Ebrach
Bewerbung

Aufbruch in Richtung Kulturerbe

Gemeinsam mit 18 weiteren Zisterzienser-Stätten in Europa strebt Ebrach die Auszeichnung an. Koordinator des Projekts ist der Landkreis Bamberg.
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Bänder von den Zisterzienserklöstern in Europa sind verbunden mit den Gästen der Auftaktveranstaltung zur Bewerbung um das Kulturerbesiegel in Ebrach.Joseph Beck
Bänder von den Zisterzienserklöstern in Europa sind verbunden mit den Gästen der Auftaktveranstaltung zur Bewerbung um das Kulturerbesiegel in Ebrach.Joseph Beck
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In der Europäischen Union wurden bisher 38 Stätte des europäischen Kulturerbes mit einem Siegel ausgezeichnet. Dazu sollen zukünftig auch zisterziensische Klosterlandschaften zählen. Der Landkreis Bamberg möchte die Klosterlandschaft Ebrach im Steigerwald zusammen mit 18 weiteren Partnerstätten in fünf Bundesländern und sechs europäischen Ländern unter dem Titel "Cisterscapes - Cistercian landscapes connecting Europe" (Zisterziensische Landschaften verbinden Europa) als transnationales Europäisches Kulturerbe ausweisen lassen.

Zwei Jahre Vorbereitung

Als Koordinator dieses Projektes fungiert der Landkreis Bamberg, der mit einer Auftaktveranstaltung in Ebrach die Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarungen durch die europäischen Partnerstätten feierte und somit am Start des zweijährigen Projekts zur Vorbereitung der Bewerbung steht.

Zu Beginn des Festtages hatten sich rund 30 Wanderer mit ihrem Führer Norbert Dietmeyer aus dem ehemaligen Ebracher Möncheigen Sulzheim (Landkreis Schweinfurt) für die "Zisterzienserwanderung" über Gerolzhofen und Handtal nach Ebrach auf den Weg gemacht. Im Oberen Abteigarten wurden sie bei strahlendem Sonnenschein von der Koordinatorin des Gesamtprojektes, Birgit Kastner, und den angereisten Politikern und Ehrengästen empfangen und nach einer Stärkung in die Klosterkirche geleitet.

Investitionen bei vier Millionen Euro

In der prächtigen, ehemaligen Klosterkirche stimmte der Liederkranz 1861 Ebrach unter seinem Dirigenten Rolf Nikolay mit der Hymne "Freude schöner Götterfunke" musikalisch auf den Festakt ein.

Bambergs Landrat Johann Kalb (CSU) begrüßte Zisterzienser-Pater Petauer Branko vom Kloster Sticna aus Slowenien und Zisterzienser-Abt Philipp Heim aus dem Stift Rein in Österreich. Dieses ist das älteste durchgehend bewohnte Zisterzienserkloster der Welt und wurde 1129 noch zu Lebzeiten des Ordensgründers Bernhard von Clairvaux von Mönchen aus Ebrach gegründet.

"Mit dem Vorhaben ,Europäisches Kulturerbe-Siegel' wollen wir neue Impulse für die Region setzen und uns stärker mit Europa vernetzen", sagte Kalb. Die geplante Bewerbung mit den Partnern aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Polen, Slowenien und Tschechien sei in ihrer Dimension sowohl die größte transnationale Bewerbung als auch das bislang umfangreichste Projekt für den Hauptfördergeber Leader Bayern. Es werde von 50 kommunalen und bürgerschaftlichen Partnern getragen, die sich zu einer Investition von vier Millionen Euro verpflichtet hätten, führte der Landrat aus.

Freistaat als größter Geldgeber

Ziel sei es, die historische Kulturlandschaft ins Bewusstsein zu rücken, zu vermitteln, touristisch aufzuwerten und für die Weiterentwicklung ländlicher Gebiete zu nutzen. Dazu sollen Investitionen in die Infrastruktur und die Entwicklung von Multimedia-Landschaftsmodellen erfolgen. Er dankte dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das über Leader 80 Prozent der Netto-Kosten fördere sowie der Oberfrankenstiftung, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und den Diözesen Würzburg und Bamberg.

"Schließlich soll noch ein europäischer Fernwanderweg entstehen, der die Klosterlandschaften von Ost nach West über 1300 Kilometer miteinander verbindet und auch touristisch erschließt", schloss Kalb mit sichtbarer Freude.

Besondere Verantwortung

Wissenschafts- und Kunstminister Bernd Sibler gestand, dass er ebenso wie Abt Philipp das erste Mal in Ebrach sei, dass es aber hier wunderschön sei. Deutschland liege in der Mitte von Kerneuropa und habe eine besondere Verantwortung. Dann kam Sibler auf die Brexitbefürworter zu sprechen. Er zeigte sich erschüttert, dass sie bei der Konstituierung des Europaparlaments bei der Hymne dem Präsidium den Rücken gekehrt hätten. "Das sind Dinge, die mir als Wissenschafts- und Kunstminister wehtun", sagte er und fuhr weiter: "Ohne die großen Universitäten Oxford, Cambridge und London kann man sich Europa nicht vorstellen."

Wo sind denn unsere Grundwerte, fragte der Minister dann und zählte Humanitas und Toleranz als griechisch-römische Wurzeln auf. Beim Exkurs auf die christliche Soziallehre nannte er Subsidiarität, Solidarität und Personalität als die wesentlichen Punkte. Nach diesen christlichen Wurzeln nannte Sibler nach den Geschehnissen in Halle mit besonderem Bewusstsein die jüdische Wurzel, die wir haben.

Stellvertretend für die Partnerstädte sprach in fließendem Deutsch Jana Fischerová, Vizepräsidentin für Kultur und Tourismus aus Tschechien. Sie erwähnte den Mauerfall vor 30 Jahren und die Möglichkeit, frei zu reisen. Sie sicherte die Unterstützung des Projektes zu und dankte, dass die Grenze immer noch offen sei, um den Austausch durch Kultur und persönliche Kontakte weiter pflegen zu können.

Die Festandacht hielten die beiden Zisterziensermönche und Domkapitular Norbert Jung. Er sprach im Namen der Erzdiözese, die ja auch Partner sei, aber auch als Ordensreferent. Er freue sich, dass wenigstens für kurze Zeit zisterziensisches Leben hierher zurück gekehrt sei. Abt Philipp zitierte in Latein aus der Benediktsregel und sagte, dass die Zisterzienser schon eine gemeinsame europäische Sprache hatten, die ein guter Teil beherrschte. Auch habe Euro durch die Zisterzienser zusammengefunden. Nach der Festandacht konnten die Besucher noch die Ausstellung in der Kirche besichtigen.

Nominierung 2023 geplant

Bürgermeister Max-Dieter Schneider führte den Minister und die Politiker noch kurz in die Abtei, wo er ihnen das Zimmer des Abtes zeigte und um einen Zuschuss zu einer unerwarteten Erweiterung bei der Renovierung bat. Natürlich durfte ein kurzer Blick in den Kaisersaal nicht fehlen. Dann trafen sich alle im Abt Degen-Keller zum Empfang, Umtrunk und Eintrag in das Gästebuch des Marktes Ebrach. Der Chor umrahmte auch diesen Teil wieder musikalisch.

Nun ist das Ziel, bis 2021 die Bewerbung zu erstellen und dann die Nominierung 2023 zu erreichen. Die Hoffnung, das Europäische Kulturerbe-Siegel zu erhalten, war spürbar. "Unser Fernziel aber ist auch hier ein Welterbetitel", betonte Kalb.

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