Bamberg
Kirche

Aufstand gegen das Chaos der Welt

Tausende Pilger waren beim Karfreitagsbittgang mit Erzbischof Ludwig Schick dabei. Andere suchten an diesem stillen Feiertag die Kirchen auf.
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"Ein starkes Zeugnis des Glaubens": Erzbischof Ludwig Schick und die Bittgänger M MissionskreuzBarbara Herbst
"Ein starkes Zeugnis des Glaubens": Erzbischof Ludwig Schick und die Bittgänger M MissionskreuzBarbara Herbst
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Nein, ein unbeschwerter Morgenspaziergang war das nicht. Obwohl die Vögel fröhlich zwitscherten, und die aufgehende Sonne mit einem grandiosen Farbspiel am Himmel den Vollmond ablöste. Dieser Karfreitagsbittgang von der Oberen Pfarre zur Altenburg, dann zum Rothof und zu St. Getreu war ein Aufstand gegen das Chaos in der Welt und die Unordnung im eigenen Leben. Tausende Pilger, darunter viele junge Menschen, schleppten ihre Kreuze: betend, singend. Oder sich schweigend dem überlassend, der einst für alle den Kreuzweg durchlitten hat.

Ein "starkes Zeugnis des Glaubens" nannte denn auch Erzbischof Ludwig Schick den Bittgang bei dessen Abschluss am Missionskreuz bei St. Getreu. "Wer betet, der liebt auch!" fasste er die greifbar tiefe Stimmung zusammen. Der Erzbischof war von Beginn an gemeinsam mit den Pilgern unterwegs, die schon traditionellerweise auch heuer von Kruzifixträger Robert Dennefeld angeführt wurden.

"Wer betet, der liebt auch": Ja, erst die Liebe macht wohl möglich, aus Einsicht Ungutes zu ändern und Dinge neu auszurichten. Aufzustehen gegen Ungerechtigkeit, Unfrieden, Leid und Elend, Ausweglosigkeit und Betrübnis. Immer wieder erklang auf dem Pilgerweg der Ruf "Erbarme dich unser, gekreuzigter Herr Jesus Christus". Nicht nur der steile Anstieg zur Altenburg brachte beim "Schmerzhaften Rosenkranz" ins Schnaufen. "O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden..." bündelte all das, was persönliche Schuld ausmachen kann.

Fülle an Bitten

In seinen frei formulierten Fürbitten am Rothof nahm Erzbischof Schick diese stummen Anliegen der Bittgänger auf: "Dass sie im Glauben und in der Liebe Frieden und Heil erfahren". Und dann bestürmte er mit einer Fülle an Bitten den Himmel, die das Unfassbare in dieser Welt anrissen: "Ich bete für die Menschen, die in den Kriegsgebieten Syrien, Irak, im Sudan, Jemen, der Ukraine leben und leiden. Ich bete für die Menschen auf der Flucht und die als Asylbewerber eine neue Bleibe und Heimat suchen. Ich bete für die Opfer des tragischen Busunglücks auf Madeira und deren trauernden Angehörigen. Ich bete für die Franzosen und die Bevölkerung von Paris, die vom Brand von Notre Dame besonders berührt sind. Ich bete für die verfolgten und bedrängten Christen weltweit, für die Einheit der Christen und für den interreligiösen Dialog, für Frieden und Gemeinwohl."

Die bischöflichen Fürbitten galten auch den Verantwortungsträgern in Stadt und Landkreis. Den kranken, älteren und hilfsbedürftigen Menschen, den Familien, den Kindern und Jugendlichen um eine positive Entwicklung.

Auch für die Anliegen der Kirche betete Erzbischof Schick, für Papst, Priester und pastorale Mitarbeiter, "dass sie in Verkündigung, Gottesdiensten, im caritativen und sozialen Engagement selbstlos und in Freude ihren Dienst zum Wohl der Menschen entsprechend dem Evangelium verrichten".

Heil, Leben und Hoffnung

Die Karfreitagsbittgänger nahmen auf der letzten Wegstrecke das Vorgetragene mit. Bekannten in der Schlussandacht noch einmal eindrücklich, dass "im Kreuz Heil, Leben und Hoffnung ist". Zuversichtlich klang auch das Wort des Erzbischofs, dass er allen mit seinem Segen mitgab: "Die Ostersonne leuchtet schon!" wies er in Richtung Feuerball am Himmel.

Im Laufe des Tages gab es noch viele weitere Bamberger, die in den Kirchen auf der Suche nach "Ostersonne" waren. Sie verharrten im stillen Gebet - etwa vor dem blumengeschmückten Heiligen Grab in der Nagelkapelle des Domes -, oder feierten die Karfreitagsliturgie zur Sterbestunde Jesu mit.

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