Bamberg
Technik

Aufbruch in neue Welten

Das Informationszeitalter beginnt und mit dem C64 kommen Programmiersprachen und Computerspiele nach Hause, aber die 80er bringen auch neue Technik in den Haushalt.
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Ein C64 mit Floppy, dem Diskettenlaufwerk "Datasette" und einem JoystickFoto: Konrad Breunig
Ein C64 mit Floppy, dem Diskettenlaufwerk "Datasette" und einem JoystickFoto: Konrad Breunig
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Einen Aufbruch in bisher unbekannte Welten, neue Technik und ungeahnte Möglichkeiten. In den 80er Jahren wurden technische Grundlagen gelegt, die unter anderem das Internet und alles, was damit zusammenhängt, erst ermöglicht haben.

Das erste Spaceshuttle "Columbia" startete am 12. April 1981. Der "Enterprise" genannte Prototyp, der seinen Namen den Star-Trek-Fans in den USA verdankt und der jetzt im "Intrepid Sea-Air-Space Museum" in New York ausgestellt ist, war niemals für einen Start ins All gebaut worden. Im Rückblick ist der Start des Shuttles ein Sinnbild für den technischen Aufbruch, ein Versprechen, dass im kommenden Jahrzehnt auch die kühnsten Träume von Technikfreaks wahr werden könnten.

Das Internet existierte in seinen Anfängen nur auf Großrechnern von Universitäten und diente dazu, deren Leistungen gemeinsam zu nutzen und auf diese Weise zu steigern. An eine Vernetzung von wie auch immer gearteten Rechnern hatten freilich Mathematiker schon lange vorher gedacht. In den 80ern wurden die Grundlagen dafür gelegt, dass ihre Vorstellungen von miteinander kommunizierenden Rechnern Wirklichkeit wurden und das Internet in den 90er Jahren auch für Techniklaien nutzbar werden konnte. Die wiederum bekamen 1982 mit dem Commodore C64 ihren ersten erschwinglichen Heimcomputer.

Erstes Windows

Die Faszination, die Computer und das Programmieren auf viele bis heute ausüben, nahm hier ihren Anfang. Viele lernten Programmiersprachen wie Basic, Pascal oder Cobol. Der Willkommensbildschirm und ein erwartungsvoll blinkender Cursor forderten den Besitzer auf, Befehle einzugeben. Oder Stunden damit zu verbringen, sogenannte Listings - lange Befehlsreihen - abzutippen, um anschließend mit einem Joystick Striche und Punkte auf dem Bildschirm zu bewegen. Es dauerte allerdings nicht lange, bis aus diesen unscheinbaren Figuren grafisch anspruchsvollere wurden, die zudem den Klang einer Spielhölle im Jugendzimmer verbreiteten. Hatte man sich allerdings beim Abschreiben vertippt, erschien ein "Runtime Error", der auf die fehlerhafte Zeile hinwies.

Eine neue Ära und der Anfang vom Ende des C64 begann 1985 mit der Vorstellung des ersten Windows-Betriebssystems. Die Idee des Microsoft-Gründers Bill Gates, Windows auf IBM-Rechnern zu installieren und beides zusammen zu verkaufen, war die Grundlage für Microsofts Erfolg. Obwohl Steve Jobs schon 1984 den ersten Macintosh mit einer grafischen Benutzeroberfläche vorstellte, blieb Apple zunächst ein Nischenprodukt, was auch daran lag, dass er in Deutschland bis zu 10 000 DM kostete.

Dafür bekam man ein beigefarbenes Kunststoffgehäuse, in dem quasi alles verpackt war - bis auf Tastatur und Maus natürlich. Damit konnte man den Macintosh, der seinen Namen einer Apfelsorte verdanken soll, intuitiv bedienen und mit Hilfe eines Mauszeigers Fenster auf der Bildschirmoberfläche hin und her bewegen. Das war für Freaks mindestens so revolutionär wie das Fehlen einer Kommandozeile.

Sony schuf mit seinem Walkman die Möglichkeit, die Lieblingsmusik immer dabei zu haben. Vorausgesetzt, sie befand sich auf einer Kassette, die noch nicht der Tod durch Bandsalat ereilt hatte. Einige Geräte hatten eine orangefarbene Hot-Taste, die die Lautstärke herabsetzte und ein externes Mikrofon aktivierte. Manche verfügten über zwei Kopfhörer-Ausgänge, so dass man zu zweit Musik hören konnte. Der Urahn aller Walkmen, der TPS-L2, kostete in Deutschland 400 DM, obwohl er Musik nicht erschütterungsfrei abspielen konnte. Apple-Chef Steve Jobs inspirierte der Walkman später zum iPod.

Das VHS-Format setzte sich gegen Video 2000 durch und verhalf dem Videorekorder zum Durchbruch in privaten Haushalten. Kaufkassetten waren noch die Ausnahme und so wurden Filme, die im Fernsehen liefen, aufgenommen, ins eigene Archiv übernommen oder mehrfach überspielt. Weil der Kopierschutz noch nicht erfunden war, konnte man Filme leicht kopieren - indem man zwei Videorekorder per Scart-Kabel verband

Ende der 70er Jahre gingen Prognosen davon aus, dass jährlich 120 000 Mikrowellen verkauft werden konnten. In Deutschland lief der Absatz allerdings schleppend, was zum einen an den Essgewohnheiten gelegen haben mag. Zum anderen gab es eine ganze Reihe an Gerüchten darüber, wie gesundheitsschädlich Essen, das mit der Mikrowelle zubereitet worden war, sei - von den Strahlen, an denen man sich verbrennen konnte, ganz zu schweigen. Hatte man es dann doch gewagt, beispielsweise eine Tiefkühlpizza in die Mikrowelle zu geben, war das Ergebnis enttäuschend, denn die ersten Mikrowellen schafften es nicht, die Pizza gleichmäßig heiß zu bekommen. Das änderte sich, als Kombigeräte auf den Markt kamen, die bräunen und knusprige Krusten herstellen konnten.

Statt wie früher mit Tonband gab es in den 80ern Anrufbeantworter mit Kassetten. Die Geräte wurden kleiner. Anfang der 80er kosteten sie zwischen 1300 und 3000 DM. In den späten 80ern wurden sie erschwinglicher. Man durfte aber nur von der Bundespost zugelassene ABs verwenden, die allerdings eingeschränkte Funktionen hatten. Deshalb waren etliche illegale im Einsatz. Problematisch war auch deren Anschluss, denn später gebräuchliche Stecker gab es noch nicht, und das Öffnen der (posteigenen) Anschlussdose war nicht erlaubt. Bei der Deutschen Bundespost konnte man auch einen Telefonauftragsdienst mieten, der für 3 DM am Tag Anrufe entgegennahm.

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