Bamberg

Augenzeugin berichtet über Situation der Christen in Pakistan

Die 57-jährige pakistanische Frauenrechtlerin Sabina Rifat hat an der Uni Bamberg aus ihrer Heimat berichtet. Religiös motivierte Gewalttaten von immer aggressiver auftretenden islamistischen Terrorgruppen bestimmen mehr und mehr den Alltag.
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Christen in der pakistanischen Stadt Hyderabad protestieren gegen den Anschlag in Peschawar. Foto: Nadeem Khawer/dpa
Christen in der pakistanischen Stadt Hyderabad protestieren gegen den Anschlag in Peschawar. Foto: Nadeem Khawer/dpa
Verwüstete Kirchen, ganze Dörfer, die einfach niedergebrannt werden, ein 90-jähriger Christ, der sich weigert zum Islam überzutreten und deshalb lebendig begraben wird - Pakistan in diesen Tagen. Religiös motivierte Gewalttaten von immer aggressiver auftretenden islamistischen Terrorgruppen bestimmen mehr und mehr den Alltag.

Die 57-jährige pakistanische Frauenrechtlerin Sabina Rifat berichtet aus ihrer Heimat. In einem Hörsaal des theologischen Instituts der Universität Bamberg hören ihr junge Studenten zu. Hören von extremer Armut, Frauen und Kindern ohne Bildungschancen und einer zunehmenden Radikalisierung. Ein Anschlag von zwei Selbstmordattentätern vor einem Jahr in einer Kirche in Peschawar habe unter den Christen über 100 Todesopfer gefordert, erzählt Rifat. Sie spricht ruhig, nahezu bedächtig. Trotz aller Grausamkeiten ist da nichts von Hass zu hören - im Gegenteil.
Rifat weist darauf hin, dass viele Muslime den bedrängten Christen auch helfen würden. Gefährlich seien nur die extremen Islamisten. Deren Zahl nehme allerdings beständig zu. Die Frauenrechtlerin hält sich anlässlich des Weltmissionssonntags am 26. Oktober in Franken auf. Sie wirbt um Verständnis für die Situation pakistanischer Christen, hofft auf Hilfe. Wirbt für eine Zukunft für die gut eine Million Katholiken im Land, die in Pakistan nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Andernorts in der Region sieht es noch schlimmer aus. Im Irak zum Beispiel. Rund drei Viertel aller Christen sollen inzwischen infolge des Terrors der IS-Milizen den Irak verlassen haben. Ein Geistlicher aus dem Norden des Landes spricht von einem kulturellen Genozid. Erstmals seit 2000 Jahren werde in Mossul kein Gottesdienst mehr gefeiert. Im benachbarten Syrien ist die Lage nicht besser. Vor Ausbruch des Bürgerkriegs vor über dreieinhalb Jahren bekannten sich zehn Prozent der 22 Millionen Syrer zum Christentum. Die christlichen Hilfswerke berichten, dass inzwischen rund ein Drittel von ihnen das Land verlassen habe. Sabina Rifat glaubt nicht daran, dass Pakistan ein ähnlicher Exodus droht. Die Christen würden ihrer Meinung nach trotz aller Bedrängnis in dem Land bleiben, in dem schon der Apostel Thomas vor fast 2000 Jahren missionierte. Auf die Frage, ob die radikalen Islamisten in Pakistan auch an nukleares Waffenmaterial gelangen könnten, heißt es nur, das pakistanische Militär verzeichne im Kampf gegen den Terror derzeit Erfolge.
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