Bamberg

Auf lokaler Ebene "die Welt retten"

Der Migranten- und Integrationsbeirat der Stadt Bamberg wird neu gewählt.
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Mohamed Hédi Addala informiert in seiner Sprechstunde Ali Mahmoud über die Wahl des Migranten- und Integrationsbeirats.                 Foto: MarionKrüger-Hundrup
Mohamed Hédi Addala informiert in seiner Sprechstunde Ali Mahmoud über die Wahl des Migranten- und Integrationsbeirats. Foto: MarionKrüger-Hundrup
Über mangelnden Zulauf kann sich Mohamed Hédi Addala absolut nicht beklagen. Wenn der Vorsitzende des Migranten- und Integrationsbeirats (MIB) der Stadt Bamberg im Rathaus Geyerswörth seine Sprechstunde hält, strömen die Ratsuchenden: Ausländische Einwohner mit einem gültigen Aufenthaltstitel, eine Aufenthaltsberechtigung, Eingebürgerte. Das sind genau 10780 Personen aus 133 Ländern von Afghanistan über Bangladesch, China, Frankreich, Indien und Italien bis hin zu Nigeria, Peru, Seychellen oder Vietnam. Die Bewohner der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) werden nicht mitgezählt. Aber die 1200 Studenten der Bamberger Universität mit
ausländischen Wurzeln.

"Für den Migranten- und Integrationsbeirat sind alle Nationen, Hautfarben, Religionen gleich, wir sind ein neutrales Gremium und mit keiner Partei verbunden", erklärt Addala. Nach 24 Jahren an der Spitze des MIB, der 1994 als "Ausländerbeirat" ins Leben gerufen wurde, bilanziert der gebürtige Tunesier die Integrationsarbeit des MIB so: "Auf lokaler Ebene konnten wir dank vieler Unterstützer viel bewegen und initiieren", die "Interkulturellen Wochen" etwa oder das "Radeln gegen Rassismus", Foto-Ausstellungen, Diskussionsveranstaltungen, Schüler- und Frauenaktionen, interreligiöse
Angebote und mehr. "Dabei kommt uns unser sehr feinmaschiges Netzwerk von Helfern zugute", freut sich Addala und lächelt: "Wir glauben fest daran, dass man die Welt schrittweise retten kann durch viele große und kleine Initiativen, die das friedliche Zusammenleben von Bambergern mit und ohne
deutschen Pass fördern."

Für den Vorsitzenden des MIB und seine Stellvertreterin Mitra Sharifi ist es ein Herzensanliegen, Respekt und Toleranz zwischen den verschiedenen Kulturen zu fördern, Rassismus und Diskriminierung zu bekämpfen. Die beiden nehmen jedoch nicht nur die Bamberger in die Pflicht, sondern auch die Migranten. Sie seien wie "Kleingärtner", die vielerorts Ableger eines Baumes
pflanzen, der Früchte trägt: "Vielleicht kann der Friedenszweig einmal überall gedeihen", meint Mohamed Hédi Addala.

Sein 53-jähriger Landsmann Ali Mahmoud (Name geändert) ist so ein Gärtnerlehrling: Seit 2003 lebt er in Bamberg, spricht fließend Deutsch, sorgt durch seine Hände Arbeit für den Lebensunterhalt. Doch nun hat sein bisheriger Arbeitgeber den befristeten Vertrag nicht verlängert, und Ali braucht Addalas Hilfe. Der MIB-Vorsitzende hat sich bereits mit der Agentur für Arbeit in Verbindung gesetzt und einen Termin vereinbart. "Ich will arbeiten und meine Steuern hier bezahlen!", betont Ali Mahmoud. Er würde auch eine neue Ausbildung anfangen, da sein tunesischer Magisterabschluss in
Deutschland nicht anerkannt werde. In der alten Heimat habe er als Gymnasiallehrer gearbeitet, wie auch seine Dokumente belegen.

Das, was in den Beratungsstunden im Rathaus Geyerswörth im Detail besprochen wird, ist natürlich vertraulich. Doch was die kommenden Wahlen zum MIB anbelangt, ist Öffentlichkeit durchaus erwünscht. Nachdem die privaten Lebensfragen geklärt sind, zückt Addala einen Flyer und hält ihn Ali Mahmoud hin: "Es ist eine Chance, demokratisch wählen zu können!" wirbt der MIB-Vertreter um Alis Stimme für die Kandidaten. "Wählen und gewählt werden", fasst Addala die Möglichkeiten für die ausländischen Einwohner ab 18 Jahren zusammen. Denn Migranten - Männer wie Frauen - könnten für den MIB kandidieren und zur Gestaltung der Integrationsarbeit beitragen: "Wir bitten bis zum 17. Mai um Wahlvorschläge", sagt er.

Die Wahl selbst erfolgt durch Brief. Spätestens bis zum 16. Juni sollen die Wahlunterlagen verschickt werden. Bis zum 6. Juli können diese ausgefüllt und per Post oder persönlich im Rathaus abgegeben werden.

Am 30. Juni gibt es auf dem Maxplatz ein "Fest der Vielfalt", auf dem die Kandidaten vorgestellt werden: "Je bunter der Migrations- und Integrationsbeirat wird, desto besser, sonst dominieren die nationalen Probleme", sagt Mitra Sharifi zur möglichen Zusammensetzung. Die Zahl der Sitze im Beirat richte sich nach der Anzahl der Staatsangehörigen einzelner Nationalitäten in Bamberg. Der neue Beirat werde maximal 22 Sitze haben: Jeweils einen Sitz bekommen Nationen mit 201 bis 800 Staatsangehörigen, zwei Sitze Nationen mit 801 bis 1500: das sind Syrien und die Türkei. Alle
anderen Nationen haben weniger als 201 und bilden Sammelgruppen für insgesamt fünf Sitze.

Auf der Homepage des Migranten- und Integrationsbeirats gibt es Informationen in mehreren Sprachen: www.mib.stadt.bamberg.de

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