Bamberg

Auch Roboter müssen viel lernen

Ein Glas Apfelsaft aus der Küche holen - für Roboter ist das eine ziemlich schwierige Aufgabe. Wie man ihnen das beibringen kann und was sie wohl nie können werden, das hat Ute Schmid bei der ersten Frühlings-Kinder-Uni erklärt.
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Ute Schmid erklärt den Studenten der Kinder-Uni Bamberg, wie man Robotern etwas beibringen kann.  Fotos: Matthias Hoch
Ute Schmid erklärt den Studenten der Kinder-Uni Bamberg, wie man Robotern etwas beibringen kann. Fotos: Matthias Hoch
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Stell Dir vor, es gäbe einen Roboter, der Deine Mathe-Hausaufgaben für Dich macht. Wäre das nicht toll?! Der Roboter rechnet, Du könntest spielen gehen. Und weißt Du was? Solche Roboter gibt es schon! Denn Rechnen können Roboter ziemlich gut und ziemlich schnell, sagt Ute Schmid. Sie arbeitet an der Uni Bamberg und erforscht, wie man Robotern etwas beibringen kann.
Manchmal ist das einfach, denn Roboter können einige Sachen besser als wir Menschen. Zum Beispiel sich an Dinge erinnern. Und Schachspielen. Also lauter Dinge, bei denen man nicht kreativ sein muss, sondern nur Regeln anwendet.
Deswegen könnte der Roboter Deine Hausaufgaben auch nur machen, wenn es ganz normale Rechnungen wären.
Schon Textaufgaben könnte er nicht mehr, weil er zwar rechnen kann, aber nicht den Sinn von Sätzen versteht: Wenn Mama in der Bäckerei fünf Brötchen für je 40 Cent und ein Brot für 2,50 Euro kauft und der Verkäuferin fünf Euro gibt, weißt Du bestimmt sofort, was zu tun ist: Du sollst ausrechnen, wie viel Rückgeld Mama bekommt. Ein Roboter hat keine Ahnung, was er rechnen soll, weil er sich weder unter "Mama", noch unter "Bäckerei" etwas vorstellen kann!
Deswegen können Roboter auch nicht gut Witze erzählen. Und Fahrradfahren können sie auch nicht. Denn wenn Du mit Deinem Fahrrad auf der Straße fährst, machst Du drei Sachen gleichzeitig: Du fährst, Du beachtest die Verkehrsregeln und Du reagierst auf deine Umgebung. Du bremst zum Beispiel, wenn plötzlich ein Auto kommt. Für den Roboter ist das viel zu viel.


Kleckerfrei einschenken ist nicht einfach

Woran liegt das, dass wir viele Sachen können, die für Roboter ganz schwierig sind? Das liegt daran, dass wir so gut lernen können, sagt Ute Schmid. Und daran, dass wir immer lernen, egal, was wir machen. Eine Fliege kann das nicht. Wenn sie gegen eine Scheibe fliegt, vergisst sie sofort wieder, dass sie so nicht nach draußen kommt - und fliegt noch mal dagegen. Weil sie nicht lernen kann.
Ein Roboter ist so ein Mittelding zwischen einer Fliege und uns: Er kann lernen - aber es ist ziemlich kompliziert, ihm etwas beizubringen. Es gibt einen Roboter, der heißt Armar. Er ist etwa so groß wie ein Erwachsener und blau. Und er übt schon ziemlich lange, eine Packung Apfelsaft aus dem Kühlschrank zu holen und einen Becher voll einzuschenken.
"Haha", sagst Du jetzt bestimmt, "so ein Blödmann, das ist doch ganz einfach!" Aber man muss ziemlich viel wissen, damit man das richtig hinbekommt: Erst einmal musste Armar lernen, nicht ständig gegen die Wände zu laufen. Außerdem brauchte er Wissen über die Welt. Denn woher soll ein Roboter wissen, dass der Apfelsaft im Kühlschrank ist? Am Anfang wusste er ja nicht einmal, dass es Kühlschränke gibt! Dann muss er lernen, zu erkennen: Der Apfelsaft ist in der Packung mit dem runden Bildchen drauf. Aber nicht in der mit dem orangefarbenen Bildchen - das ist Orangensaft.


Außerdem mussten die Forscher ihm beibringen, wo der Becher ist und wie er ihn anfassen muss, um ihn nicht zu zerquetschen. Das ist besonders schwierig, weil es in der Hand sehr viele Gelenke gibt, die man bei einem Roboter einzeln einstellen muss. Und als letztes lernte Armar, den Apfelsaft nicht neben den Becher zu schütten.

Roboter gucken bei Menschen ab

Vielleicht fragst du dich jetzt, wie die Forscher ihm das alles beigebracht haben? Genauso, wie Deine Lehrer Dir etwas beibringen: Sie haben ihm erklärt, was er machen muss. Zum Beispiel haben sie gesagt: "Armar, geh zum Kühlschrank!" Und weil sie vorher die Bedeutung des Wortes "Kühlschrank" in sein Gehirn programmiert hatten, wusste Armar, wohin er gehen muss.
Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit: Armar hat einen Bruder. Der heißt auch Armar, ist aber nicht blau, sondern rot. Dieser Armar lernt durch nachmachen: Er guckt einem Forscher zu, wie der zum Kühlschrank geht - und dann läuft er ihm hinterher. Eigentlich lernen Roboter also wie wir auch. Nur, dass es bei uns viel schneller geht. Babys können zum Beispiel schon mit einem halben Jahr nach ihrem Schnuller greifen und ihn sich in den Mund stecken.
Deswegen sagt Ute Schmid, dass wir froh sein sollten, dass uns Lernen so leicht fällt. Und dass es nicht gut wäre, wenn ein Roboter unsere Mathe-Hausaufgaben machen würde. Denn dann würden wir ja nie lernen, wie viel Rückgeld wir bekommen und würden immer wieder betrogen. Wie die Fliege, die immer wieder gegen die Scheibe fliegt. Irgendwie blöd, oder?

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