadtrats. Vielleicht zeigt sich bis dahin, wie diese "Schritte" aussehen könnten.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren