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Bamberg
Konzert

Auf dem Weg zum Glück

Pater Anselm Grün und Rockpfarrer Clemens Bittlinger brachten die vollbesetzte Erlöserkirche zum Beben - mit Liedern zum Mitsingen und Texten zum Mitbeten.
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"Nicht Unglück zu haben ist schon Glück": Pater Anselm Grün  Alle Fotos: Ronald Rinklef
"Nicht Unglück zu haben ist schon Glück": Pater Anselm Grün Alle Fotos: Ronald Rinklef
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Pfarrerin Anette Simojoki hatte nicht zu viel versprochen: "Sie werden an diesem Abend glücklich nach Hause gehen", versicherte sie den Hunderten Besuchern in der Erlöserkirche, die sich zu diesem Konzerterlebnis mit Rockpfarrer Clemens Bittlinger und Pater Anselm Grün eingefunden hatten.

Tatsächlich gab es am Schluss des Glücksreigens Standing ovations und erklatschte Zugaben, strahlende Gesichter und fröhliches Lachen. Die beiden Quotenkönige Bittlinger und Grün schafften es im Handumdrehen, dem doppeldeutigen Titel des Konzertes gerecht zu werden: "Zum Glück gibt es Wege". Gefunden ganz ohne Apps auf dem Smartphone, das für den evangelischen Pfarrer mehr ein "Stupidphone" ist, "mit dem die Zeit totgeschlagen wird wie ein Schädling und Ungeziefer". Dabei "haben wir Zeit in der Endlichkeit". Oder letztlich Unendlichkeit.

Dank der kongenialen musikalischen Begleiter David Plüss am Keyboard und David Kandert mit Percussion gelang es Clemens Bittlinger an wechselnden Gitarren sehr schnell, den Zuhörern einzuheizen. Der Funke sprang flugs über, und die ehrwürdige Erlöserkirche bebte: Hunderte Stimmen sangen die Refrains der eingängigen Lieder mit. Zumal "der glücklicher ist und länger lebt, der viel singt", wusste Bittlinger.

Dabei schürften seine Songs durchaus tief. Sie thematisierten "unsere Neidgesellschaft", die Not der Flüchtlinge und Obdachlosen, Tod und Auferstehung: "Wir stolpern an glücklichen Momenten in unserem Leben vorbei, irgendetwas ist immer." Doch "einander und sich selbst vertrauen, ist ein Weg zum Glück".

Auch Anselm Grün, der Benediktinerpater aus der Abtei Münsterschwarzach, wurde seinem guten Ruf als spiritueller Wegbegleiter mehr als gerecht. Er entfaltete Weggeschichten aus der Bibel, die "einander glücklich machen", wie beispielsweise die Begegnung der beiden schwangeren Frauen Maria und Elisabeth. "Wir brauchen Menschen, um Glück zu erfahren", ermutigte der Mönch zu lebensspendenden Kontakten - ohne sich immer unter Druck zu setzen, sondern "einfach nur mal da sein".

Freiheit ohne Lottogewinn

Anselm Grün sprach von Liebe, Freude, die das Herz frei macht. Überhaupt von "innerer Freiheit" auch ohne Lottogewinn. Von dem Sonntag als Zeit zum Innehalten, von der Annahme der eigenen Begrenztheit und von Dankbarkeit, die sich in ein Glücksgefühl verwandelt: "Nicht Unglück zu haben ist schon Glück", meinte der Benediktiner. Verblüffend, wie er die Seligpreisungen aus Jesu Bergpredigt auslegte als "Wege zum gelingenden Leben". Und wie er die große versammelte Schar in der Kirche dazu brachte, mit ihm in ein 1600 Jahre altes Segensgebet einzustimmen.

Pater Anselm Grün hatte Deutschland als Missionsland bezeichnet. Was er und Clemens Bittlinger in Bamberg leisteten, war Verkündigung pur. Eine, die wahrhaft froh und glücklich machte.

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